{"id":457,"date":"2016-03-07T11:02:32","date_gmt":"2016-03-07T09:02:32","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=457"},"modified":"2016-07-22T12:02:17","modified_gmt":"2016-07-22T10:02:17","slug":"mama-nur-noch-dieses-level","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=457","title":{"rendered":"Mama \u2013 nur noch dieses Level"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-461\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Fotolia_74742130_XS_ayutaka-150x90.jpg\" alt=\"Fotolia_74742130_XS_ayutaka\" width=\"150\" height=\"90\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Fotolia_74742130_XS_ayutaka-150x90.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Fotolia_74742130_XS_ayutaka-300x179.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Fotolia_74742130_XS_ayutaka.jpg 449w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Ob Spielkonsole, Computer oder Smartphone \u2013<br \/>\nwann immer Kinder und Jugendliche mit<br \/>\nelektronischen Spielen zugange sind, kommen<br \/>\nsie von alleine kaum noch weg. Das ist weder<br \/>\nSucht noch Zufall. Es ist gewollt.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Wann immer das Kind aufh\u00f6ren soll: Geht gerade nicht. Doch nicht jetzt. \u201eMama\/Papa \u2013 nur noch dieses Level\u201c ist ein gefl\u00fcgelter Satz, der sich jeden Abend zur Barriere zwischen Eltern und Kind auft\u00fcrmt. Er ist inzwischen so bekannt, dass die Caritas dazu Seminare f\u00fcr geplagte Eltern veranstaltet. Mit diesem Titel. Allerdings verbreitet sich die Online-Spielsucht mit rasant steigender Tendenz quer durch alle Bev\u00f6lkerungsschichten.<\/p>\n<p>Aufh\u00f6ren ist keine Option. Vor allem f\u00fcr Kinder nicht. Und das ist gewollt.<\/p>\n<p>Nichts gegen Spiele. Spiele sind was Tolles (Homo ludens), aber eben nur eine Besch\u00e4ftigung von vielen, der man auch ein Zeitbudget geben muss. Nur welches? Kann jeder halten wie er will, ich versuche hier einen Anhaltspunkt zu geben, ausgehend von der \u00dcberlegung, dass Handy-, Computer- und Konsolenspiele das Gegenteil von Sport sind. Also, mal angenommen, ein Kind ginge zwei Stunden pro Woche ins Handball-Training, hinzukommen zwei Stunden Turnier am Wochenende \u2013 macht vier Stunden. L\u00e4nger sollten auch die elektronischen Spiele nicht dauern.<br \/>\nVier. Stunden. Pro Woche. Parit\u00e4t von Sport &amp; Spiel.<\/p>\n<p>Aber: von wegen vier Stunden! Nie w\u00fcrden sie aufh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Das ist das Gemeinsame dieser Spiele. Es h\u00f6rt nie auf. Im Gegensatz zum Rest der Welt, wo alles aufh\u00f6rt. Gab ja mal `nen Karnevalshit \u201eAlles hat ein Ende\u2026\u201c. Fr\u00fcher auch Spiele. Beim ber\u00fchmten Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht, \u201eLudo\u201c hei\u00dft das wohl in den USA, ist ja so was von Schluss. St\u00e4ndig fliegt man raus und vorbei. Wie \u00fcberall sonst auch: Tage neigen sich dem Abend zu, Jahre enden mit Silvester, Teller sind leer, Tanks auch, B\u00fccher haben eine letzte Seite, Filme einen Abspann, sogar einen Sendeschluss gab es mal, was heute schon erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist. Alles hat ein Ende. Nur elektronische Spiele nicht. \u201eDie Spiele sind so programmiert, dass man m\u00f6glichst nicht ausschaltet,\u201c sagt Gottfried Maria Barth, Oberarzt an der Klinik f\u00fcr Kinder- und Jugend-Psychiatrie in T\u00fcbingen (Schw\u00e4bisches Tagblatt, 3.01.2014).