{"id":489,"date":"2016-05-28T10:52:26","date_gmt":"2016-05-28T08:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=489"},"modified":"2016-05-28T11:00:41","modified_gmt":"2016-05-28T09:00:41","slug":"unser-problem-mit-china","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=489","title":{"rendered":"Unser Problem mit China"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-490 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Fotolia_91405485_XS_Steinar-150x143.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"143\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Fotolia_91405485_XS_Steinar-150x143.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Fotolia_91405485_XS_Steinar.jpg 237w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>Wir haben ein Problem mit China.<br \/>\nDas hat mit den Handelsbeziehungen zu tun,<br \/>\nwo nicht alles so rund l\u00e4uft, wie es scheint.<br \/>\nDenken Sie mal an Wein und Tuch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wein und Tuch. Das sind die G\u00fcter, die als Symbole f\u00fcr die Vorteile internationaler Handelsbeziehungen stehen. &#8222;Arbeitsteilung&#8220; hei\u00dft das Zauberwort, jeder macht das, was er am besten kann \u2013 in Portugal produzieren die Leute Wein, in England entsteht aus Wolle feines Tuch. David Ricardo hat diese beiden Handelsg\u00fcter als Beispiele herausgegriffen und damit um das Jahr 1817 die Theorie der komparativen Kostenvorteile<sup>1<\/sup> entwickelt. Das ist ein vereinfachendes Modell zur Erkl\u00e4rung des Au\u00dfenhandels zwischen zwei L\u00e4ndern. Dem Modell liegt dabei die unterschiedliche Arbeitsproduktivit\u00e4t zugrunde, die zu internationalem Handel f\u00fchrt. Wobei es in der Praxis vielmehr klimatische und traditionelle Gr\u00fcnde sind, die zum Handeln veranlassen.<\/p>\n<p>Seit in den 1990er Jahren die Volksrepublik China als neuer Player die Welthandelsb\u00fchne betreten hat, ist ein Problem entstanden, das sich, am vorigen Beispiel illustriert, so darstellt.<br \/>\nChina kann guten Wein herstellen.<br \/>\nChina kann gutes Tuch produzieren.<\/p>\n<p>Auf die modernen Zeiten \u00fcbertragen:<br \/>\nChina ist in Grundstoffen gut, zum Beispiel Stahl.<br \/>\nChina kann Spielzeug herstellen.<br \/>\nChina kann elektronische Ger\u00e4te produzieren.<br \/>\nChina macht Spitze Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge und anderes Bahnmaterial.<br \/>\nEs gibt kein Ding des t\u00e4glichen Gebrauchs, das China nicht produziert.<br \/>\nChina fertigt solide Automobile f\u00fcr den Inlandsmarkt.<br \/>\nChina schickt sich an, eigene Passagierflugzeuge zu starten.<br \/>\nChina kann alles.<br \/>\nAber g\u00fcnstig.<br \/>\nUnd in Massen.<\/p>\n<p>So war das in der Theorie der komparativen Kostenvorteile nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Aber: Diese Entwicklung hat dem Land gl\u00fccklicherweise einen enormen Entwicklungsschub gebracht, zwar mit grassierendem Milliard\u00e4rsunwesen, jedoch auch der breiten Masse der Chinesen einen relativen Wohlstand.<\/p>\n<p>Uns bereitet diese Entwicklung jedoch Sorgen. Zwei M\u00e4rkte als Beispiel: Zum einen bei Smartphones. Apple hat in I\/2016 erstmals seit Start des Iphones 2007 einen Absatzr\u00fcckgang verzeichnet<sup>2<\/sup>. Das musste so kommen. Ein Tor, der erwartete, mit dem Iphone von Quartal zu Quartal ewig solche ph\u00e4nomenalen Wachstumsraten zu erzielen. Denn zum einen gibt es auch an einem solchen Ger\u00e4t irgendwann nicht mehr viel zu optimieren, zum anderen haben andere Hersteller nachgezogen. Vor allem junge chinesische Hersteller, deren Namen noch kaum einer kennt, machen Apple mit wettbewerbsf\u00e4higen Ger\u00e4ten Konkurrenz.