{"id":1085,"date":"2022-01-22T17:54:00","date_gmt":"2022-01-22T15:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=1085"},"modified":"2022-01-22T17:58:48","modified_gmt":"2022-01-22T15:58:48","slug":"verbote-erlauben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=1085","title":{"rendered":"Verbote erlauben"},"content":{"rendered":"<p>Ohne sie w\u00e4ren wir l\u00e4ngst tot.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wer je an einem Bahngleis stand, kennt vielleicht das Schild mit der Warnung: \u201e\u00dcberschreiten der Gleise verboten\u201c. Man kann sich dar\u00fcber hinwegsetzen, ist aber unter Umst\u00e4nden teuer und nicht wiederholbar.<br \/>\nOder dieses Schild \u201eHolzf\u00e4llung \u2013 Durchgang verboten\u201c \u2013 es zu ignorieren ist einfach lebensgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Dennoch ist das Verbot neuerdings irgendwie verp\u00f6nt. Im j\u00fcngsten Bundestagswahlkampf spielte das Wort \u201eVerbotspartei\u201c eine gro\u00dfe Rolle. Auf einem Wahlplakat in Mecklenburg-Vorpommern war zu lesen: \u201eChancen statt Verbote\u201c. Was hei\u00dft das jetzt? Man m\u00f6ge dem Menschen die Chance geben, die Gleise bei Licht und Luft zu \u00fcberqueren, statt ihn in die dunkle Unterf\u00fchrung zu zwingen? Selbst das kleinste Verbot gilt manchen schon als \u201eUmerziehungsversuch\u201c. Manche sind der Ansicht, dem \u201em\u00fcndigen\u201c B\u00fcrger d\u00fcrfe man nichts verbieten, ihn blo\u00df nicht \u201eg\u00e4ngeln\u201c oder \u201ebevormunden\u201c. Das Verbot gilt als etwas Negatives, das Erlaubte hingegen ist das Gute.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein schr\u00e4ger Gedanke!<\/p>\n<p>Das Verbot geh\u00f6rt zu notwendig unserem Dasein. Was w\u00e4ren wir ohne! Sind wir doch froh, dass man die Gleise nicht \u00fcberschreiten, rechts nicht \u00fcberholen, vielerorts nicht Rauchen und im Rhein nicht Baden darf. Die Wirtschaft ist voller Verbote. Im Aktienrecht, beim Arbeitsschutz oder, selbstverst\u00e4ndlich, Banknoten nachzumachen. Die meisten Verbote sollen ja hierzulande nicht die Freiheit einschr\u00e4nken, sondern uns vor negativen Einfl\u00fcssen sch\u00fctzen. Freiheit definiert sich ja gerade dadurch, dass alles erlaubt, was nicht verboten ist. So ist das bei uns. Alles ist erlaubt, nur nicht das \u00dcberschreiten der Gleise. W\u00e4re das nicht so, hie\u00dfe es: \u201eErlaubt ist nur das Benutzen der Unterf\u00fchrung\u201c. Sicherlich muss eine freiheitliche Gesellschaft jedes Verbot hinterfragen, das gilt aber f\u00fcr das Erlaubte genauso.<\/p>\n<p>Wir sch\u00e4tzen am knackigen Verbot das Klarkantige, Unmissverst\u00e4ndliche, Ausnahmslose, Eindeutige. Das Verbot hat nichts Wachsweiches, das Verbot stellt nicht anheim, das Verbot l\u00e4sst keine Wahl, bevorzugt niemanden, benachteiligt niemanden, gilt f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Gerade in so einer angespannten Lage der Volksgesundheit, die wir haben, w\u00e4re Eindeutigkeit genau das Richtige. Wenn die Regierenden zur Einsicht gelangen, es sei ein Lockdown n\u00f6tig, um die Pandemie aufzuhalten \u2013 dann sofort. Nicht erst einer Woche. Die UK-Korrespondentin des Deutschlandfunks berichtete am Tag vor Heiligabend: \u201eMan will den Leuten Weihnachten keine Verbote aufzwingen\u201c (Europa heute, Deutschlandfunk, 23.12.2921).