{"id":126,"date":"2014-07-28T12:01:39","date_gmt":"2014-07-28T10:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=126"},"modified":"2014-07-28T12:14:19","modified_gmt":"2014-07-28T10:14:19","slug":"mindestlohnkatastrophe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=126","title":{"rendered":"Mindestlohnkatastrophe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Fotolia_39965458_XS_j.b.photo_2014-07-28.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-128 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Fotolia_39965458_XS_j.b.photo_2014-07-28-150x110.jpg\" alt=\"Spargel- jb photo-6\" width=\"150\" height=\"110\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Fotolia_39965458_XS_j.b.photo_2014-07-28-150x110.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Fotolia_39965458_XS_j.b.photo_2014-07-28-300x220.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Fotolia_39965458_XS_j.b.photo_2014-07-28.jpg 405w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Verfolgt man die Mindestlohndebatte, entsteht der Eindruck, es kommt eine ganz gro\u00dfe Wirtschaftskatastrophe auf uns zu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieses Interview ist nur ein Beispiel. Sven Astheimer von der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\" target=\"_blank\">Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/a> befragt den Spargelbauern Peter Lipp aus S\u00fcdhessen (Titel: Der Mindestlohn macht mir Angst).<br \/>\nA: Wie ist die Saison f\u00fcr Sie gelaufen?<br \/>\nL: Wir sind zufrieden und kommen \u00fcber die Runden. Aber was in Zukunft passieren wird, das kann ich nicht sagen.<br \/>\nStopp! Es reicht schon!<br \/>\nMal abgesehen davon, dass niemand sagen kann, was in Zukunft passieren wird, ist dieses Herbeireden einer unheilschwangeren Stimmung ein Witz. Denn es geht nur um ein paar Cent. F\u00fcr den Interviewer ist das die (ziemlich holprige) \u00dcberleitung zum Thema Mindestlohn.<br \/>\nA: Was w\u00fcrde es f\u00fcr Sie bedeuten, wenn es keine Ausnahmen f\u00fcr die Landwirtschaft oder Saisonarbeiter geben sollte?<br \/>\nL: Wir zahlen jetzt 7,20 Euro in der Stunde. Dazu kommen Zuschl\u00e4ge, die sich nach der Erntemenge richten. Wenn der Mindestlohn so kommt, wie man es h\u00f6rt, dann m\u00fcssten die Preise f\u00fcr Spargel sp\u00fcrbar steigen.<br \/>\nA: Was kostet das Kilo bei Ihnen zurzeit?<br \/>\nL: In der Klasse IV etwa 3,40 Euro, in der Klasse I ungesch\u00e4lt 8,80 Euro. Wir w\u00fcrden dann in die Bereiche von 10 Euro je Kilo kommen.<br \/>\nSp\u00fcrbar steigen?<br \/>\n10 Euro?<br \/>\nDa nun ein paar Zahlen auf dem Tisch liegen, kann man ja mal nachrechnen.<br \/>\nStiege der Lohn von 7,20 Euro (Zuschl\u00e4ge nicht gerechnet) auf 8,50 sind das 1,30 Euro. Die Leistung eines Erntehelfers betr\u00e4gt zwischen 3 und 5 Kilo pro Stunde. Mit 4 Kilo gerechnet w\u00fcrde das Kilo Spargel durch den Mindestlohn um 32,5 Cent teurer.<br \/>\nIn der teuersten Klasse kostet der Spargel, Direktverkauf unterstellt und ohne Umsatzsteuer (7 Prozent), 8,22 Euro. Dieser Preis stiege durch den Mindestlohn auf 8,55 Euro. Mit der Steuer m\u00fcsste der Verbraucher dann 9,15 Euro pro Kilo bezahlen, 35 Cent mehr als bisher.<br \/>\nIst das viel?<br \/>\nIst das wenig?<br \/>\nDas ist relativ.<br \/>\nAuf jeden Fall ist es noch weit weg von 10 Euro und w\u00fcrde den wahren Spargelliebhaber kaum vom Kauf abhalten. Es gibt also wenig Anlass f\u00fcr Bef\u00fcrchtungen aller Art.