{"id":381,"date":"2015-11-23T16:42:47","date_gmt":"2015-11-23T14:42:47","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=381"},"modified":"2015-11-23T16:44:36","modified_gmt":"2015-11-23T14:44:36","slug":"ham-se-jedient","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=381","title":{"rendered":"\u201eHam\u2018 se jedient?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-384\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ruehmann-apa-diepresse-2-124x150.jpg\" alt=\"ruehmann-apa-diepresse-2\" width=\"124\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ruehmann-apa-diepresse-2-124x150.jpg 124w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ruehmann-apa-diepresse-2.jpg 243w\" sizes=\"(max-width: 124px) 100vw, 124px\" \/>Dienen ist sowieso megaout und<br \/>\ndem \u201eVaterland\u201c schon gar nicht.<br \/>\nDennoch lohnt es sich angesichts<br \/>\nder aktuellen Krisen, \u00fcber einen<br \/>\nDienst nachzudenken.<br \/>\nVielleicht stiftet er Gemeinsinn,<br \/>\nvielleicht hilft er bei der Integration.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n\u201eHam` se jedient\u201c \u2013 das Zitat stammt aus dem St\u00fcck \u201eDer Hauptmann von K\u00f6penick\u201c von Carl Zuckmayer. Darin sucht die Hauptperson Wilhelm Voigt in einer Schuhfabrik Arbeit und wird vom Prokuristen gefragt, ob er \u201egedient\u201c habe. Das \u201eDienen\u201c, also der Dienst beim preu\u00dfischen Milit\u00e4r, stand im Jahre 1906, in dem das St\u00fcck spielt, enorm hoch im Kurs. So ist das bei uns zum Gl\u00fcck heute nicht mehr. Hier soll es auch nicht um den Dienst beim Milit\u00e4r gehen, zumindest nicht in der Hauptsache.<br \/>\nAber doch um Dienst.<br \/>\nGenauer, den Bundesfreiwilligendienst.<br \/>\nKristina Schr\u00f6der, CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesministerin f\u00fcr Familie, Frauen, Senioren und Jugend, hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen interessanten Artikel ver\u00f6ffentlicht (&#8222;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/fluechtlinge-freiwilligendienst-zur-schnelleren-integration-13802747.html\">Fl\u00fcchtlinge in den Freiwilligendienst<\/a>&#8222;). Darin schl\u00e4gt sie vor, die Fl\u00fcchtlinge sollten zum Beispiel 18 Monate Freiwilligendienst ableisten und ihren Dienst an der Gemeinschaft in sozialen Einrichtungen tun. Oder neu ankommende Fl\u00fcchtlinge unterst\u00fctzen.<br \/>\nDas ist eine prima Idee \u2013 wenngleich es viele H\u00fcrden zu \u00fcberwinden gibt.<br \/>\nDie h\u00f6chste: Nach den Worten von Frau Schr\u00f6der gibt es schon jetzt nicht gen\u00fcgend Pl\u00e4tze f\u00fcr die deutschen Bewerber. Man m\u00fcsste also zun\u00e4chst einmal viele, viele neue \u201eBufdi\u201c-Pl\u00e4tze schaffen.<br \/>\nDennoch ist die Idee sogar so prima, dass ich sie hier ein wenig ausbauen m\u00f6chte.<br \/>\n1. Der Dienst wird nicht freiwillig, sondern verpflichtend. Es war einer der gr\u00f6\u00dften politischen Fehler, den Wehr- und Zivildienst \u201eauszusetzen\u201c, das hei\u00dft, quasi abzuschaffen.<br \/>\nF\u00fchren wir diese Dienste jetzt wieder ein!