{"id":480,"date":"2016-04-26T10:58:05","date_gmt":"2016-04-26T08:58:05","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=480"},"modified":"2016-04-26T11:10:40","modified_gmt":"2016-04-26T09:10:40","slug":"auf-dem-ruecken-der-bauern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=480","title":{"rendered":"Auf dem R\u00fccken der Bauern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-481 alignleft\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Fotolia_95508057_XS-Budimir-Jevtic-150x100.jpg\" alt=\"Young farmer holding cute piglet on his shoulder\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Fotolia_95508057_XS-Budimir-Jevtic-150x100.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Fotolia_95508057_XS-Budimir-Jevtic-300x200.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Fotolia_95508057_XS-Budimir-Jevtic.jpg 424w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel<br \/>\nfindet auf dem R\u00fccken der Bauern statt.<br \/>\nDoch, das geht jeden etwas an. Denn hier geht es<br \/>\num das Wesentliche und ein bisschen Bauer<br \/>\nsteckt in uns allen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nKonzentration im Lebensmitteleinzelhandel: Der j\u00fcngste Akt war die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel zur Fusion von Edeka und Kaiser\u2019s Tengelmann. Das hat Widerspruch hervorgerufen, auch deswegen, weil sich der Bundeswirtschaftsminister \u00fcber eine Entscheidung des Bundeskartellamtes hinweggesetzt hat, so dass man sich fragen musste, wozu es ein Kartellamt eigentlich gibt.<\/p>\n<p>Die Gegenargumente waren auf Seiten der Landwirte wieder besonders gewichtig. So hei\u00dft es bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN<sup>1<\/sup>), die Fusion finde auf dem R\u00fccken der Bauern statt. Die jetzt schon riesige \u00dcbermacht des Lebensmitteleinzelhandels gegen\u00fcber der Landwirtschaft werde noch weiter gest\u00e4rkt. Der Deutsche Bauernverband (DBV<sup>2<\/sup>) meint, die Fusion gehe eindeutig zu Lasten der Wettbewerbssituation der Landwirtschaft.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Wettbewerb soll eigentlich das Kartellamt sorgen, wobei das Kind im Lebensmitteleinzelhandel schon l\u00e4ngst in den Brunnen gefallen ist. Schon 2011 hat das DIW Berlin festgestellt<sup>3<\/sup>, dass vier Handelskonzerne den Beschaffungsmarkt dominieren und die Hersteller (also Bauern, Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft) am k\u00fcrzeren Hebel sitzen.<\/p>\n<p>Am k\u00fcrzeren Hebel bedeutet etwa folgendes: Vier Eink\u00e4ufern (vereinfacht) der Handelskonzerne sitzen eine Vielzahl von Lebensmittelproduzenten- und verarbeitern gegen\u00fcber, unter denen die Konkurrenz gro\u00df ist. Die wenigen Abnehmer, das hei\u00dft, ein Oligopol, haben eine gro\u00dfe Marktmacht, weil kein Produzent an ihnen vorbeikommt und seine Ware anderen anbieten kann, wenn der Preis nicht stimmt. Das DIW sieht deutliche Anzeichen f\u00fcr den Missbrauch dieser Marktmacht: Preisdruck, Drohungen, Zwangsrabatte. Der guten Ordnung halber muss man noch erw\u00e4hnen, dass es auch auf Seiten der Ern\u00e4hrungswirtschaft enorm gro\u00dfe Player gibt, die dem Druck der Handelsketten durchaus gewachsen sind.<\/p>\n<p>Dennoch ist hier etwas nicht in Ordnung. Wettbewerb ist f\u00fcr eine Marktwirtschaft konstitutiv<sup>4<\/sup>. In den Volkswirtschaftsseminaren unterschied man fr\u00fcher die beiden Wirtschaftssysteme als vom Plan, bzw. vom Wettbewerb beherrscht. Im Lebensmitteleinzelhandel ist von Wettbewerb nicht mehr viel \u00fcbrig. Sicher, die wenigen verbleibenden H\u00e4ndler, vor allem die Discounter, konkurrieren heftig miteinander \u2013 aber um die Gunst des Endkunden und das mit \u201eTiefstpreisen\u201c und \u201eSchn\u00e4ppchen\u201c bei Lebensmitteln. Sie konkurrieren nicht um die Ware, die der Bauer bietet. Bauern gibt es scheinbar genug, die scheinbar ohnehin zu viel produzieren.<\/p>\n<p>Ein Zeichen eines nicht mehr funktionierenden Systems ist die Gr\u00f6\u00dfe der Handelskonzerne, die einige zu Milliard\u00e4ren gemacht hat. Nichts gegen Milliard\u00e4re, doch sie sind Symptom einer au\u00dfer Tritt geratenen Wirtschaftsordnung, hierzulande und in den sogenannten Schwellenl\u00e4ndern erst recht. F\u00fcr die Wirtschaft, f\u00fcr das Volk und die Volkswirtschaft w\u00e4re es besser, nicht einer bes\u00e4\u00dfe ein Verm\u00f6gen von, sagen wir, 16,5 Milliarden, sondern 16.500 bes\u00e4\u00dfen eine Million oder 16,5 Mio. Menschen bes\u00e4\u00dfen 100.000 Euro.