{"id":138,"date":"2014-08-25T11:29:01","date_gmt":"2014-08-25T09:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=138"},"modified":"2014-08-25T11:34:41","modified_gmt":"2014-08-25T09:34:41","slug":"so-stirbt-die-marktwirtschft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=138","title":{"rendered":"So stirbt die Marktwirtschft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-140\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-150x100.jpg\" alt=\"Sprint 1\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-300x200.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS.jpg 424w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Der Markt regelt fast nichts. Marktwirtschaft braucht Regeln. Wer keine Regeln schaffen will, nimmt den Tod der Marktwirtschaft in Kauf.<!--more-->Die hierzulande gepflegt Soziale Marktwirtschaft ist etwas ganz Gro\u00dfartiges. Eigentlich steht sie unter Weltkulturerbeverdacht.<br \/>\nAber sie hat Schwachstellen. Schlimmstenfalls, und das ist gar nicht so unwahrscheinlich, k\u00f6nnen diese Schwachstellen zum Tod der Marktwirtschaft f\u00fchren. Dazu geh\u00f6rt auch, dass keiner mehr so richtig Lust auf Marktwirtschaft hat, weil der Blick auf die Schw\u00e4chen das Gro\u00dfartige verstellt.<br \/>\nAber \u2013 alles wird gut, wenn aus Schwachstellen Baustellen werden. Hier die sieben wichtigsten Gr\u00fcnde, warum unsere Wirtschaftsordnung so auf Dauer nicht funktionieren kann.<\/p>\n<h4>1 Wettbewerb<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-140\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-150x100.jpg\" alt=\"Sprint 1\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS-300x200.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_42486679_XS.jpg 424w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Wettbewerb ist der Puls unserer Wirtschaftsordnung. Wer Ende der achtziger Jahre BWL studierte, lernte Wettbewerb als das Unterscheidungskriterium zum anderen Wirtschaftsmodell kennen, in dem der Plan regierte. Umso schlimmer, dass Wettbewerb heute mit F\u00fc\u00dfen getreten wird.<br \/>\nDer \u00e4rgste Fu\u00dftritt sind Fusionen und \u00dcbernahmen, auch M&amp;A \u2013 Mergers &amp; Acquisitions genannt. Genauer gesagt, ist es die Verherrlichung von M&amp;A. Es kommt nat\u00fcrlich immer etwas Gr\u00f6\u00dferes heraus und der neue Anf\u00fchrer ist der Gr\u00f6\u00dfte. Womit schon die wesentliche Triebfeder genannt w\u00e4re. Eine recht neue Triebfeder: Manche Unternehmen haben zu viel Geld, weil sie kaum noch Steuern bezahlen, auch neu, \u00fcbernehmen um Steuern zu sparen, wenn es so gelingt, den Stammsitz in ein Land mit niedrigeren Steuern zu verlegen.<br \/>\nDaher sollten M&amp;A kartellrechtlich weitgehend unterbunden werden. Denn sonst drohen Oligopole. Beispiel: Landmaschinen. Gab es in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts noch unz\u00e4hlige Traktorenhersteller, sind heute nur noch eine Handvoll \u00fcbrig geblieben.<br \/>\nDer Schaden f\u00fcr die Wirtschaft liegt unter anderem darin, dass sich eine Handvoll Wettbewerber leichter absprechen k\u00f6nnen, wie man an zahlreichen illegalen Kartellen sehen kann.<br \/>\nDer Wermutstropfen im Wettbewerbssystem. Viele Ressourcen gehen der Wirtschaft verloren, weil die Unternehmen vieles parallel entwickeln. Aber: So entstehen auch Innovationen.