{"id":495,"date":"2016-06-04T19:38:11","date_gmt":"2016-06-04T17:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=495"},"modified":"2016-06-04T19:57:47","modified_gmt":"2016-06-04T17:57:47","slug":"die-milch-fleisch-und-brotpreisbindung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=495","title":{"rendered":"Die Milch-, Fleisch- und Brotpreisbindung"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-498\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Fotolia_72266822_XS_emuck-150x99.jpg\" alt=\"Toskanisches Landbrot und Weizenhren\" width=\"150\" height=\"99\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Fotolia_72266822_XS_emuck-150x99.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Fotolia_72266822_XS_emuck-300x199.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Fotolia_72266822_XS_emuck.jpg 426w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/strong>Experimente in der Wirtschaftsordnung<br \/>\nsind ein gro\u00dfes Thema. Warum also nicht mal<br \/>\nmit festen Preisen f\u00fcr Milch, Fleisch und Brot<br \/>\nexperimentieren. Jawoll, Preisbindung!<br \/>\nWie beim Buch. Die Ziele: eine sichere Existenz<br \/>\nf\u00fcr die Bauern, gute Ware f\u00fcr den Verbraucher.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nViele volkswirtschaftliche Experimente sind recht gewagt. Zum Beispiel das so genannte bedingungslose Grundeinkommen<sup>1<\/sup> oder das Helikoptergeld<sup>2<\/sup>. Auch der jetzt tats\u00e4chlich realisierte Mindestlohn ist letztlich ein Experiment, bei dem man nicht genau wei\u00df, wie es ausgehen, bzw. ob die erhoffte Besserstellung von Geringverdienern eintreten wird. Der Mindestlohn ist ja nichts anders als eine Preisbindung, n\u00e4mlich ein fester Preis f\u00fcr die Arbeit.<\/p>\n<p>Feste Preise gelten also auch f\u00fcr B\u00fccher, in Deutschland und in einigen weiteren L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union. Buchpreisbindung \u2013 so hei\u00dft das<sup>3<\/sup>. Anderswo, nat\u00fcrlich in den USA, kommt so ein Eingriff in die Marktwirtschaft nicht infrage. \u201eDieser Eingriff in die freie Marktwirtschaft wird vor allem damit gerechtfertigt, dass dem Buch als Kulturgut eine Sonderstellung zukomme und die Buchpreisbindung ein vielf\u00e4ltiges Buchangebot sowie eine fl\u00e4chendeckende Versorgung durch kleinere Buchhandlungen gew\u00e4hrleiste\u201c (Wikipedia). Und weiter aus der selben Quelle zitiert: \u201e\u00d6konomisch gesehen bedeutet eine Buchpreisbindung, dass ein Preiswettbewerb zwischen Buchh\u00e4ndlern unterbunden wird. Im Vergleich zum Vollkommenen Markt ist diese Einschr\u00e4nkung des Wettbewerbs ineffizient und f\u00fchrt zu h\u00f6heren Preisen, niedrigeren Verkaufsmengen und \u00fcberh\u00f6hten Gewinnen der Produzenten (Monopolgewinne).\u201c Was hier als Kritik dasteht, ist ja genau der springende Punkt: h\u00f6here Preise, niedrigere Mengen und Gewinne der Produzenten. Und der Preiswettbewerb, hier zwischen Buchh\u00e4ndlern, dort zwischen Lebensmitteleinzelh\u00e4ndlern ist f\u00fcr die Produzenten das Ruin\u00f6se.<\/p>\n<p>So gesehen w\u00e4re jetzt eine Preisbindung f\u00fcr Milch, Fleisch, Brot und vielleicht Eier genau das richtige. Produzenten sind hier die Bauern und dass die \u201e\u00fcberh\u00f6hte Gewinne\u201c einfahren, kann man ja wei\u00df Gott nicht behaupten. Feste Preise f\u00fcr bestimmte Nahrungsmittel \u2013 eine recht junge Idee, wenngleich alles schon mal getwittert wurde und es, historisch gesehen, eine Brotpreisbindung in Frankreich schon einmal gegeben hat.