<\/p>\n<p>Es gibt ein weiteres Merkmal, welches darauf hinweist, dass die Wirtschaftsordnung zumindest in Deutschland eher in Unordnung ist: Das ist die Bedeutung der Landwirtschaft \u2013 der Bauern. Vor Jahren gab es eine hei\u00dfe Diskussion um die sogenannte \u201eSystemrelevanz\u201c. Am Ende waren es die Banken, welche zum systemrelevanten Teil der Wirtschaft erkl\u00e4rt und unterst\u00fctzt wurden. Gewiss, der Terti\u00e4re Sektor<sup>5<\/sup> (Dienstleistungen) ist gro\u00df und bedeutend, ebenso der Sekund\u00e4re (Industrie), der Prim\u00e4re Sektor ist jedoch betragsm\u00e4\u00dfig zur Volkswirtschaft (Umsatz und Besch\u00e4ftigte) recht klein geworden.<\/p>\n<p>Dennoch bleibt es der Prim\u00e4re Sektor, nicht weil er als erstes da war, sondern weil er unverzichtbar ist und bleibt. Das Wesentliche, das Systemrelevante. Daran sollten auch die denken, die zwischen zwei Leveln beim Computerspiel kurz in die Chipst\u00fcte greifen.<br \/>\nKartoffeln, Sie verstehen?<\/p>\n<p>Ohne Kartoffeln, Brot, Mais, Reis usw. so geht es nicht und irgendwer muss aufs Feld und in den Garten. Zum Gl\u00fcck tun das viele gern, ja mit Leidenschaft, sogar in der Stadt (Urban Gardening, Guerilla Gardening). Zumindest hier m\u00fcsste das Verst\u00e4ndnis keimen, dass der R\u00fccken der Bauern nicht unendlich breit ist. Sie geben auf.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist stark bedroht, was man \u201ekleinb\u00e4uerlich\u201c nennt oder was in der Industrie \u201emittelst\u00e4ndischer Familienbetrieb\u201c hei\u00dft. Der Druck des Oligopols der Lebensmitteleinzelh\u00e4ndler ist die Ursache daf\u00fcr, dass in der Landwirtschaft industrielle Strukturen entstehen. Mit Gro\u00dfbetrieben, riesigen Fl\u00e4chen, enormem Kapitalbedarf und gigantischen Maschinen, die ungeheure Mengen<sup>6<\/sup> produzieren m\u00fcssen, um rentabel zu sein.<\/p>\n<p>Vor einem \u201eH\u00f6festerben, wie wir es noch nie gesehen haben\u201c, hat k\u00fcrzlich die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann gewarnt<sup>7<\/sup>. Die Ursache hierf\u00fcr sieht sie im Wettbewerbsrecht und fordert, dies zu \u00e4ndern. Es m\u00fcsse den Handelskonzernen verboten werden, mit \u201eLebensmittel-Schn\u00e4ppchen\u201c zu werben und auf dem R\u00fccken der Bauern \u201eeinen ethisch nicht vertretbaren Preiskrieg\u201c auszutragen. Das Bundeskartellamt solle gest\u00e4rkt werden und darauf achten, dass solche \u201esittenwidrige Gesch\u00e4ftspraktiken\u201c nicht vorkommen.<\/p>\n<p>Das ist richtig. Denn der fehlende Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel verst\u00f6\u00dft gegen die guten Sitten in einer Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 <a href=\"http:\/\/www.schweine.net\/\">schweine.net<\/a><\/p>\n<p>2 <a href=\"http:\/\/www.bauernverband.de\/\">Deutscher Bauernverband<\/a><\/p>\n<p>3 <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.371177.de\/themen_nachrichten\/konzentration_im_lebensmitteleinzelhandel_hersteller_sitzen_am_kuerzeren_hebel.html\">DIW<\/a><\/p>\n<p>4 <a href=\"http:\/\/zabota.de\/?p=138#more-138\">Marktwirtschaft<\/a><\/p>\n<p>5 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftssektor\">Wiki Wirtschaftssektoren<\/a><\/p>\n<p>6 <a href=\"http:\/\/zabota.de\/?p=251#more-251\">Zum Beispiel Gurken<\/a><\/p>\n<p>7 <a href=\"http:\/\/www.tagblatt.de\/Nachrichten\/CDU-warnt-vor-massenhaftem-Hoefe-Sterben-286149.html\">Schw\u00e4bisches Tagblatt 26.04.2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel findet auf dem R\u00fccken der Bauern statt. Doch, das geht jeden etwas an. Denn hier geht es um das Wesentliche und ein bisschen Bauer steckt in &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/480"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=480"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":487,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/480\/revisions\/487"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}