<\/p>\n<h4>2 Wachstum und Produktivit\u00e4t<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-142\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63443308_XS-150x112.jpg\" alt=\"Fahrzeugindustrie\" width=\"150\" height=\"112\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63443308_XS-150x112.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63443308_XS-300x225.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63443308_XS.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Wachstum geht gar nicht und ist nur in Ausnahmef\u00e4llen m\u00f6glich. Schrumpfung auch. Wachstum tendiert gegen unendlich, Schrumpfung gegen Null. Besonders geistreiche Manager sprechen dennoch von \u201eGesundschrumpfen\u201c. Dabei sollte klar sein: Auch ein Gro\u00dfkonzern mit 100.000 Leuten kann genau zehnmal 10.000 Leute \u201eabbauen\u201c, dann ist er weg. Dennoch ist der Abbau Realit\u00e4t und hat mit Produktivit\u00e4t zu tun. Ein Beispiel: Angenommen, in einer Fabrik bauen 1000 eigene Leute 100.000 Autos im Jahr. Der Produktivit\u00e4tszuwachs betr\u00e4gt im Jahr sechs Prozent, das hat einmal ein hochrangiger Manager der deutschen Automobilindustrie als Parole ausgegeben. Es geht rechnerisch los im Jahre Null (a0). Ein Jahr sp\u00e4ter (a1) ist die Produktionsmenge um sechs Prozent gestiegen, also um 6000 Autos auf 106.000 Autos. Ein weiteres Jahr sp\u00e4ter (a2) sind es 6360 Autos mehr, insgesamt 112.360 Autos. Und so weiter. Nach Ablauf einer Managerperiode (in der Regel f\u00fcnf Jahre = a5) rollen im Jahr 133.822 Autos vom Band.<br \/>\nEine Herausforderung f\u00fcr den Vertrieb.<br \/>\nDass dieses Modell derzeit im Ansatz funktioniert, verstellt uns den Blick f\u00fcr die Wirklichkeit und ist in Wirklichkeit aber eine historische Ausnahme. Durch einen historischen Zufall sind zun\u00e4chst die M\u00e4rkte in Westeuropa und Nordamerika gewachsen, sp\u00e4ter in Osteuropa, dann vor allem der chinesische Markt, in dem allein 16 Millionen Autos (2014) neu auf die Stra\u00dfen rollen. Vielleicht entstehen weitere M\u00e4rkte (Indien?), aber der Normalzustand ist der, der jetzt schon in Westeuropa gilt: S\u00e4ttigung. Das hei\u00dft, R\u00fcckgang, Stagnation oder bestenfalls nur minimale Wachstumsraten.<br \/>\nZur\u00fcck in die Fabrik.<br \/>\nEine zweite M\u00f6glichkeit ist, bei gleich hoher Arbeitsproduktivit\u00e4t, nicht mehr Autos, sondern eine gleich bleibende Zahl von Autos herzustellen, aber mit weniger Besch\u00e4ftigten. So br\u00e4uchte man in a1 dann sechs Prozent weniger Leute, das hei\u00dft nur noch 940. Sechzig Arbeitsstellen m\u00fcssten gestrichen werden, wenn keine andere Verwendung f\u00fcr die Stelleninhaber gefunden wird. Das kann \u00fcber mehrere Jahre kumuliert dann zu einem gr\u00f6\u00dferen Stellenabbau f\u00fchren.<br \/>\nDie dritte M\u00f6glichkeit ist, die Arbeitszeit zu reduzieren. Dann bauen 1000 Leute 100.000 Autos eben in immer weniger Arbeitstagen.<br \/>\nPraktisch sieht es so aus, dass sich nie eines der drei genannten Szenarios in \u201eReinform\u201c abspielt. Es gibt immer einen Mix.<br \/>\nPraktisch ist aber auch eine dauerhaft so hohe Produktivit\u00e4t unrealistisch, wird in der Automobilindustrie aber als Ziel gesehen.<br \/>\nPraktisch ist auch Wirtschaftswachstum als Dauererscheinung unrealistisch, wird aber von Wirtschaft und Politik als Ziel angesehen.<br \/>\nNat\u00fcrlich gibt es immer wieder Unternehmen und M\u00e4rkte, die aufgrund gl\u00fccklicher F\u00fcgung oder Innovationen wachsen \u2013 aber Wachstum zum dauerhaften Ziel einer Volkswirtschaft zu erheben, ist unrealistisch.