{"id":440,"date":"2016-02-09T18:34:01","date_gmt":"2016-02-09T16:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=440"},"modified":"2016-03-21T12:30:36","modified_gmt":"2016-03-21T10:30:36","slug":"tausend-tode-tatort","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=440","title":{"rendered":"Tausend Tode: Tatort"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-441 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Fotolia_17926289_XS_konstantin_tavrov-150x100.jpg\" alt=\"portrait of the blonde with gun isolated on black background\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Fotolia_17926289_XS_konstantin_tavrov-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Fotolia_17926289_XS_konstantin_tavrov-300x199.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Fotolia_17926289_XS_konstantin_tavrov.jpg 425w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Tausend Tote und fast tausend Folgen:<br \/>\nMord und Totschlag scheinen gl\u00e4nzenden<br \/>\nUnterhaltungswert zu haben.<br \/>\nUnd um ein kulturelles Highlight handelt<br \/>\nes sich ganz sicher auch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine ganze Seite Mord und Totschlag \u2013 jetzt auch in der Zeitung. Man fragt sich, ob die Journalistenkollegen nichts Besseres zum Schreiben hatten. Oder man fragt sich, warum Mord und Totschlag, nicht nur f\u00fcr die Betroffenen, bzw. Getroffenen, pl\u00f6tzlich eine so gro\u00dfe Bedeutung haben. Neulich (am 30. Januar 2016) troff fast eine ganze FAZ-Feuilleton-Seite von Krimiblut. Oben gro\u00dfer Bericht zum \u201eTatort\u201c, wie neuerdings fast immer, unten Bericht \u00fcber \u201eM\u00fcnchen Mord\u201c. Vor allem der Tatort wird inzwischen in fast allen Zeitungen so ausf\u00fchrlich beschrieben, dass man den Film gar nicht mehr zu sehen braucht, um anderntags mitreden zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDas mag an den Quoten liegen, die fast immer bombastisch sind. Da war der j\u00fcngste Tatort (am 31. Januar 2016) mit 9,34 Millionen zuschauerm\u00e4\u00dfig eher Mittelklasse. So gesehen der beste Tatort lief am 1. Januar 1978 und versammelte 26,57 Millionen Menschen vor dem Fernsehger\u00e4t.<\/p>\n<p>Das ist nicht gut. Eine Fernseh-Krimi-Analyse aus dem Buch \u201eDie Bombe im Wohnzimmer:<\/p>\n<h4>6. Kapitel: Gewalt \u2013 ein Blutozean von all den hingemetzelten Fernsehtoten.<\/h4>\n<p>Im Advent, also mitten in den Vorbereitungen f\u00fcr das Fest der Liebe, wie jedenfalls die Restchristenheit hierzulande Weihnachten sieht, muss es wohl ganz besonders schlimm sein.<\/p>\n<p>Der \u201eSchrott des Gemetzels\u201c verstopfe die Kan\u00e4le selbst im Advent, schreibt Jan Wiele in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. Dezember 2012 (Seite 29). Das Ma\u00df an beil\u00e4ufiger Blutgier sei voll. Im Unterbewusstsein habe sich l\u00e4ngst ein Blutsee, ach was, ein Blutozean von all den hingemetzelten Fernsehtoten gesammelt. Wobei Wiele nicht nur die Gewalt im Fernsehen an sich, sondern auch deren Beil\u00e4ufigkeit kritisiert. \u201eWenn man ungezielt das Fernsehen einschaltet, stehen die Chancen gut, dass sich im Programm gerade Forensiker \u00fcber Eintritt- und Austrittswinkel von Projektilen unterhalten und dar\u00fcber, ob diese auf ihrem Weg noch Gehirnmasse mitgenommen haben.