<br \/>\n2. Aber anders. Und zwar m\u00fcssen jetzt alle Deutschen Staatsb\u00fcrger ab 18 mindestens ein Jahr \u201edienen\u201c. Ein \u201eBundesdienst\u201c f\u00fcr alle! Wo sie dienen, ist egal. Die jungen Leute beiderlei Geschlechts haben die volle Wahl zwischen einem zivilen Dienst im sozialen oder \u00f6kologischen Bereich, zum Beispiel im Seniorenheim, in Behinderteneinrichtungen, in kirchlichen Einrichtungen, einer Naturschutzorganisation, beim Technischen Hilfswerk, bei der Freiwillige Feuerwehr (auch da fehlen Leute!) und was es sonst noch alles gibt und was einmal \u201eZivildienst\u201c hie\u00df. Oder die jungen Deutschen leisten Dienst an der Waffe.<br \/>\n3. Alle hier ankommenden Fl\u00fcchtlinge, die bleiben wollen, die bleiben d\u00fcrfen, m\u00fcssen den Dienst leisten.<br \/>\nDie Frage, warum sie das tun sollten, beantwortet Kristina Schr\u00f6der so: Sie h\u00e4tten die Chance, dem Land, das ihnen Schutz bietet, etwas zur\u00fcck zu geben.<br \/>\nF\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit Bleibeperspektive w\u00e4re das tats\u00e4chlich eine Chance: Sie k\u00f6nnten Sprache und Land kennenlernen, sie k\u00f6nnten sich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Denn nachdem, was bisher \u00fcber die Qualifikation der Fl\u00fcchtlinge bekannt ist, wird es eher schwierig, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Nat\u00fcrlich bekommen sie, wie alle \u201eBundesdienstler, Budis\u201c, so hie\u00dfe das k\u00fcnftig, Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld. Hinzukommen Sprach- und Integrationskurse. Haushaltsrechtlich h\u00e4tte das auch den Charme, dass die finanziellen Mittel direkt vom Bund kommen k\u00f6nnten und nicht die Kassen der Kommunen belasten w\u00fcrde.<br \/>\nDennoch wirft das alles eine Menge Probleme auf. Allerdings w\u00e4re der \u201ePflicht-Bundesdienst\u201c nicht das Problem, sondern ein vielleicht m\u00f6glicher Weg, den anhaltenden Fl\u00fcchtlingsstrom sinnvoll in vern\u00fcnftige Bahnen zu leiten.<br \/>\nDas wohl gr\u00f6\u00dfte Problem, Kristina Schr\u00f6der erw\u00e4hnte es, sind die fehlenden Pl\u00e4tze. Obwohl allein die Ankunft so vieler Menschen genug M\u00f6glichkeiten bietet, Stellen f\u00fcr die Hilfe bei der Integration zu schaffen, geht es nicht ohne die Wirtschaft, ohne die Unternehmen. Vielleicht w\u00e4ren hier Praktikumsstellen in Betrieben, exklusiv f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, ein gangbarer Weg. Die Arbeitgeber haben ihre grunds\u00e4tzliche Bereitschaft, Fl\u00fcchtlinge zu nehmen, schon signalisiert. Trotzdem w\u00e4re vermutlich eine <a href=\"http:\/\/zabota.de\/?p=180\">Fl\u00fcchtlingsquote<\/a> f\u00fcr alle Betriebe eine gerechtere L\u00f6sung als die reine Freiwilligkeit. Es ist auch eine Frage der Symmetrie: Wenn Fl\u00fcchtlinge zum Dienst oder zum Praktikum gezwungen werden, m\u00fcssen auch die Unternehmen gezwungen werden, Praktikumspl\u00e4tze bereit zu stellen.<br \/>\nDas alles klingt sicher ganz \u00fcbel nach Zwang und ist ohne Zweifel ein heftiger Eingriff in die Freiheit der Wirtschaft. Nur ist die Zahl der Fl\u00fcchtlinge auch eine selten gro\u00dfe Herausforderung, die etwas Courage von allen und mutige Probleml\u00f6sungen erfordert. Au\u00dferdem muss man hier wieder mal das alte George-Bush-Zitat anbringen: \u201eIt\u2019s economy, stupid!