<\/p>\n<p>Ja, es ist gewollt. Daf\u00fcr gibt es drei Gr\u00fcnde.<br \/>\nHier zun\u00e4chst zwei.<br \/>\nDer erste: Je mehr gespielt wird, desto mehr verdienen in der Regel die Spielehersteller. Viele sind an der B\u00f6rse notiert, gute Ums\u00e4tze und gute Nutzerzahlen freuen die Eigner und halten die Kurse<sup>1 <\/sup>oben.<br \/>\nDer zweite Grund: M\u00f6glichst fr\u00fch damit beginnen, die jungen Leute abzulenken. Ablenken vom richtigen Leben, von der Realit\u00e4t. Nicht, dass sie eines Tages noch auf die Idee kommen, sich f\u00fcr Greenpeace, Attac, das Rote Kreuz oder die Junge Union zu engagieren. Oder auf B\u00e4ume zu klettern, was ja aus \u00f6konomischer Sicht v\u00f6llig nutzlos ist. Wichtig dagegen, dass sie kaufen. Spiele, Konsolen, Smartphones und vieles mehr. K\u00fcnftiger Hype sind wom\u00f6glich VR-Brillen. VR hei\u00dft Virtual Reality (FAZ, 23.02.2016). Allerdings geht es dabei genauso um die Real Reality. Sie soll n\u00e4mlich soweit m\u00f6glich au\u00dfen vor bleiben. Das ist der Zweck dieser Brillen: Virtualit\u00e4t ungest\u00f6rt genie\u00dfen. Solche Leute sind gefragt, die VR-Brillen kaufen und am besten jedes halbe Jahr was ganz Neues. Und die die ganze Nacht anstehen, um als erste ein neues Iphone kaufen zu d\u00fcrfen, f\u00fcr nicht unter 500 Euro.<\/p>\n<p>Ganz und gar verschwiegen wird auch die Sache mit der technischen Komplexit\u00e4t. Schon gemerkt, dass auf manchen Verpackungen steht, das Spielzeug sei nicht f\u00fcr Kinder unter drei Jahren geeignet, wegen Kleinteilen, Verschlucken und so?<br \/>\nWir haben einen kleinen ferngesteuerten Hubschrauber. Auf der Verpackung steht \u201eab 12\u201c. Es ist, richtig, eine Frage der k\u00f6rperlichen Entwicklung, der Motorik, mit dem Ger\u00e4t umzugehen. Dieser Hubschrauber ist ziemlich filigran und sensibel in der Steuerung. Da macht der Achtj\u00e4hrige zweimal eine Bruchlandung und das Spielzeug ist hin\u00fcber. Altersbeschr\u00e4nkungen sind v\u00f6llig normal.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr Hubschrauber und alle Spielger\u00e4te gilt, scheint aber f\u00fcr Smartphones und Tablets nicht zu gelten. Jegliche Altersbeschr\u00e4nkung scheint hier v\u00f6llig abwegig zu sein. Und so breitet sich bei manchen Eltern die pure Gl\u00fcckseligkeit aus, wenn das Zweij\u00e4hrige auf dem Tablet rumwischt. Ebenso d\u00fcrfen auch schon Achtj\u00e4hrige mit einem High-Tech-Ger\u00e4t wie dem Smartphone nach Belieben hantieren. Obwohl es ein mit dem Internet verbundener kleiner Computer ist und nicht in die H\u00e4nde von Kindern geh\u00f6rt. Unter 14 v\u00f6llig indiskutabel.<\/p>\n<p>Eine Bruchlandung mit solchen Ger\u00e4ten kommt also recht h\u00e4ufig vor. Was liegt da n\u00e4her als eine z\u00fcgige Neuanschaffung, zumal ja die n\u00e4chste Generation von Ger\u00e4ten, viel bessere, verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>Darum geht es den Ger\u00e4teherstellern im Verein mit den Softwarelieferanten. Alles andere ist irrelevant.