<\/p>\n<h4>3 Too Big to Fail<\/h4>\n<p>Google sollte als abschreckendes Beispiel dienen. Mit seinem Produkt bzw. seiner Dienstleistung hat dieses Unternehmen einen so wichtigen Lebensbereich der Menschen quasi monopolisiert, dass Internet ohne Es nicht mehr denkbar ist. Nun macht sich ohnehin niemand ernsthafte Gedanken \u00fcber einen Zerschlagung, aber selbst wenn \u2013 es ist zu sp\u00e4t. L\u00e4ngst hat das Unternehmen den Status \u201eTo Big To Fail\u201c erreicht. Schiefgehen kann hier gar nichts mehr, ohne dass es zu gr\u00f6\u00dferen, kaum kontrollierbaren Ersch\u00fctterungen der Internetwirtschaft k\u00e4me. An Google r\u00fctteln hie\u00dfe an der Schwerkraft r\u00fctteln (mehr als eine Alternative zu G. finden Sie <a href=\"http:\/\/www.seo-united.de\/suchmaschinen.html\" target=\"_blank\">hier<\/a>). L\u00e4ngst hat das Unternehmen eine Marktkapitalisierung (Marktmacht!), einen Marktanteil, einen Umsatz und eine Besch\u00e4ftigtenzahl erreicht, die jegliche R\u00fcttelversuche gef\u00e4hrlich macht. Macht hat das Unternehmen inzwischen auch genug, um sich durch politische Einflussnahme und Lobbyismus gegen jegliche Beschr\u00e4nkung zu wehren. Bemerkenswert ist auch der unglaubliche Reichtum des Unternehmens, der Wettbewerb und Konkurrenz nahezu unm\u00f6glich macht, weil man andere Unternehmen, die einem ins Gehege kommen, weil sie einem nicht passen oder auch passen, einfach aufkauft.<br \/>\n\u201eTo Big to Fail\u201c ist l\u00e4ngst ein eigenst\u00e4ndiges politisches Problem. Im Wikipedia-Eintrag dazu hei\u00dft es, je gr\u00f6\u00dfer das Unternehmen, desto gr\u00f6\u00dfer sein Einfluss auf andere Wirtschaftsteilnehmer. Da auch der Staat ein Wirtschaftsteilnehmer ist, gilt das auch f\u00fcr ihn. \u201eRettungsaktionen\u201c des Staates erscheinen in einer ganzen Reihe von Branchen als letztes Mittel, das Wirtschaftssystem vor dem Kollaps zu retten. Das war bei den Banken so, auch in der Automobilindustrie gibt es nur noch wenige Gro\u00dfkonzerne, und ganz zu schweigen von Google. Systemrelevanz, die eigentlich ein grunds\u00e4tzliches Nachdenken erfordert (siehe Kapitel \u201eLandwirtschaft\u201c), manifestiert sich so einfach nur durch Gr\u00f6\u00dfe.<br \/>\nMan muss es auch mal so sagen: Wem an der Ordnung der Wirtschaft etwas gelegen ist, der sollte sich f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige, eher kleinteilige mittelst\u00e4ndische Wirtschaft einsetzen. Konzerne st\u00f6ren nur. Gro\u00dfkonzerne st\u00f6ren erst recht. Vielleicht kann man sich das wie eine Modelleisenbahnanlage vorstellen, ein, zugegeben, etwas antiquiertes Ding. Aber alles hat da seine Ordnung, ausgedr\u00fcckt im Ma\u00dfstab 1:sowieso. Wer nun liebevoll einen Kleinzoo f\u00fcr seine M\u00e4rklin-Welt nachgebaut hat, braucht auch den Elefanten genau im Ma\u00dfstab 1:sowieso. In unserer Realwirtschaft haben wir aber die Situation, dass der Elefant w\u00e4chst und w\u00e4chst und so nicht mehr zum Modell (d.h. zur Wirtschaftsordnung) passt und \u00fcberdies einiges zertrampelt\/kaputt macht.