<\/p>\n<p>Ideen wie diese, in die Wirtschaftsordnung einzugreifen, sind unter \u00d6konomen immer umstritten, das sollte uns nicht am Denken hindern. Zu denken geben sollte nur eine m\u00f6gliche Auswirkung fester Preise: das ist die Gefahr der Knappheit. Das darf nicht passieren, dass Lebensmittel knapp werden. Zieht man allerdings die Lehren aus der Buchpreisbindung, ist Knappheit sicher nicht eingetreten. 70.000 j\u00e4hrliche Neuerscheinungen auf der Buchmesse in Frankfurt zeugen nicht von Knappheit.<\/p>\n<p>Preism\u00e4\u00dfig k\u00f6nnte das dann so aussehen: Ein Bauer sagt, der Schlachthof zahle ihm nur 1,53 Euro f\u00fcr das Kilo Schwein<sup>4<\/sup>. Brauchen w\u00fcrde er 1,80 Euro, um die Substanz zu erhalten und zu investieren. Das g\u00f6nnen wir dem Bauern. G\u00f6nnen wir ihm noch einen Risikoaufschlag, eine Tierwohlzulage und eine Investitionszulage von jeweils zehn Prozent. Dann m\u00fcsste der Schlachthof 2,44 Euro bezahlen. Der verdoppelt die Wertsch\u00f6pfung und verlangt vom Einzelhandelseinkauf 4,88 Euro. Der Einzelhandel verdoppelt den Preis wiederum, um sein Auskommen sicher zu stellen. Also zahlt der Verbraucher durchschnittlich knapp zehn Euro (9,76 \u20ac) f\u00fcr ein Kilo Schweinefleisch, f\u00fcr den Bauchspeck etwas weniger, f\u00fcr das Filet etwas mehr.<\/p>\n<p>Ob das nun viel oder wenig ist, ist wie immer relativ. Ob das zu einer Unterversorgung der unteren Einkommensschichten mit Fleisch f\u00fchrt, ist Teil des Experiments. Der Zyniker w\u00fcrde sagen, weniger Fleisch sei eh ges\u00fcnder. In Bezug auf das Buch hei\u00dft es in der schon genannten Quelle: \u201eInsbesondere Geringverdiener sind von h\u00f6heren B\u00fccherpreisen negativ betroffen.\u201c \u201eNegativ betroffen\u201c hei\u00dft dann, der Geringverdiener kann sich weniger Fleisch leisten. \u201eNegativ betroffen\u201c ist aber derzeit vor allem der Bauer. Er ist der Geringverdiener.<\/p>\n<p>Da k\u00f6nnte nun mancher auf die Idee kommen, prima, dann machen wir doch eine allgemeine Preisbindung, feste Preise f\u00fcr alles. Vom Auto bis zur Zahnpasta. Nein, eben nicht. Beim Buch gibt es die Ausnahme, die Sonderstellung, weil es ein Kulturgut \u2013 f\u00fcr unser kulturelles \u00dcberleben und unsere geistige Entwicklung essentiell ist. Und ohne Milch, Fleisch, Brot usw. \u00fcberleben wir gar nicht. Es gibt nur einzigen Wirtschaftszweig, der wirklich \u201esystemrelevant\u201c ist und eine Sonderstellung verdient\u2013 die Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Um es noch deutlicher zu sagen: Wir k\u00f6nnten zur Not auf das Auto verzichten. Sorry, Automobilisten. Zur Not k\u00f6nnten wir zu Fu\u00df gehen, mit dem Rad oder mit der Bahn fahren. W\u00e4re ohnehin kl\u00fcger. Wir k\u00f6nnten auch auf das Buch verzichten, oder Zeitungen, oder Zeitschriften, oder auf diesen Blog.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht auf das Brot verzichten. Auch nicht zur Not. Das w\u00e4re dann Hungersnot.<br \/>\nAlso sehen wir zu, dass unsere Bauern keine Not leiden.<\/p>\n<p>Eine Not, die viele Bauern auf die \u201eDiscounterisierung\u201c zur\u00fcckf\u00fchren<sup>5<\/sup>.<br \/>\nHier w\u00e4re der Ansatz f\u00fcr ein weiteres Experiment.<br \/>\nSp\u00e4ter.<\/p>\n<p>1 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen<br \/>\n<\/a>2 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helikoptergeld\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helikoptergeld<br \/>\n<\/a>3 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchpreisbindung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchpreisbindung<br \/>\n<\/a>4 Schw\u00e4bisches Tagblatt, 3. Juni 2016<br \/>\n5 Schw\u00e4bisches Tagblatt, 4. Juni 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Experimente in der Wirtschaftsordnung sind ein gro\u00dfes Thema. 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