{"id":175,"date":"2014-09-25T09:56:40","date_gmt":"2014-09-25T07:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=175"},"modified":"2014-09-25T09:59:16","modified_gmt":"2014-09-25T07:59:16","slug":"die-zuviel-gesellschaft-verschenkt-grossherzig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=175","title":{"rendered":"Die Zuviel-Gesellschaft verschenkt gro\u00dfherzig"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-163\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Fotolia_53018724_XS_\u00a9-eyetronic-150x100.jpg\" alt=\"Sperrm\u00fcll\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Fotolia_53018724_XS_\u00a9-eyetronic-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Fotolia_53018724_XS_\u00a9-eyetronic-300x200.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Fotolia_53018724_XS_\u00a9-eyetronic.jpg 424w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Was nach Gro\u00dfherzigkeit aussieht ist in Wirklichkeit<br \/>\ndie pure Not: Wir ersticken in den Fluten von Zeugs.<br \/>\nSchenken als letzter Ausweg.<br \/>\n<!--more-->Man muss nicht nichts haben. Faszinierend w\u00e4re es aber schon. Zum Beispiel die Franziskaner. Besitzlosigkeit ziert sie, Geldannahme war ihnen zeitweise g\u00e4nzlich verboten. Oder Diogenes von Sinope. Nicht einmal einen Becher wollte er angeblich besitzen, zum Trinken reicht schlie\u00dflich die hohle Hand.<br \/>\nEhrlich gesagt, nichts w\u00fcrde den wenigsten reichen. Doch unser Problem ist nicht das Nichts, sondern das Zuviel. Was nichts ist, ist klar, was aber ist zu viel? Eine Antwort zeichnete sich ab, als Soziologen untersuchten, was ein Tuareg pers\u00f6nlich besitzt und was ein moderner Westeurop\u00e4er. In der Zahl von Gegenst\u00e4nden ausgedr\u00fcckt lag das Verh\u00e4ltnis in etwa 30 zu 3000. Das hat Konsequenzen. Kann man beispielsweise von einem Kind verlangen, sein Zimmer halbwegs in Ordnung zu halten, wenn sich darin 3000 Gegenst\u00e4nde befinden? Ehrlich gesagt, nein.<\/p>\n<p>Ganz genau wissen, wieviel sie besitzt, wollte die Architektin und Designerin Henrike G\u00e4n\u00df<br \/>\n(Greenpeace Magazin 1.14). Bei einer Bestandsaufnahme ihrer Habe (Habseligkeiten sind das ja wahrlich nicht) kam sie auf 2506 Gegenst\u00e4nde. Davon hat sie etwa vier F\u00fcnftel als nicht arbeits- oder lebensnotwendig aussortiert. 577 Gegenst\u00e4nde beh\u00e4lt sie.<br \/>\nWie kommt es, dass der Mensch so viel \u201eSach\u201c hat, wie man im Schw\u00e4bischen sagt? Drei Gr\u00fcnde. Da ist zum einen der nat\u00fcrliche Eichh\u00f6rnchen-Sammeltrieb des Menschen. Beispiel Tassen: Am Anfang war die Grundausstattung von einem halben Dutzend, die man noch von Muttern mit bekommen hat. Es kamen hinzu: Geschenke, Mitbringsel, Reiseandenken, nicht zu vergessen die Gl\u00fchweintassen der in Dekaden besuchten Weihnachtsm\u00e4rkte, irgendwann auch ein hochwertiges Porzellanservice, das eine oder andere Selbstgemachte aus Ton. Irgendwann steht man vor einem Platzproblem. Also verschwindet ein Teil der wenig genutzten Tassen zuerst in einem Karton und dann im Keller. Was nat\u00fcrlich auch keine L\u00f6sung ist. Der zweite Grund f\u00fcr die Warenschwemme sind die Discounter. Woche f\u00fcr Woche \u00fcberschwemmen sie uns mit so genannter Aktionsware, die zwar meist n\u00fctzlich ist, die man aber l\u00e4ngst in mehrfacher Ausf\u00fchrung hat. Der dritte Grund: Man kann es sich leisten. Angebotsseitig \u2013 die Discounter sind billig, nachfrageseitig \u2013 die meisten von uns verdienen recht gut und k\u00f6nnen sich einiges leisten. Einiges? Fast alles! Ein fr\u00fcherer Nachbar lie\u00df einmal unvorsichtigerweise seine Garage offen. Was wir da alles erblickten! Rennr\u00e4der, Mountainbikes, Mopeds, Skiausr\u00fcstungen, Snowboards, Boote, und, und, und\u2026 Wir nannten ihn \u201eAlleshaber\u201c.<br \/>\nIrgendwann jedoch ist uns Alleshabern auch die gr\u00f6\u00dfte Garage zu klein. Die naheliegendste L\u00f6sung und die erfreulichste: Wir verkaufen das Zeugs wieder. Auf Flohm\u00e4rkten, Kinderkleiderb\u00f6rsen, Skib\u00f6rsen usw. Doch hier kann man auch b\u00f6se \u00dcberraschungen erleben. Selbst auf ein Nasenwasser reduzierte, neuwertige Markenartikel bleiben liegen. Gerade bei B\u00f6rsen f\u00fcr Kinderkleider und Spielzeug zeigt sich: das Angebot \u00fcbersteigt die Nachfrage bei weitem. Oft haben auch verm\u00f6gende Gro\u00dfeltern dem einzigen Enkel einiges zu bieten. Da muss man nichts Gebrauchtes kaufen.<br \/>\nAlso, wenn schon nicht verkaufen, dann wenigstens verschenken. Tats\u00e4chlich gibt es immer mehr sogenannte Umsonstl\u00e4den. Manche sehen darin den Charme einer \u201eSchenkwirtschaft au\u00dferhalb des kapitalistischen Systems\u201c (Schw\u00e4bisches Tagblatt, 23.09.2014), gerade in den gro\u00dfen Universit\u00e4tsst\u00e4dten. Geschenktes macht manch armen Studenten gl\u00fccklich.<br \/>\nNichts gegen das Verschenken. Schenken macht Freude. Vor allem dem Schenker. Edel sei der Mensch\u2026 Aber es ist doch etwas anderes ob ich von 50 Tassen ein Dutzend hergebe, f\u00fcr die ich ohnehin keinen Platz habe, oder ob ich meine einzige Tasse hergebe (oder auch eine der beiden) an jemanden, der wirklich bed\u00fcrftig ist. Au\u00dferdem ist die Art des Schenkens, wie sie in einem Umsonstladen gepflegt wird, nur das Discounterprinzip getoppt: Umsonst ist am g\u00fcnstigsten. Was also im Gewand der Gro\u00dfherzigkeit daherkommt ist in Wirklichkeit nichts anders als die Not der Alleshaber, die in den Fluten ihrer Gegenst\u00e4nde zu ersticken drohen. Dann schon besser das Zeug verschenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was nach Gro\u00dfherzigkeit aussieht ist in Wirklichkeit die pure Not: Wir ersticken in den Fluten von Zeugs. 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