<\/p>\n<h4>4 Einzelinteresse vs. Gemeinwohl<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-141\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_48428799_XS-109x150.jpg\" alt=\"Tropical beach\" width=\"109\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_48428799_XS-109x150.jpg 109w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_48428799_XS-219x300.jpg 219w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_48428799_XS.jpg 296w\" sizes=\"(max-width: 109px) 100vw, 109px\" \/>Eines der st\u00e4rksten Gifte f\u00fcr die Soziale Marktwirtschaft ist der Gegensatz der Interessen der Gesamtheit (Volkswirtschaft) und der Einzelnen, in erster Linie der Betriebe, aber auch Privathaushalte und Einzelpersonen.<br \/>\nEklatantes Beispiel: die Steuern. Was tun Unternehmen und Privatpersonen nicht alles, um die Steuerlast zu minimieren, oder zu optimieren, wie es besch\u00f6nigend hei\u00dft. Andererseits k\u00f6nnen die (steuerfinanzierten!) staatlichen Leistungen gar nicht gro\u00df genug sein! Und gerade die Gro\u00dfkonzerne ragen hier heraus, schon weil sie \u201eprofessioneller\u201c vorgehen als kleinere Wirtschaftssubjekte, aber auch weil die Hand, die sie aufhalten, eben besonders gro\u00df ist. So kommen amerikanische Gro\u00dfkonzerne auf einen Steuersatz von 2-3 Prozent, w\u00e4hrend sich treu sorgende, arbeitende Familienv\u00e4ter mit 20-30 Prozent herum\u00e4rgern m\u00fcssen.<br \/>\nAber auch aus der Welt der treu sorgenden Familienv\u00e4ter gibt es ein eklatantes Beispiel: die Rente. F\u00fcr die Volkswirtschaft w\u00e4re es gut, jedermann w\u00fcrde m\u00f6glichst lange arbeiten. Also bis 67, wobei auch schon die 70 im Gespr\u00e4ch ist. Dennoch gilt es als Volkssport, m\u00f6glichst fr\u00fch in Rente zu gehen, dennoch gilt der als schlau, der es geschafft hat fr\u00fcher zu gehen, w\u00e4hrend der doofe Rest bis 67 oder gar 70 malocht. Wer bekommt nicht feuchte Augen, wenn er h\u00f6rt, dass angeblich ein amerikanischer Gro\u00dfkonzern hierzulande beim Stellenabbau die Leute mit 48 in Rente schicken konnte, desgleichen angeblich Berufspiloten bei der Bundeswehr. Zu Lasten der Rentenkasse, d.h. der Allgemeinheit.<br \/>\nAndere Beispiele: Ein Betrieb will m\u00f6glichst wenig Mitarbeiter und diese zu m\u00f6glichst niedrigen L\u00f6hnen, f\u00fcr die Volkswirtschaft ist es gut, wenn m\u00f6glichst viele viel verdienen. Ein Betrieb will m\u00f6glichst wenige Regularien, die Volkswirtschaft braucht Regularien, zum Beispiel um die Verbraucher und die Umwelt zu sch\u00fctzen. Ein Betrieb will m\u00f6glichst wenig f\u00fcr ein Baugrundst\u00fcck bezahlen, im Interesse der Gemeinde w\u00e4re es, m\u00f6glichst viel daf\u00fcr zu bekommen. R\u00e4tselhaft ist, wie eine Gemeinde in der N\u00e4he des Bodensees Industriegrund f\u00fcr 30 Euro pro Quadratmeter mit exzellenter (teurer) Infrastruktur anbieten kann. Des R\u00e4tsels L\u00f6sung k\u00f6nnte sein, dass man daf\u00fcr dem treu sorgenden Familienvater, der bauen will, 300 Euro pro Quadratmeter aus der Tasche zieht und damit u. U. Gro\u00dfkonzerne subventioniert.<br \/>\nAuch M&amp;A, in der Wirtschaft hei\u00df geliebt, weil es angeblich so genannte Synergien gibt, sind f\u00fcr die Volkswirtschaft nicht unbedingt n\u00fctzlich und schaden dem Wettbewerb (siehe Abschnitt 1, Wettbewerb).<\/p>\n<h4>5 Ressourcen<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-146\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Papierrolle-148x150.jpg\" alt=\"Papierrolle\" width=\"148\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Papierrolle-148x150.jpg 148w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Papierrolle-297x300.jpg 297w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Papierrolle.jpg 590w\" sizes=\"(max-width: 148px) 100vw, 148px\" \/>Wir verbrauchen zu viel von allem. Mehr als uns zusteht. Mehr als es der Gesamtwirtschaft gut tut.