<br \/>\nAuch an der von Lipp ge\u00e4u\u00dferten Bef\u00fcrchtung, die Produktion k\u00f6nne abwandern, ist wenig dran.<br \/>\nWenn der peruanische Spargelbauer laut Lipp pro Kilo tats\u00e4chlich nur 1,25 Euro (w\u00f6rtlich sagt Lipp, der peruanische Spargel koste hier zwischen zwei und drei Euro, wir haben 50 Prozent Handelsspanne unterstellt, schlie\u00dflich gibt es hier keinen Direktverkauf, au\u00dferdem ist es ja nicht ganz billig, den Spargel nach Deutschland zu schippern) oder weniger bekommt, wird es Konkurrenz aus Peru immer geben, wollen wir die M\u00e4rkte nicht ganz abschotten. Da ist es unerheblich, ob der Spargel hier 8,80 oder 9,15 Euro kostet.<br \/>\nMit niedrigen L\u00f6hnen (wobei es ja nur die Differenz zwischen 7,20 und 8,50 Euro ist) ist es noch nie gelungen, einen bestimmten Industriezweig im Lande zu halten.<br \/>\nWobei, das sei am Rande bemerkt, aber die Komplexit\u00e4t solcher Themen f\u00fchrt zu weiteren Zusammenh\u00e4ngen, ist ja nicht der peruanische Spargelbauer die treibende Kraft. Die treibende Kraft, sind die hiesigen Importeure,<br \/>\ndie im Kosten-\/Preisunterschied zwischen Deutschland und Peru eine riesige Gewinnchance sehen, die sich durch den Mindestlohn nur ein klein wenig vergr\u00f6\u00dfert. Das ist nun mal Marktwirtschaft, wenn man so will.<br \/>\nAuch den Saison- oder \u00d6koeffekt k\u00f6nnte man noch bedenken. Dann taucht die Frage auf, ob man im Herbst, Peru liegt ja auf der S\u00fcdhalbkugel und arbeitet daher wahrscheinlich jahreszeitlich entgegengesetzt, in Deutschland Flugspargel essen muss, wom\u00f6glich noch mit Flugerdbeeren.<br \/>\nF\u00fcr den peruanischen Spargelbauern sind wir indessen ein prima Exportmarkt. Und das Land, das selbst als Exportweltmeister auf offene M\u00e4rkte angewiesen ist, sollte daran auch gar nichts \u00e4ndern wollen.<br \/>\nAbgesehen davon, ist es auch die bessere Entwicklungshilfe, den peruanischen Spargelbauern hier eine Exportchance zu er\u00f6ffnen.<br \/>\nAuch wenn das zu Lasten von Leuten wie Peter Lipp geht, das ist nun mal Marktwirtschaft und internationale Arbeitsteilung.<br \/>\nNur: Mit dem Mindestlohn hat das alles recht wenig zu tun.<br \/>\nDennoch sehen sich auch viele andere Branchen schon am Rande des Ruins:<br \/>\nDie Gastwirte f\u00fcrchten um ihre G\u00e4ste, wenn sie im Service den Mindestlohn bezahlen m\u00fcssen.<br \/>\nDie Zeitungsverleger f\u00fcrchten sogar das Ende der Pressefreiheit, wenn sie den Austr\u00e4gern den Mindestlohn bezahlen m\u00fcssen.<br \/>\nGanz f\u00fcrchterlich w\u00e4re es, wenn Jugendliche und Langzeitarbeitslose nun auch 8,50 Euro erhielten.<br \/>\nDaher hat man nun schon so viele Ausnahmeregelungen erlassen, dass die Katastrophe keine Chance hat.<br \/>\nMan k\u00f6nnte es aber auch so sehen: Je mehr Leute anst\u00e4ndig verdienen, desto mehr k\u00f6nnen sich den Spargel des Peter Lipp leisten. Vielleicht schrammt wenigstens er so knapp an der Katastrophe vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfolgt man die Mindestlohndebatte, entsteht der Eindruck, es kommt eine ganz gro\u00dfe Wirtschaftskatastrophe auf uns zu.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[16,17],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions\/132"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}