<br \/>\nIrrelevant sind unausgeschlafene Kinder. St\u00e4ndig auf Spielspeed. Unkonzentriert. Kaum noch f\u00fcr Schule oder etwas anderes motivierbar.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung machen viele Eltern. In seinem Artikel \u201eGame over\u201c (FAZ, 5.05.2012) berichtet Marcus Jauer wie er seinem Kind eine Spielkonsole gekauft hat und dann dabei zusah, wie es sich in einen kleinen Zombie verwandelt. Ein kleiner Auszug:<br \/>\n\u201eNur einmal war ich tats\u00e4chlich der Meinung, dass die Schuld f\u00fcr all das nicht bei uns liegen k\u00f6nnte sondern bei der Herstellerfirma, deren Produkte mir verbotsw\u00fcrdig erschienen wie Drogen. Selten habe ich einen solchen Hass auf ein technisches Ger\u00e4t empfunden wie nach jener langen Autofahrt, f\u00fcr die wir unserem Sohn extra ein neues Spiel gekauft hatten. Auf dieser Fahrt sollte es einmal keine Zeitbegrenzung geben. (\u2026) Er spielte auf der Autofahrt dreieinhalb Stunden ununterbrochen mit dem Ger\u00e4t, dann war der Akku leer. Als wir im Hotel ankamen, setzte er sich sofort neben die n\u00e4chste Steckdose und spielte weiter.\u201c<br \/>\nDie Abhilfe sah am Ende so aus: Die Spielkonsole kam weg und das Kind normalisierte sich wieder.<\/p>\n<p>A propos Autofahrt: Auch wir haben auf l\u00e4ngeren Fahrten schon zugelassen, dass sie l\u00e4nger spielen. Bis ich auf diese Gedanken kam und ihnen das auch sagte: Ey, wir fahren nach Italien! Urlaub! Vorfreude! Meer! \u00dcber die Alpen! Grandioseste Landschaften Europas! Gletscher! Schluchten! P\u00e4sse! Schnee im Hochsommer! Und ihr glotzt nur in euer Telebimmel. Da h\u00e4tte man auch zuhause bleiben k\u00f6nnen.<br \/>\nIch glaube, ich wurde verstanden.<\/p>\n<p>So weit, so gut. Echt jetzt. Denn richtig ernst wird es erst, wenn das Spiel zur Sucht wird. T\u00e4glich mehrere Stunden Computerspiele, Schulunf\u00e4higkeit, im Grunde, Unf\u00e4higkeit, im echten Leben zu leben. Solche F\u00e4lle h\u00e4ufen sich dann in der Spezialsprechstunde f\u00fcr \u201eExzessive Mediennutzung und Online-Sucht\u201c der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter am Universit\u00e4tsklinikum T\u00fcbingen. Vor allem Kindern und Jugendlichen entgleitet die Zeit. \u201ePl\u00f6tzlich war es 4 Uhr morgens\u201c, berichten viele in der T\u00fcbinger, unterdessen ihnen das Leben entglitten ist. Keine Zeit zu essen. Keine Zeit zum Trinken. Keine Zeit zum Schlafen. Drau\u00dfen existiert nicht mehr. Freunde nur noch im Virtuellen.<\/p>\n<p>Schwerer Schaden entsteht aber schon fr\u00fcher. Einer der intensivsten Mahner ist Prof. Dr. Manfred Spitzer, \u00e4rztlicher Direktor der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik in Ulm. Spielen (am PC, Konsole oder Smartphone) macht dumm und dumpf, um es ganz kurz zu fassen. Wer vormittags zum Beispiel Franz\u00f6sisch- oder Physikunterricht hatte, und den Nachmittag an seiner Playstation verbrachte, sorge daf\u00fcr, dass das wenige, was am Vormittag h\u00e4ngen blieb, regelrecht gel\u00f6scht werde (FAZ, 22.09.2010).