<br \/>\nDiesen Punkt bekommen viele in den falschen Hals. Was daran liegt, dass bei der Sache mit den Ressourcen meist ein unsichtbares, geruchloses Gas ins Spiel kommt, das CO<sub>2<\/sub>. Es ist ein Verbrennungsprodukt, also eigentlich Abfall, wodurch denjenigen, die es produzieren, der Ruch der Umweltverschmutzung anhaftet. Und auch die Zertifikate, die es Unternehmen erlauben, bestimmte Mengen des Gases auszusto\u00dfen, hei\u00dfen Verschmutzungsrechte. Nun will keiner gerne eine \u00d6kosau sein, blo\u00df weil er ein Auto f\u00e4hrt, ab und zu nach Mallorca fliegt und im Winter ein paar Erdbeeren verspeist. Dass unser gew\u00f6hnliches Konsumverhalten pl\u00f6tzlich ein Problem sein sollte, verwinden bis heute viele nicht. Entsprechend stark sind die Abwehrreaktionen bis hin zur Behauptung, Klimawandel habe es schon immer gegeben. Den gab es schon immer, klar. Nur z\u00e4hlt die Zivilisationsgeschichte des Menschen sagen wir 5000 Jahre, die Klimageschichte viele Millionen Jahre. Wenn sich vor 10.000 Jahren die Erde um ein paar Grad erw\u00e4rmte, wg. durch z. B. Vulkanausbruchs freigesetzten CO<sub>2<\/sub>, und der Meeresspiegel 10, 20, 30 Meter stieg, dann juckte das keinen, weil es niemanden gab, den es jucken konnte, abgesehen von ein paar H\u00f6hlenbewohnern auf der Schw\u00e4bischen Alb sowieso in 600 m \u00fc.d.M. Heute wohnt ein Gutteil der Menschheit in K\u00fcstenst\u00e4dten, wo sich der Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter schon katastrophal auswirken k\u00f6nnte. Da w\u00e4re es doch nett, ein bisschen was daf\u00fcr zu tun, dass es nicht so kommt.<br \/>\nAnschaulicher und vielleicht nicht so scheinbar diskriminierend wie ein CO<sub>2<\/sub>-Verschmutzer zu sein, ist vielleicht der Ansatz des Stoffverbrauchs nach Friedrich Schmidt-Bleek.<br \/>\nDemnach gibt es f\u00fcr jedes Produkt und jede Dienstleistung einen materiellen Fu\u00dfabdruck (MIPS), bzw. eine Ressourcenintensit\u00e4t. Also, wer Zeitungen, Zeitschriften und B\u00fccher liest verbraucht Papier. Wichtigster Rohstoff: Holz, das aus dem Wald kommt. Nun beginnt das Rechnen. Wenn jeder eine Tageszeitung abonniert, ist dann erstens genug Holz da, geben die W\u00e4lder bei nachhaltiger Bewirtschaftung und Recycling (Altpapier) so viel her, zweitens, ist genug Energie da, um das Papier herzustellen, drittens, senkt die Nutzung elektronischer Ger\u00e4te, die es erm\u00f6glichen Zeitungen oder z. B. diesen Blog zu lesen, die Ressourcenintensit\u00e4t oder wird alles noch aufwendiger? Wenn man vor allem die dritte Frage noch hinzuzieht, f\u00fchrt das zu einer ziemlich komplexen Rechnerei. Jedenfalls haben Wissenschaftler errechnet, dass jeder Mensch auf der Erde pro Jahr sechs bis acht Tonnen Material verwenden kann, um die \u00d6kosph\u00e4re stabil zu halten. Jeder Deutsche braucht derzeit 70 Tonnen.<br \/>\nHier zeigt sich auch, wie wichtig Langlebigkeit ist. Wer Auto f\u00e4hrt, f\u00e4hrt eine halbe Tonne Stahl (oder Aluminium, \u00f6kologisch gesehen eine Katastrophe) spazieren. Da kommt es schon drauf an, wie oft man, diese halbe Tonne Stahl beansprucht. Und es zeigt sich, dass Langlebigkeit v\u00f6llig unvereinbar ist mit dieser, auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsordnung. Wo k\u00e4men wir hin, wenn sich jeder nur einmal im Leben ein Auto kaufen w\u00fcrde, gesetzt den Fall, es w\u00fcrde so lange halten.