<br \/>\nZum anderen bereitet der Stahlmarkt Sorgen. Anscheinend gibt es \u00dcberkapazit\u00e4ten, die zu einem Preisverfall f\u00fchren. Nun geben Europas Stahlunternehmen den Chinesen die Schuld, weil sie angeblich zu viel Stahl herstellen, ihn nicht selbst verarbeiten und zu \u201eDumpingpreisen\u201c auf dem Weltmarkt anbieten \u201eChinas Stahlkocher am Pranger\u201c lautete die \u00dcberschrift im Schw\u00e4bischen Tagblatt<sup>3<\/sup>.<br \/>\nDas ist nicht fair. Wenn Deutschland als sogenannter \u201eExportweltmeister\u201c die M\u00e4rkte \u00fcberschwemmt, gilt das als unternehmerische Heldentat. China steht am Pranger. Nat\u00fcrlich hat China beim Stahlkochen \u201ekomparative Vorteile\u201c, schon weil die L\u00f6hne so niedrig sind. Mit Lohndumping hat das nichts zu tun.<br \/>\nEuropas Stahlbosse und Stahlarbeiter werfen den Chinesen au\u00dferdem vor, ihren Stahl deutlich unter Marktpreis anzubieten. Na und?<br \/>\nGibt es jetzt Preisgesetze? Sind 600 Euro f\u00fcr ein Smartphone der Marktpreis? Ist es dann verboten, ein Ger\u00e4t f\u00fcr 200 Euro anzubieten?<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt \u2013 was hei\u00dft schon Lohndumping. Man hat auch der deutschen Wirtschaft schon vorgeworfen, sie \u201esubventioniere\u201c den Export mit niedrigen L\u00f6hnen. Manche werfen Deutschland auch vor, Fl\u00fcchtlinge in so gro\u00dfen Mengen nur deswegen aufzunehmen, weil man billige Arbeitskr\u00e4fte brauche, was aus unserer Sicht eher abwegig zu sein scheint.<br \/>\nEin dritter Markt ist potenziell gef\u00e4hrdet, was vor allem wir Deutschen im Auge behalten sollten: der Automobilmarkt.<br \/>\nAnekdote am Rande: Die chinesische Regierung hat vor kurzem in Schanghai einen Golfplatz einebnen lassen<sup>4<\/sup>. Golf gilt nun einmal nicht als die proletarische Sportart schlechthin. Vergessen wir nicht \u2013 in China gibt die Kommunistische Partei den Ton an.<\/p>\n<p>Ich nehme an, die Herren in Stuttgart, M\u00fcnchen und Ingolstadt haben sich schon Gedanken dar\u00fcber gemacht, was wird, wenn die Kommunistische Partei befindet, der Genosse und Patriot solle nicht mehr nur aufs Golfspiel, sondern auch auf seien Mercedes, BMW oder Audi verzichten.<br \/>\nBuy Chinese.<br \/>\nAlternativen gibt es genug, besonders f\u00fcr die aufstrebende Mittelschicht, wie die Beijing Motorshow 2016 gerade gezeigt hat.<br \/>\nUm auf Ricardo zur\u00fcckzukommen. So wie die Engl\u00e4nder fr\u00fcher gedacht haben, sie liefern Tuch und kaufen Wein in Portugal, so denken wir Deutschen, wir liefern Autos und Maschinen, weil wir das so supergut k\u00f6nnen. Und die Chinesen liefern was?<\/p>\n<p>Klar, Wein auch. Und Apfelsaftkonzentrat, schlie\u00dflich ist China auch der weltgr\u00f6\u00dfte Apfelproduzent.<\/p>\n<p>Die Chinesen haben die Frage beantwortet.<br \/>\nSie liefern alles.<\/p>\n<p>Das ist unser Problem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ricardo-Modell\">Wikipedia<br \/>\n<\/a>2 FAZ, 28.04.2016<br \/>\n3 Schw\u00e4bisches Tagblatt, 19.04.2016<br \/>\n4 FAZ, 25.04.2016<\/p>\n<p>Auch lesenswert: <a href=\"http:\/\/www.beschaffung-aktuell.de\/home\/-\/article\/33568332\/38428641?returnToFullPageURL=back\">Angst vor China?<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben ein Problem mit China. Das hat mit den Handelsbeziehungen zu tun, wo nicht alles so rund l\u00e4uft, wie es scheint. 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