{"id":160,"date":"2014-09-25T08:28:51","date_gmt":"2014-09-25T06:28:51","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=160"},"modified":"2014-09-25T08:35:33","modified_gmt":"2014-09-25T06:35:33","slug":"freiheit-eine-begruendung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=160","title":{"rendered":"Freiheit \u2013 eine Begr\u00fcndung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-162\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/69862224-\u00a9-Piotr-Marcinski-150x100.jpg\" alt=\"Businessman tied up with chain\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/69862224-\u00a9-Piotr-Marcinski-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/69862224-\u00a9-Piotr-Marcinski-300x200.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/69862224-\u00a9-Piotr-Marcinski.jpg 424w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Wer weiterhin eurozentrisch denken will, sei begr\u00fcndungspflichtig,<br \/>\nsagte der Historiker J\u00fcrgen Osterhammel beim 60. Geburtstag<br \/>\nvon Kanzlerin Angela Merkel.<br \/>\nHier eine Begr\u00fcndung: Nur die westlichen, eurozentrischen Werte<br \/>\ngarantieren die Freiheit des Menschen.<br \/>\n<!--more-->Von den westlichen Werten sind die W\u00fcrde und die Freiheit des Einzelnen die vornehmsten. Die Gegner dieser Werte haben in Wahrheit nur eines im Sinn: Sie wollen den Menschen wieder versklaven.<br \/>\nUnd die Gegner werden nicht nur zahlreicher, sondern auch politisch und wirtschaftlich m\u00e4chtiger. Als Autokraten ziehen sie eine gewisse Bewunderung auf sich, weil sie scheinbar effizient und erfolgreich regieren, in China, der T\u00fcrkei, in Ruanda. Ohne Volk geht\u2019s auch. Im Osten (von Europa aus) ziehen viele den Schluss, wirtschaftlicher Erfolg stelle sich gerade dann ein, wenn die Werte des Westens fehlen. Wer beispielsweise einen Staudamm bauen will, f\u00fcr den Tausende Menschen ihr Zuhause verlassen m\u00fcssen, der wird die Rechte dieser Menschen auf Meinungs\u00e4u\u00dferung, Demonstration und gerichtlichen Klagen eher gering sch\u00e4tzen.<br \/>\nGeringsch\u00e4tzung erfahren diese Werte von vielen Seiten. Der russische Philosoph Alexander Dugin beispielsweise sagt (FAZ, 16.06.2014), die Tods\u00fcnde des Westens sei, dass er die eigenen Werte, Demokratie und Menschenrechte, Individualismus und Marktwirtschaft, f\u00fcr universal halte und anderen aufdr\u00e4nge. Der Westen solle seine Werte als lokal betrachten.<br \/>\nH\u00e4tte ich die Gelegenheit, mit Herrn Dugin zu diskutieren, der wohl auch als Berater des russischen Pr\u00e4sidenten gilt, w\u00fcrde ich zwei Dinge klarstellen.<br \/>\nErstens: Es muss Regeln geben.<br \/>\nZweitens: Es sind unsere (westlichen) Regeln.<br \/>\nWenn der Herr dann noch mit mir reden w\u00fcrde, w\u00fcrde ich dazu klarstellen.<br \/>\nZu erstens: Ohne Regeln geht gar nichts. Das gilt das Zusammenleben in der Familie (Wer r\u00e4umt den Tisch ab?), das gilt f\u00fcr das Zusammenleben der V\u00f6lker, der Unternehmen, es muss Regeln f\u00fcr die Good Gouvernance geben, oder auch, ganz banal, f\u00fcr den Verkehr und das Spiel. Spielen Sie mal mit Menschen, welche die Regeln nicht kennen oder sich nicht daran halten. K\u00fcrzlich fand ich in der Zeitung folgende Anekdote: In einer Schule unserer Stadt waren Austauschsch\u00fclerinnen aus Indien zu Gast. Auf die Frage des Lokalreporters, was ihnen an Deutschland am besten gefallen habe, sagten sie, ihnen gefalle, dass die Autofahrer auch dann bei rot halten, wenn keine Polizei in der N\u00e4he ist. Klar, oder? Leute, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten wollen, d\u00fcrfen nicht auf die Stra\u00dfe.