{"id":216,"date":"2015-03-05T12:41:08","date_gmt":"2015-03-05T10:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=216"},"modified":"2015-03-05T12:42:59","modified_gmt":"2015-03-05T10:42:59","slug":"sie-laeuft-und-laeuft-und-laeuft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=216","title":{"rendered":"Sie l\u00e4uft und l\u00e4uft und l\u00e4uft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-217\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/BlechEMAG28-112x150.jpg\" alt=\"BlechEMAG28\" width=\"112\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/BlechEMAG28-112x150.jpg 112w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/BlechEMAG28.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 112px) 100vw, 112px\" \/>Unsere Waschmaschine l\u00e4uft und<br \/>\nl\u00e4uft und l\u00e4uft und ist somit<br \/>\nein Indiz daf\u00fcr, dass der Kapitalismus<br \/>\neben nicht so richtig l\u00e4uft.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nMit unserer Waschmaschine verh\u00e4lt es sich so \u00e4hnlich wie mit dieser verblichenen Schildkr\u00f6te, wie hie\u00df sie gleich, George. Sie wurde 150 Jahre alt, gesch\u00e4tzt, denn genau wei\u00df es ja keiner, der es h\u00e4tte aktenkundig machen k\u00f6nnen.<br \/>\nKeine Ahnung, wie alt unsere Waschmaschine ist. Meine Mutter hat sie mir f\u00fcr den ersten eigenst\u00e4ndigen Haushalt nach dem Studium \u00fcberlassen. Das war 1992. Da war sie, die Waschmaschine, aber schon einige Jahre im Gebrauch. Derzeit also 23+. Dreiundzwanzig Jahre und noch ein paar dazu. Sie w\u00e4scht fast jeden Tag. Reparaturen? Praktisch keine.<br \/>\nDas ist heute anders. Repariert wird gar nicht, sondern neu gekauft. Und zwar auch Waschmaschinen. Gerade haben Umweltbundesamt und \u00d6ko-Institut in einer <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/publikationen\/einfluss-der-nutzungsdauer-von-produkten-auf-ihre\" target=\"_blank\">\u201eObsoleszenz-Studie\u201c<\/a> festgestellt, dass gro\u00dfe Haushaltsger\u00e4te (Waschmaschinen, W\u00e4schetrockner und K\u00fchlschr\u00e4nke) immer fr\u00fcher ihren Geist aufgeben. Der Anteil der Ger\u00e4te, die nach weniger als f\u00fcnf Jahren wegen eines Defekts aus Keller und K\u00fcche verschwinden, stieg von 2002 bis 2012 von 3,5 auf 8,3 Prozent. Die so genannte \u201edurchschnittliche Erstnutzung\u201c verk\u00fcrzte sich in dieser Zeit um ein Jahr auf 13 Jahre. Dagegen ist unsere Waschmaschine ein wahrer Methusalem!<br \/>\nSolche Alten genossen fr\u00fcher einmal Wertsch\u00e4tzung. Und zwar nicht nur als Menschen, sondern auch als technische Gegenst\u00e4nde. Ende der 60er-Jahre gab es diese ber\u00fchmte Werbekampagne von Volkswagen, die unter anderem die Langlebigkeit des Produktes pries: \u201eEr l\u00e4uft und l\u00e4uft und l\u00e4uft\u201c hie\u00df es zu einem Auto namens \u201eK\u00e4fer\u201c.<br \/>\nDas ist heute so ziemlich das Letzte, was sich Automobilhersteller und die Industrie w\u00fcnschen. Langlebigkeit ist geradezu gesch\u00e4ftssch\u00e4digend. Wo soll Wachstum herkommen, wenn die Menschen wenig konsumieren, weil sie ihr Zeug lange nutzen? Langlebigkeit l\u00e4uft der herrschenden Wachstumsdoktrin im Kapitalismus zuwider. Eifriger Konsum ist dringend erw\u00fcnscht, wie k\u00fcrzlich sch\u00f6n in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/wunderbar\/jugendliche-und-geld-mit-kreditkarten-in-die-schuldenfalle-a-1020246.html\" target=\"_blank\">Spiegel-online-Beitrag<\/a> \u00fcber die Verschuldung junger Leute zu lesen war.