<\/p>\n<p>Und wenn die Regierung jedem ein \u201eImpfangebot\u201c macht, braucht sie sich nicht wundern, dass das manche ablehnen. Bei einem \u201eAngebot\u201c hat man die Wahl \u2013 annehmen oder ablehnen. Was die Regierung meint, aber nicht sagt, ist eine \u201eImpfpflicht\u201c, wenn schon noch nicht juristisch, dann auf jeden Fall moralisch.<\/p>\n<p>Stattdessen eiern sie rum. Wo Verbote unumg\u00e4nglich waren, um den Gesundheitsschutz aufrecht zu erhalten, hat man sich um den Begriff \u201eVerbot\u201c gedr\u00fcckt. Es hie\u00df dann, der Besuch von Schwimmb\u00e4dern, Konzerten oder Restaurants sei \u201enicht m\u00f6glich\u201c.<\/p>\n<p>Doch \u201enicht m\u00f6glich\u201c ist kein Synonym f\u00fcr \u201everboten\u201c. Es ist etwas ganz anderes. Das Baden in einem mit Wasser gef\u00fcllten Becken ist schon m\u00f6glich, aber verboten (wg. Infektionsschutz im Hallenbad). Wenn aber kein Wasser im Becken ist, dann ist Baden vielleicht erlaubt, aber nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ein Verbot sollte grunds\u00e4tzlich generell gelten. Das macht ein Verbot sozusagen \u201edemokratisch\u201c und \u201eegalit\u00e4r\u201c. Ausnahmen sind Gift. Um beim Beispiel mit dem Verbot des \u00dcberschreitens der Gleise zu bleiben, k\u00f6nnte man ja sagen, das Verbot gelte nur f\u00fcr Menschen mit Rollatoren, nicht aber f\u00fcr junge, flinke, was ja nicht ganz unsinnig w\u00e4re, bei Rollatorennutzerinnen und -nutzern aber f\u00fcr Unmut sorgen w\u00fcrde. So ist das mit Fahrverboten in St\u00e4dten, die f\u00fcr einen bestimmten Fahrzeugtyp nicht gelten, n\u00e4mlich f\u00fcr neuere Fahrzeuge mit einer bestimmten Schadstoffklasse, die glaube ich, beim Dieselmotor 6d hei\u00dft. Durchaus verst\u00e4ndlich, dass diese Ausnahme bei Fahrzeughaltern, die ein \u00e4lteres Fahrzeug ihr eigen nennen, das sie jeden Samstag waschen und pflegen und lange erhalten, f\u00fcr erheblichen Unmut sorgt.<\/p>\n<p>Dabei sollten wir uns vor dem Verbot gar nicht f\u00fcrchten. Es hat ja durchaus etwas Positives an sich. Zum Beispiel der Gesundheitsschutz von Anwohnern viel befahrener Stra\u00dfen in St\u00e4dten. Zum Beispiel die Ruhe von Wildtieren in Schutzgebieten, wo das Verlassen der Wege verboten ist. Zum Beispiel beim Fu\u00dfball, wo das Spiel nicht besser wird, wenn man dem Gegner ein Bein stellt.<\/p>\n<p>Leben ohne Verbote ist wie Slalom ohne Stangen. Irgendwie sinnlos.<\/p>\n<p><strong>Foto: \u201eHolzeinschlagt birgt Gefahren\u201c vom 6.11.2015,<br \/>\nVerband Hessischer Waldbesitzer<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hesswald.de\/2015\/11\/holzeinschlag-birgt-gefahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.hesswald.de\/2015\/11\/holzeinschlag-birgt-gefahren\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne sie w\u00e4ren wir l\u00e4ngst tot.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1087,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1085"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1089,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions\/1089"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1087"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}