{"id":469,"date":"2016-03-21T13:30:54","date_gmt":"2016-03-21T11:30:54","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=469"},"modified":"2018-03-28T22:17:52","modified_gmt":"2018-03-28T20:17:52","slug":"ende-der-esche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=469","title":{"rendered":"Ende der Esche"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-471\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/esche-nieders-landesforsten-klein-150x113.jpg\" alt=\"esche-nieders-landesforsten-klein\" width=\"150\" height=\"113\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/esche-nieders-landesforsten-klein-150x113.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/esche-nieders-landesforsten-klein-300x225.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/esche-nieders-landesforsten-klein.jpg 364w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/strong>Die Esche ist, bzw. war ein pr\u00e4chtiger Baum.<br \/>\nDurch einen winzigen Pilz droht ihm das Ende, wodurch<br \/>\nein riesiger \u00f6kologischer und wirtschaftlicher Schaden<br \/>\nentsteht. Nichts br\u00e4uchte man jetzt dringender als Ruhezonen,<br \/>\nin denen sich Natur ungest\u00f6rt entwickeln kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gab es Esche, erkannte ich es schon am Geruch. Sie ist mein Lieblingsbaum. Das Holz, das sie uns gibt, ist vom Feinsten. Nicht nur f\u00fcr mich, es ist eines der begehrtesten und wertvollsten H\u00f6lzer \u00fcberhaupt. Es ist wie geschaffen f\u00fcr Stiele aller Art, \u00c4xte, Werkzeug, Ruder, fr\u00fcher auch Deichseln und Skier. Und nat\u00fcrlich M\u00f6bel. Das Holz hat an sich eine kr\u00e4ftige, charakteristische Maserung. Manche B\u00e4ume haben jedoch einen dunklen Kern. Dieses Holz hat eine dunkle Maserung, auch als Oliv-Esche bezeichnet und ist noch wertvoller.<\/p>\n<p>Esche gab es oft. Das Furnierwerk St\u00f6cker in Herrenberg, wo der Autor eine kaufm\u00e4nnische Lehre absolvierte, hatte sich auf Esche spezialisiert. Die dicken, astfreien St\u00e4mme kamen zun\u00e4chst f\u00fcr ein paar Tage in ein hei\u00dfes Wasserbad. \u201eGed\u00e4mpft\u201c sagt der Fachmann. Dann kam die Rinde weg und der ganze Stamm auf eine der gro\u00dfen Maschine mit bis zu f\u00fcnf Meter langen Messern. Diese schnitten dann exakt 0,68 Millimeter starke Bl\u00e4tter ab. \u201eGemessert\u201c sagt der Fachmann. Es folgte das Trocknen und w\u00e4hrend des ganzen Vorgangs waberte dieser besondere, starke Duft des warmen Eschenholzes durch die Fabrikhalle.<\/p>\n<p>Das alles ist vorbei. Das Furnierwerk St\u00f6cker gibt es schon lange nicht mehr. Und die Esche ist auch bald weg.<\/p>\n<p>Die letzten Exemplare fallen gerade der Motors\u00e4ge zum Opfer. Allerdings ist es genau genommen nicht die Motors\u00e4ge, sondern das Falsche Wei\u00dfe St\u00e4ngelbecherchen. Ein kleiner Pilz. Er gilt als neu entdeckt und tr\u00e4gt den wissenschaftlichen Namen Hymenoscyphus pseudoalbidus<sup>1<\/sup>. Es handelt sich vermutlich um eine eingeschleppte Art, gegen die die Europ\u00e4ische Esche (Fraxinus excelsior) besonders empfindlich ist. Das wei\u00dfe Pilzchen bef\u00e4llt die Triebe, die daraufhin absterben. Schnell folgt der ganze Baum. Die geschw\u00e4chten B\u00e4ume drohen umzust\u00fcrzen, daher entscheiden die meisten Forst\u00e4mter, dass vorher die Motors\u00e4ge zum Einsatz kommt.<\/p>\n<p>Am Rhein sind von der Esche dominierte urwald\u00e4hnliche Auwaldbest\u00e4nde fast verschwunden. Neunzig Prozent aller Best\u00e4nde sind bereits tot. Das ist ein trostloser Anblick und f\u00fcr die Forstwirtschaft ist das auch deswegen trostlos, weil der Baum als \u201eHoffnungsbaum\u201c in Sachen Klimawandel gilt. Er ist tolerant gegen W\u00e4rme, K\u00e4lte, Feuchtigkeit und Trockenheit. Nicht jedoch gegen Falsche Wei\u00dfe St\u00e4ngelbecherchen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re jetzt an der Zeit, gr\u00f6\u00dfere Best\u00e4nde sich selbst zu \u00fcberlassen. Dann zeigt sich, ob einzelne B\u00e4ume Resistenzen entwickeln.