<br \/>\nZu zweitens: Hier geht es um die Frage, welche oder wessen Regeln gelten. Ich w\u00fcrde sagen, also mein lieber Herr Dugin, ich will Ihnen unsere westlichen Regeln nicht aufdr\u00e4ngen, nur sehe ich keine Alternative dazu. Sicher, auch andere Kulturen haben respektable Kanones. Alexander Dugins Logik nach, w\u00e4ren auch diese dann lokal. Das ist solange okay, wie die einzelnen Kulturen, V\u00f6lker und Nationen nicht miteinander in Ber\u00fchrung kommen. Was in der Geschichte der Menschheit aber noch nie der Fall war. Darum m\u00fcssen sich zwei Kaufleute aus verschiedenen L\u00e4ndern ja auch zun\u00e4chst \u00fcber das anzuwendende Recht, den Gerichtsstand etc. einigen. Wenn wir also nicht Milliarden bilateraler Abkommen wollen, brauchen wir ein universelles Wertesystem.<br \/>\nUnd das ist das Westliche!<br \/>\nDie Frage ist, warum es manchen Menschen so schwer f\u00e4llt, die westlichen Werte als universell zu akzeptieren. Dass es so ist, wie es jetzt ist, ist eben eine Jahrhunderte dauernde historische Entwicklung. Man denke sich doch mal folgendes: Der Nullmeridian ist eine gedachte Linie, die v\u00f6llig willk\u00fcrlich \u00fcberall verlaufen k\u00f6nnte. Sie l\u00e4uft durch Greenwich\/London und ist daher sozusagen ebenfalls eurozentrisch. Und?<br \/>\nErstens: Wir brauchen eine Nulllinie, sprich Regel.<br \/>\nZweitens: Es ist nun mal Greenwich.<br \/>\nEs muss nicht Greenwich, es kann auch Moskau, Peking oder Istanbul sein. Von mir aus. Es w\u00e4re bestimmt auch lustig, die bestimmenden Herren dar\u00fcber streiten zu sehen.<br \/>\nSchlie\u00dflich w\u00fcrde ich Herrn Dugin auch noch folgendes sagen: Oprostite, aber Sie sind Wegbereiter eines autorit\u00e4ren Kapitalismus, der im Prinzip nur funktioniert, wenn westliche Regeln nicht gelten. Der autorit\u00e4re Kapitalismus w\u00fcrde nicht funktionieren, wenn es bei jedem der zahlreichen Gro\u00dfprojekte eine B\u00fcrgerbeteiligung und Volksabstimmung wie zum Beispiel bei Stuttgart 21 geben w\u00fcrde. Der autorit\u00e4re Kapitalismus vertr\u00e4gt sich nicht mit den westlichen Regeln, weil sie st\u00f6ren. Durch Leute wie Alexander Dugin l\u00e4sst er sie nicht entwerten und nicht diffamieren, aber er l\u00e4sst den G\u00fcltigkeitsbereich dieser Regeln reduzieren.<br \/>\nLetztlich ist die Antwort auf die Frage, warum andere so oft und immer st\u00e4rker an den westlichen Werten r\u00fctteln, erschreckend: Die politisch-wirtschaftlichen Establishments in den L\u00e4ndern mit autorit\u00e4rem Kapitalismus lehnen dieses Wertesystem ab, weil es den Menschen frei macht, weil es ihm Rechte verleiht. Die Freiheit des Einzelnen lehnen viele mit der Begr\u00fcndung ab, sie sch\u00e4tzen kollektive Werte h\u00f6her. Die Wahrheit aber ist: Freie Menschen hindern das jeweilige politisch-wirtschaftliche Establishment an seiner Entfaltung. Der unpolitische, aber eifrige, flei\u00dfige, Konsument ist ihnen am liebsten. Ihr Ideal ist der durch relativen Wohlstand ruhig gestellte, nicht selbst denkende, unaufgekl\u00e4rte, von staatlichen Medien gelenkte Sklave.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer weiterhin eurozentrisch denken will, sei begr\u00fcndungspflichtig, sagte der Historiker J\u00fcrgen Osterhammel beim 60. Geburtstag von Kanzlerin Angela Merkel. 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