<br \/>\nUnd damit die Leute viel kaufen, m\u00fcssen die Dinge schnell kaputt gehen. Absicht? Das liegt nahe, ist aber kaum beweisbar. In einem zweiten Teil ihrer Obsoleszenz-Studie wollen Umweltbundesamt und \u00d6ko-Institut kl\u00e4ren, ob die Hersteller die Lebensdauer ihrer Produkte absichtlich kurz halten und immer weiter verk\u00fcrzen.<br \/>\nWobei die Dinge nicht einmal kaputt gehen m\u00fcssen. Bei Fernsehern, auch das steht in der Studie, k\u00f6nnen die Leute ihr \u201ealtes\u201c, gut funktionierendes Ger\u00e4t gar nicht so schnell aus dem Fenster werfen, wie sie in die Elektronikm\u00e4rkte rennen, um sich einen neuen Flachbildschirm, der ja ach so schick ist, zu kaufen. Im Schnitt steht ein Fernseher nur noch 5,6 Jahre in der guten Stube. Diese Zeit verk\u00fcrzte sich binnen eines Jahrzehnts um die H\u00e4lfte.<br \/>\nEigentlich m\u00fcsste aber die Erstnutzungsdauer immer l\u00e4nger werden. Denn ein neues Produkt oder zumindest eine \u201eModellpflege\u201c hat ja gerade den Sinn darin, das Produkt besser wirken zu lassen. Also ein neues Design, hochwertige Materialien, h\u00f6here Leistung, niedrigerer Verbrauch, gr\u00f6\u00dferer Speicherplatz, bessere Aufl\u00f6sung und so weiter. W\u00e4re ein neues Produkt wirklich besser, m\u00fcsste es auch l\u00e4nger halten. Tut es aber nicht. Langlebigkeit ist eine Eigenschaft, die die Hersteller bewusst umgehen.<br \/>\nDie Manufaktum-Mentalit\u00e4t ist wohl auch unter den Kunden nicht mehr so verbreitet. Das Versandhaus wirbt mit dem Spruch \u201ees gibt sie noch, die guten Dinge\u201c, die ewig halten. Ewig halten sollen die Dinge nicht und der Konsument soll sich auch davon verabschieden, das ist die Mentalit\u00e4t der Wirtschaft, die immer weiter um sich greift.<br \/>\nDie Mobilfunkanbieter erziehen ihre Kunden bereits dazu, sich jedes Jahr ein neues Smartphone anzuschaffen. Darum m\u00fcssen diese Kunden immer j\u00fcnger werden, damit sie sich \u00fcberhaupt so erziehen lassen. \u00c4ltere Menschen erinnern sich dagegen an ein anderes Werteverh\u00e4ltnis. Ein Telefon hielt ewig und war in der Regel kostenlos. Eine Waschmaschine hielt lange war teuer. Heute kosten eine Waschmaschinen und Smartphones etwa gleich viel. Da liegt es doch nahe, sich auch jedes Jahr eine neue Waschmaschine zu kaufen.<br \/>\nAch was kaufen \u2013 wir leasen! Wir werfen unsere Waschmaschine endlich hinaus. Nicht das Besitzen kostet k\u00fcnftig, sondern das Nutzen. Zahlen f\u00fcr jedes Kilo gewaschene W\u00e4sche, wie beim Auto f\u00fcr jeden gefahrenen Kilometer. Und nach zw\u00f6lf Monaten kommt wieder das neueste Modell. Endlich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Waschmaschine l\u00e4uft und l\u00e4uft und l\u00e4uft und ist somit ein Indiz daf\u00fcr, dass der Kapitalismus eben nicht so richtig l\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[64,66,69,67,65,68],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/216"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=216"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":220,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/216\/revisions\/220"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}