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit ist, dass man hierzulande Schwierigkeiten hat, Natur sich selbst zu \u00fcberlassen. Einer gewissen Aufger\u00e4umtheit wird stets der Vorzug gegeben, auch im Wald, hin und wieder taucht sogar die Meinung auf, Natur k\u00f6nne ohne den Menschen gar nicht existieren.<\/p>\n<p>Sie kann. Wenn sie darf. Das ist einer der Grundgedanken eines Nationalparks. Die Definition von Nationalpark lautet \u201eEin Nationalpark ist ein ausgedehntes Schutzgebiet, das meistens nur der nat\u00fcrlichen Entwicklung unterliegt und durch spezielle Ma\u00dfnahmen vor nicht gewollten menschlichen Eingriffen und vor Umweltverschmutzung gesch\u00fctzt wird.<sup>2<\/sup>\u201c<\/p>\n<p>Solche Fl\u00e4chen k\u00f6nnte gerade Baden-W\u00fcrttemberg gut gebrauchen, wie jetzt wieder am gro\u00dfen Verlust der Eschenbest\u00e4nde zu sehen ist.<\/p>\n<p>Doch gerade in Baden-W\u00fcrttemberg sind die Schwierigkeiten, ein Schutzgebiet auszuweisen, besonders gro\u00df.<\/p>\n<p>Es war ein harter Kampf, bis es gelang, den Nationalpark Schwarzwald zu etablieren. Die Emotionen sind derma\u00dfen hochgekocht, dass ein Stoff f\u00fcr Krimis<sup>3<\/sup> daraus geworden ist. Und dabei ist dieser Nationalpark mit seinen 10.062 Hektar noch nicht einmal besonders gro\u00df. Zum Vergleich: Der Nationalpark Bayerischer Wald ist allein auf deutscher Seite mehr als doppelt, Yellowstone in den USA hundert Mal so gro\u00df. Der Nationalpark Schwarzwald umfasst zudem nur 0,28 Prozent der Landesfl\u00e4che und besteht nicht einmal aus einer zusammenh\u00e4ngenden Fl\u00e4che, sondern aus zwei Teilen. Es handelt sich um eine Fl\u00e4che, die in Baden-W\u00fcrttemberg beim derzeitigen Landschaftsverbrauch von 10 Hektar pro Tag<sup>4<\/sup> in knapp drei Jahren zubetoniert ist. Wobei ja nicht einmal Interesse best\u00fcnde, die B\u00f6den des Nationalparks Schwarzwald zuzubetonieren, weil sie infrastruktur- und landwirtschaftsm\u00e4\u00dfig eigentlich wertlos sind (dass hier nur Wald und nichts anderes w\u00e4chst, ist nat\u00fcrlich auch ein Wert an sich). Beim Zubetonieren konzentrieren wir uns gerade auf die guten B\u00f6den.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Eschensterben m\u00fcssten wir wissen, was dabei auf dem Spiel steht und was auf dem Spiel steht, wenn sich Natur nicht entwickeln kann. Ein wirtschaftlicher Schaden von vielen Milliarden Euro und vielleicht der Verlust eines einzigartigen Baumes.<\/p>\n<p>Es ist die nat\u00fcrliche Entwicklung, auf die es ankommt. Was immer sich entwickelt \u2013 es kommt letztlich auch dem Menschen zugute. Auch die Esche.<br \/>\n1 waldwissen.net<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.waldwissen.net\/waldwirtschaft\/schaden\/pilze_nematoden\/bfw_eschentriebsterben_Mai2010\/index_DE\">http:\/\/www.waldwissen.net\/waldwirtschaft\/schaden\/pilze_nematoden\/bfw_eschentriebsterben_Mai2010\/index_DE<\/a><\/p>\n<p>2 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalpark\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalpark<\/a><\/p>\n<p>3 Bernd Leix, Mordschwarzwald<\/p>\n<p>4 <a href=\"http:\/\/www4.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/2036\/\">http:\/\/www4.um.baden-wuerttemberg.de\/servlet\/is\/2036\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Esche ist, bzw. war ein pr\u00e4chtiger Baum. Durch einen winzigen Pilz droht ihm das Ende, wodurch ein riesiger \u00f6kologischer und wirtschaftlicher Schaden entsteht. 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