<\/p>\n<p>Digitaltechnik sei nicht sinnvoll f\u00fcr nachhaltiges Lernen, sagt auch Prof. Dr. Christoph M\u00f6ller, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Kinder- und Jugendkrankenhaus \u201eAuf der Bult\u201c in Hannover mit Therapiestation f\u00fcr Computersuchtkranke. \u201eWir stellen fest, dass viele grundlegende Kenntnisse verloren gehen, weil sie nicht mehr nachhaltig erlernt werden: Die r\u00e4umliche Orientierung kommt durch Navis abhanden, das Erlernen von Zahlen wird \u00fcberfl\u00fcssig, und Sch\u00fcler k\u00f6nnen sich bei l\u00e4ngeren Texten nicht mehr konzentrieren,\u201c so M\u00f6ller im Interview (Schw\u00e4bisches Tagblatt, 20.02.2016).<\/p>\n<p>Spitzer warnt schon seit langem, der oben zitierte Satz, ist fast sechs Jahre alt. Doch erst danach sind Verbreitung und Nutzung von Smartphones erst richtig explodiert. 26,2 Millionen Ger\u00e4te wurden 2015 in Deutschland verkauft zum Durchschnittspreis von 370 Euro. 74 Prozent aller Erwachsenen hatten im Januar 2016 ein Smartphone.<br \/>\nUnd was machen sie damit?<br \/>\nNun ja, was machen sie eigentlich damit?<br \/>\nUnglaubliches!<br \/>\nFotos, Videos, Suchen in Suchmaschinen, Termine verwalten, Musik h\u00f6ren, SMS, E-Mails oder Kurznachrichten. Manche halten das Smartphone f\u00fcr so ein Must-have wie Fernseher oder Waschmaschine (FAZ, 17.02.2016).<br \/>\nBeim Stichwort Waschmaschine wird klar, dass die Leute nicht wissen was sie reden. Zumindest haben sie es wohl noch nie erlebt, dass die Waschmaschine ausf\u00e4llt. Oder noch nie selbst gewaschen. Egal. Jedenfalls w\u00fcrde ich mich als Waschmaschine \u00fcber so einen Vergleich \u00e4rgern.<br \/>\nUnd zum Stichwort Waschmaschine f\u00e4llt uns ja noch mehr ein. Dieser Tage kam ein Foto in der Zeitung. Darauf war jemand mit einem Tablet-Computer zu sehen. Im Hintergrund stand eine Waschmaschine. Die Nachricht lautete, es sei jetzt auch m\u00f6glich, die Waschmaschine mit dem Tablet oder dem Smartphone einzuschalten. Desgleichen Heizung, Licht, Rollos. Smart-Home nennt sich das. Mal abgesehen davon, dass auch schon vor f\u00fcnfzig Jahren eine Maschine mit einer Fernsteuerung h\u00e4tte eingeschaltet werden k\u00f6nnen, muss man insbesondere in puncto Waschmaschine fragen:<br \/>\nWer sortiert die W\u00e4sche?<br \/>\nWer holt die Bonbonpapierle und Papiertaschent\u00fccher aus den Taschen?<br \/>\nWer bef\u00fcllt die Waschmaschine?<br \/>\nWer entleert?<br \/>\nWer h\u00e4ngt auf (falls kein Trockner da)?<br \/>\nB\u00fcgelt? Sortiert wieder?<br \/>\nWer r\u00e4umt ein?<br \/>\nHaushaltsroboter?<br \/>\nAlles per Tablet und Smartphone, nat\u00fcrlich auch von unterwegs.<\/p>\n<p>Von diesen nackten Zahlen einmal abgesehen hat sich auch qualitativ gravierendes ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, also vor 2000 Jahren, konnte man dem Kind den Faustkeil oder die Spielkonsole wegnehmen. Dann war Ruhe und das Kind geerdet. Seit dem Smartphone ist das nicht mehr so einfach. Denn es ist den Herstellern gelungen, die Dinger mit solchen Features auszustatten, die es scheinbar unverzicht- und unwegnehmbar machen. Zum Beispiel soll man ja damit telefonieren k\u00f6nnen. Zum Beispiel wenn der letzte Bus schon weg ist. Bei Whatsapp gibt es Handball- und Klassengruppen, wo, zugegeben, durchaus wichtige Informationen weitergegeben werden. Da ist das Kind schnell au\u00dfen vor, was f\u00fcrsorgende Eltern auch nicht wollen k\u00f6nnen. Und tats\u00e4chlich empfahl k\u00fcrzlich jemand eine so super Franz\u00f6sisch-Lern-App, dass es ein Verbrechen gegen die Kindlichkeit w\u00e4re, ihm\/ihr das vorzuenthalten. Doch wei\u00df man am Ende als Eltern gar nicht mehr, was das Kind mit dem Smartphone macht. Es k\u00f6nnte n\u00fctzlich sein.