\u201c<\/p>\n<p>Beil\u00e4ufig ist inzwischen auch die Zahl der Toten. Waren es 46? Oder 57? Menschenleben \u2013 beil\u00e4ufig eingef\u00fcgt! Egal. Hauptsache spannend. In dieser Hinsicht galt der Tatort \u201eIm Schmerz geboren\u201c als einer der besten seit langem, wie die Zeitung \u201eDer Tagespiegel\u201c lobt .<\/p>\n<p>An jedem Ort passiert ein Mord: \u201eAuch das schnuckligste englische Kleinstadtidyll ist nicht mehr ohne Metzeltatort zu denken, der gleich hinter dem Pub, im Blumenladen oder am besten nat\u00fcrlich in der Kirche liegt. \u201c<\/p>\n<p>Genau. Und \u00fcbrigens kommt auf der Folgeseite dieser Zeitungsausgabe (Seite 30) das Fernsehprogramm, wo es in einer Bildunterschrift hei\u00dft: \u201eZDF, 20.15 Uhr, Unter anderen Umst\u00e4nden, Jana Winter (Natalia W\u00f6rner) ermittelt in einem mysteri\u00f6sen Mordfall in einem Kloster.\u201c<\/p>\n<p>A propos Kloster. Auch in guten B\u00fcchern, die oft als Vorlage f\u00fcr schlechte Filme dienen, geht der Tod um. Man denke an Umberto Ecos \u201eDer Name der Rose\u201c oder an Willmanns \u201eDas finstere Tal\u201c. Auch Dan Brown ist keine Erbauungsliteratur. Der Unterschied ist das Beil\u00e4ufige. Beil\u00e4ufig-zuf\u00e4llig ger\u00e4t man selten an so ein Buch \u2013 an einen Fernsehkrimi schon.<\/p>\n<p>Acht Krimis hat Professor Dr. Helmut Assfalg aus Jena am Freitag, 10. Januar 2014 im ZDF gez\u00e4hlt und fragt in seinem Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung : \u201eSind wir denn ein Volk von Kriminellen oder von Voyeuren krimineller Taten? Kriegt man die Leute nur noch mit solchen Angeboten vor den TV-Bildschirm? \u2026 In der FAZ-Fernsehvorschau ist einmal von Strangulation mit einer Krawatte, ein anderes Mal vom abgetrennten Kopf eines M\u00e4dchens die Rede\u2026 Ich m\u00f6chte einfach nicht glauben, dass sich der Durchschnittsdeutsche stumpfsinnig einen Krimi nach dem anderen reinziehen will.\u201c<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen Buch und Film ist auch die eigentliche Darstellung von Gewalt. Im Buch spritzt kein Blut, bei aller schriftstellerischer Kunst. Nicht zu reden von \u2013 ja, unz\u00e4hligen Filmen, wobei ein \u201eDjango unchained\u201c noch als guter Film gilt.<\/p>\n<p>Unterdessen ist in vielen Fernsehkrimis der grausame Mord nicht mehr ausreichend. Eine Orgie der Gewalt ist so mancher ARD-Tatort. Wie von Sinnen pr\u00fcgelnde Jugendliche, wie von Sinnen pr\u00fcgelnde Polizisten, dazu ein Selbstmord durch Erschie\u00dfen vor aller Augen. Die Gewalt-Spirale sei \u00fcberspannt, lautete die TV-Kritik zu einem ARD-Tatort .<\/p>\n<p>Aus dem Buch <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Bombe-Wohnzimmer-Fernsehen-Gesellschaft-ebook\/dp\/B00PFV0TQE\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1454576640&amp;sr=8-1&amp;keywords=Daniel+Zabota\">Die Bombe im Wohnzimmer<\/a><\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dwdl.de\/nachrichten\/55088\/437_krimis_im_zdf_nur_die_halbe_wahrheit\/\">Genau gez\u00e4hlt: 437 Krimis allein im ZDF<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tausend Tote und fast tausend Folgen: Mord und Totschlag scheinen gl\u00e4nzenden Unterhaltungswert zu haben. Und um ein kulturelles Highlight handelt es sich ganz sicher auch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/440"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=440"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":468,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions\/468"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}