\u201c Zwar ziehen wir den Hut vor allen B\u00fcrgerinitiativen, die Fl\u00fcchtlinge willkommen hei\u00dfen und eingliedern helfen, vor allen Lehrkr\u00e4ften, die mit Sprachvermittlung dasselbe tun \u2013 die Hauptintegrationslast tr\u00e4gt die Wirtschaft. Der Wirtschaft muss es gelingen, den bei uns Schutz suchenden Menschen auch Arbeit zu geben, wenn der Staat \u2013 Bund, L\u00e4nder, Gemeinden \u2013 die b\u00fcrokratischen weitgehend abschafft.<br \/>\nOb f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge eine gleich lange Dienstdauer wie bei den deutschen \u201eBundesdienstlern\u201c ausreicht, ist fraglich. Aber man k\u00f6nnte eine Verl\u00e4ngerung der Dienstzeit auf drei oder f\u00fcnf Jahre mit dem Erwerb der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft attraktiver machen. Wer will, kann hier eine Analogie zur franz\u00f6sischen Fremdenlegion sehen, deren ausl\u00e4ndische Angeh\u00f6rige ebenfalls das Recht haben, nach f\u00fcnf Jahren die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft zu erwerben.<br \/>\n\u201eTief durchatmen\u201c hei\u00dft es bei der Frage, ob Fl\u00fcchtlinge, Frauen und M\u00e4nner, in der Bundeswehr Dienst an der Waffe leisten k\u00f6nnen. Tragen wir die Bedenken a-d vor: Da ist a) zun\u00e4chst die \u00dcberlegung, ob diese Menschen \u00fcberhaupt eine Waffe in die Hand nehmen wollen. Immerhin sind sie gerade mit knapper Not einem grauenhaften B\u00fcrgerkrieg entronnen und d\u00fcrften vielleicht vorerst genug von Waffen haben. b) Dem Anschein nach ist es gerade die Bundeswehr, die am dringendsten Leute sucht. c) Sind Fl\u00fcchtlinge das richtige Reservoir oder eher eine Gefahr? Denn wir m\u00fcssen mit dem Risiko rechnen, dass die Waffen in die H\u00e4nde der Falschen geraten. Obwohl man sich beispielsweise beim Waffenexport, wobei Deutschland mit f\u00fchrend ist, ziemlich wenig Gedanken macht, wer die Waffen bekommt.<br \/>\nBei Punkt d) geht es um eine so genannte \u201eExilarmee\u201c von Syrern. Der Vorschlag kommt vom polnischen Au\u00dfenminister Witold Waszczykowski, mit dem wir nicht fraternisieren, der aber auch nicht so l\u00e4cherlich ist, wie manche tun. Gerade in die Diskussion um einen m\u00f6glichen Einsatz von Bodentruppen gegen den IS k\u00f6nnte man eine syrische Exil- und Befreiungsarmee ins Spiel bringen. Denn: Im Moment sind weder Europ\u00e4er noch Amerikaner bereit, Bodentruppen zu entsenden. Falls es aber doch in Zukunft einmal notwendig werden k\u00f6nnte \u2013 dann muss man damit rechnen, dass junge Europ\u00e4er und Amerikaner (sowie deren Eltern) fragen, warum gerade sie, und nicht junge, in Europa lebende Syrer, ihren Kopf f\u00fcr die Befreiung und Befriedung Syriens (und Iraks) hinhalten sollen.<br \/>\nSo f\u00fchrte die Argumentation um das \u201eDienen\u201c am Ende doch zum Milit\u00e4r, auch wenn das gar nicht Priorit\u00e4t hat. Wie auch immer ein k\u00fcnftiger \u201eBundesdienst\u201c aussieht: Der einheimischen Bev\u00f6lkerung, die den Fl\u00fcchtlingen teilweise recht reserviert gegen\u00fcber steht, k\u00f6nnte so signalisiert werden, dass die neu ankommenden nicht nur nehmen, sondern auch geben wollen.<br \/>\nWer \u201ejedient\u201c hat, verdient Respekt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienen ist sowieso megaout und dem \u201eVaterland\u201c schon gar nicht. 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