<br \/>\nZugegeben.<\/p>\n<p>Trotz vielem, was am Smartphones n\u00fctzlich ist, so hat es doch ein so gro\u00dfes Ablenkungspotenzial, das es Kinder nicht beherrschen k\u00f6nnen. Selbst Erwachsene k\u00f6nnen das nicht. In den B\u00fcros haben ans Internet angeschlossene Computer durch die Kommunikations- und Informationsm\u00f6glichkeiten so starke Ablenkkr\u00e4fte, dass die Produktivit\u00e4t deutlich sinkt und Milliardensch\u00e4den verursacht. So auch das Smartphone. Es w\u00e4re eine Illusion zu glauben, dass Eltern ihre Kinder daran hindern k\u00f6nnten, Spiele zu laden und zu nutzen.<\/p>\n<p>Was Eltern wollen z\u00e4hlt nicht. \u201eEr will vor allem den ganzen Tag und die ganze Nacht sein Handy, Ipod etc. zur freien Verf\u00fcgung haben, was zur Folge hat, dass er sich mit nichts anderem mehr besch\u00e4ftigt\u2026\u201c klagt eine Mutter auf Spiegel online (22.02.2016). Dort gab es ein Forum zu Erziehungsfragen mit dem ber\u00fchmten Erziehungswissenschaftler Jesper Juul, an den Eltern auch Fragen stellen durften. Wie er, der 16-j\u00e4hrige, wieder weg von dem Zeug k\u00e4me, wusste auch Juul nicht zu beantworten.<\/p>\n<p>Von sechzehn ist es nicht mehr weit zur Universit\u00e4t, so es das herangewachsene Computer-Kind bis dorthin noch schafft.<\/p>\n<p>Von den Universit\u00e4ten ist in letzter Zeit Erstaunliches zu h\u00f6ren. Und nichts Gutes. Professor Bernd Beuscher, der Praktische Theologie in Bochum und Paderborn lehrt, sagt \u00fcber seine Studenten, sie h\u00e4tten eine verzweifelte Verstehenswut, litten unter strategischer Verantwortungsvermeidung, vor allem seien sie aber mit elementarer Leseschw\u00e4che geschlagen. Sehr viele Erstsemester, so Beuscher, h\u00e4tten unabh\u00e4ngig von der Muttersprache gro\u00dfe Schwierigkeiten mit dem Lesen von komplexen Texten, was offiziell als wissenschaftliche Grundtechnik gilt. Offensichtlich h\u00e4tten die neuen Studentinnen und Studenten schon lange nicht mehr sinnerfassend lesen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Erstaunliches auch aus Mannheim und zwar ausgerechnet aus dem Studiengang \u201eDigitale Medien \u2013 Medienmanagement und Kommunikation\u201c. Notebooks, Smartphones und alles drumherum seien hier obligatorisch, und wer noch nicht \u201emedienkompetent\u201c ist, wird es sp\u00e4testens am Ende des Studiums sein. Von wegen. Die digitale Kompetenz beschr\u00e4nkt sich auf Daddeln und Chatten. Facebook l\u00e4uft immer, Excel so gut wie nie. Und: Die Anfangszwanziger lassen sich ebenso ablenken, wie Mittvierziger. Das zeigt, wie wenig Chancen Umdiezehnj\u00e4hrige haben. Sie sind dem Daddeln und Chatten schutzlos ausgeliefert. In Mannheim hat der Leiter des genannten Studiengangs, Gerald Lemke, zusammen mit dem Kollegen Ingo Leipner, ein Buch verfasst: \u201eDie L\u00fcge von der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen\u201c. Lernen geht mit Papier und Bleistift besser. Untersuchungen amerikanischer Forscher haben gezeigt, dass der Stift besser sei als die Tastatur (FAZ, 6.02.2016).