<br \/>\nWas bei dieser Betrachtung immer zu kurz kommt, ist die Frage (eigentlich der immer untersch\u00e4tzte kant\u2019sche kategorische Imperativ): Was passiert, wenn \u201ees\u201c alle tun? Was passiert, wenn alle gesch\u00e4tzt zweieinhalb Milliarden Haushalte dieser Erde, eine Zeitung abonnieren, ein Tablet kaufen, ein Auto fahren? Recht das Holz? Reicht das Kupfer? Reicht der Stahl?<br \/>\nEin letzter Aspekt ist der Landschaftsverbrauch durch Siedlungen, Stra\u00dfen und Gewerbe. Hier ist der Unterschied zu den anderen Ressourcen die absolute Klarheit, wie viel verf\u00fcgbar ist. W\u00e4hrend wir letztlich nicht genau wissen wann der Peak Oil kommt, wie viele Vorkommen an Eisenerz, Kupfer, Lithium, Gas etc. es gibt (auch der extraterrestrische Raum wird schon auf eine m\u00f6gliche Exploration von Rohstoffen untersucht), wissen wir auf den Quadratmeter genau, wieviel Fl\u00e4che dem Menschen zur Verf\u00fcgung steht. Es w\u00e4re also ganz leicht auszurechnen, wie lange wir t\u00e4glich quadratkilometerweise Land zubetonieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>6 Landwirtschaft<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-143\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63902663_XS-150x94.jpg\" alt=\"Agricultural tractor sowing and cultivating field\" width=\"150\" height=\"94\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63902663_XS-150x94.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63902663_XS-300x189.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_63902663_XS.jpg 436w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Das f\u00fchrt direkt zur Landwirtschaft, und, um es vorweg zu sagen \u2013 sie ist der einzige Wirtschaftszweig, der \u201esystemrelevant\u201c ist. Dummerweise wird das von einer Minderheit so gesehen. Ohnehin ist der Bauernstand nicht der hippste. Die Mehrheit debattiert dar\u00fcber, ob Banken, Medien oder die Automobilindustrie systemrelevant sind. Alles Quatsch. Wir brauchen kein Geld, m\u00fcssen nicht Zeitung lesen und auch nicht Auto fahren. Das einzige was wir m\u00fcssen: essen.<br \/>\nAuch ist der Bauernstand nicht mehr in der Lage gro\u00df zu wachsen und steht damit im str\u00e4flichen Widerspruch zur allgemeinen Wachstumsdoktrin. Wir in Deutschland holen nicht mehr mehr vom Hektar herunter und wenn die Traktoren noch so viele PS haben und die M\u00e4hdrescher jedes Jahr breiter werden. Es wird auch nicht wesentlich mehr, wenn D\u00fcnger und Pestizide GPS-gesteuert ausgebracht werden.<br \/>\nSomit passt die Landwirtschaft nicht in das Wirtschaftssystem namens \u201eMarktwirtschaft\u201c. Die Konzentration auf wenige Agrarkonzerne wirkt sich hier sogar besonders schlimm aus, aber das ist jetzt mehr ein Pl\u00e4doyer als eine Bestandsaufnahme.<br \/>\nEin Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine kleinteilige, familiendominierte, \u00f6kologische Landwirtschaft, am besten nach den Demeter-Richtlinien. Denn wahr ist die Aussage von Felix zu L\u00f6wenstein: \u201eWir werden uns \u00f6kologisch ern\u00e4hren oder gar nicht mehr.\u201c<\/p>\n<h4>7 Der Mensch<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-144\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_68389512_XS-150x99.jpg\" alt=\"???????????????