<\/p>\n<p>Stift? Papier? Pustekuchen! Viele halten das f\u00fcr Old School. Und so haben Tablet und Smartphone Eingang in die Schulen gefunden, weil das nach Technikkompetenz, zumindest aber nach Technikaffinit\u00e4t aussieht. Nicht f\u00fcr Professor Christoph M\u00f6ller. Er findet, die Gesellschaft gehe zu sorglos mit diesem Thema um. Aber: Es sei nicht nur sorglos, sondern auch politisch gewollt. \u201eEs wird mit Millionenbetr\u00e4gen vom Staat unterst\u00fctzt, dass man Schulen und Kinderg\u00e4rten mit mobilen Endger\u00e4ten ausstattet, in dem Glauben die Kinder damit fit f\u00fcr die Wirtschaft von morgen zu machen. Die Technik von heute ist aber nicht die Technik von morgen. So h\u00e4tte vor zehn Jahren keiner gedacht, dass wir heute auf Telefonen rumwischen, und in zehn Jahren wird die Kommunikation wieder ganz anders aussehen. F\u00fcr ein erfolgreiches Bestehen im Leben sind eben ganz andere Dinge wichtig als das Bedienen mobiler Endger\u00e4te.\u201c (Schw\u00e4bisches Tagblatt, 20.02.2016)<br \/>\n\u00dcbrigens \u2013 selbst wer ein Smartphone halten und rumwischen und drauftouchen kann, wei\u00df nicht automatisch, wie diese Technik funktioniert.<\/p>\n<p>Das Schlimme ist, dass Wischen und Touchen zu Mathematik und Franz\u00f6sisch aufgeschlossen haben. In den USA teilen sich die gro\u00dfen IT-Konzerne mit kr\u00e4ftigem Sponsoring die Schullandschaft auf. Auch in Deutschland gibt es Schulen, die gesponsorte Software verwenden, vom Sponsor dann zu sogenannten \u201eVorzeigeschulen\u201c geadelt.<\/p>\n<p>W\u00e4re ja sch\u00f6n, liefe der gesamte Stoff auf elektronischen Ger\u00e4ten. Wenn es sich dann um die Level in Latein, Geschichte oder Geographie handelt, w\u00fcrde man den Satz gerne h\u00f6ren: \u201eNur dieses Level noch!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Zusammenfassung: Elektronische Spiele verbreiten sich mit rasant steigender Tendenz quer durch alle Bev\u00f6lkerungsschichten. Die meisten Spiele sind so gestaltet, dass Aufh\u00f6ren richtig schwierig, f\u00fcr manche, vor allem Kinder, unm\u00f6glich ist. Das ist kein Zufall. Es ist gewollt. Daf\u00fcr gibt es drei Gr\u00fcnde: Erstens sorgen hohe Nutzerzahlen bei den Herstellern f\u00fcr Umsatz und Gewinn. Zweitens sollen die Gamer vom richtigen Leben ferngehalten und zu guten Konsumenten erzogen werden. Drittens h\u00e4lt sich der Irrglaube, die Nutzung von Tablet und Smartphone habe etwas mit Technikaffinit\u00e4t zu tun.<\/em><\/p>\n<p>1 Beispiel: die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaft-in-zahlen\/grafik-des-tages-pokemon-hype-sorgt-fuer-wirbel-am-aktienmarkt-14342410.html\">Nindendo<\/a>-Aktie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Spielkonsole, Computer oder Smartphone \u2013 wann immer Kinder und Jugendliche mit elektronischen Spielen zugange sind, kommen sie von alleine kaum noch weg. Das ist weder Sucht noch Zufall. 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