\" width=\"150\" height=\"99\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_68389512_XS-150x99.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_68389512_XS-300x199.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Fotolia_68389512_XS.jpg 425w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Dieses Kapitel hat zwei Aspekte. Der eine ist, ob die Marktwirtschaft den Menschen braucht, der andere, ob der Mensch die Marktwirtschaft vertr\u00e4gt.<br \/>\nAntwort: Zweimal nein.<br \/>\nJa gewiss, als Konsument ist der Mensch unverzichtbar. Sonst wird er eher weniger ben\u00f6tigt. Nun geisterte schon vor zwanzig Jahren beim Auftauchen der ersten Roboter das Bild von der \u201emenschenleeren Fabrik\u201c durch die K\u00f6pfe. Doch in den Fabriken wuseln noch immer Menschen herum, sogar in Deutschland, in Vietnam erst recht. Doch die Tendenz, immer weniger Menschen, die ja Kostenfaktoren sind und teilweise schwanger werden, zu besch\u00e4ftigen gibt es. Und zwar derzeit weniger in der Industrie, weil der deutsche Export ausnahmsweise noch relativ gut l\u00e4uft, sondern in der Dienstleistungsbranche. 1990 hatte die Deutsche Bundesbahn 249.000 und die Deutsche Reichsbahn (der DDR) 224.000 Besch\u00e4ftigte, zusammen 473.000. Die Deutsche Bahn AG hatte Ende 2013 nur noch 309.000 Besch\u00e4ftigte. Gewiss, es gibt keine Bahnpolizei mehr und auch andere Unternehmensteile wurden abgesto\u00dfen. Aber letztlich ist der Grund ein Personalabbau durch weniger Leistung (Strecken- und Bahnhofsstillegungen) oder Automatisierung (Fahrkartenautomaten, bahn.de).<br \/>\nUnd auch dem Menschen schadet diese Marktwirtschaft, solange sie nicht wirklich \u201esozial\u201c sondern mehr und mehr \u201eliberal\u201c ist.<br \/>\nDie Betriebe verlangen mehr vom Menschen, als dieser zu geben imstande ist. Klar, man kann es toll finden, in 60-Stunden-Wochen vom Unternehmen gefressen zu werden, klar, man kann es toll finden, t\u00e4glich 300 Mails zu bekommen, auch im Urlaub. Ein anderes Leben, als das f\u00fcr die Firma ist so nicht m\u00f6glich. Unm\u00f6glich sind soziale Kontakte, Partnerschaft, Vereine und vor allem Familie. Norbert Bl\u00fcm wird die Aussage zugeschrieben, die Familie sei ein potenziell revolution\u00e4res Residuum des Widerstands gegen die kapitalistische Verwertbarkeitslogik.<br \/>\nDamit wird klar: \u00d6konomische Logik und menschliches Miteinander sind teilweise ein erheblicher Widerspruch. Arbeiten wir an einer besseren Vereinbarkeit.<\/p>\n<p>Das waren die sieben Gr\u00fcnde. Aber es gibt noch mehr Gr\u00fcnde, z. B. die wachsende Ungleichheit und Kapitalakkumulation, und es gibt viel mehr Leute, welche die Gr\u00fcnde besser, schl\u00fcssiger und \u00fcberzeugender darlegen k\u00f6nnen, als das hier an dieser Stelle der Fall ist. Dazu z\u00e4hlen Herbert Gruhl, Meinhard Miegel, Harald Welzer, Nikolaus Paech, Thomas Piketty und viele mehr \u2013 aber ebenso viele, dass der \u00dcberblick eine richtige Herausforderung ist. Wirtschaftskritik und Wachstumskritik gibt es reichlich, beides ist aber nicht Teil des \u00f6konomischen Mainstreams, schon gar nicht in Lehre und Forschung.<br \/>\nDoch die Soziale Marktwirtschaft verdient es, neu gedacht zu werden. Sie braucht Regeln, damit sie uns erhalten bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Markt regelt fast nichts. Marktwirtschaft braucht Regeln. 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