{"id":521,"date":"2016-07-22T10:54:05","date_gmt":"2016-07-22T08:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=521"},"modified":"2017-05-30T11:26:17","modified_gmt":"2017-05-30T09:26:17","slug":"leise-gackert-das-huhn-unsere-sommerstory","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=521","title":{"rendered":"Leise gackert das Huhn \u2013 unsere Sommerstory"},"content":{"rendered":"<p>Das Huhn. Ein perfektes Symbol des Friedens,<br \/>\nwenn es (Sonntags) leise gackert. Leise.<br \/>\nIn dieser Ruhe gedeihen allerlei Gedanken,<br \/>\nzum Beispiel, dass die Taube als Friedens-<br \/>\nsymbol v\u00f6llig ungeeignet ist oder auch der<br \/>\neine oder andere Businessplan.<br \/>\n<!--more-->Leise gackert das Huhn, leise. Nicht das aufgeregte ga-ga-ga-gaah! wenn es ein Ei gelegt hat oder morgens niemand mit den H\u00fchnern aufgestanden ist, um den Stall zu \u00f6ffnen, nein.<br \/>\nEs ist dieses langgezogene gaaaaaaaa-ck, das B\u00e4nde spricht. Dann n\u00e4mlich ist ein warmer Sommertag, an dem die eine H\u00e4lfte der H\u00fchnerschar tr\u00e4ge pickend durchs Gras l\u00e4uft, hin und wieder ein M\u00fccklein erwischt und eben gaaaaaaaa-ck macht. \u201eAgathe singt\u201c, sagt die H\u00fchnerumsorgerin, die die Stimmen der einzelnen Tiere auseinander halten kann. Die andere H\u00e4lfte der H\u00fchnerschar hat sich im Schatten im Sand verbuddelt. D\u00f6send.<\/p>\n<p>Es gibt kein sch\u00f6neres Klangbild f\u00fcr einen ruhigen Sommertag. Abgerundet durch das tschilp-tschilp der Spatzen und das ziwitt-ziwitt der Rauchschwalben. Wenn es ein Sonntag ist, dann ist es so ein Sonntag, \u00fcber den der Liedermacher Franz-Josef Degenhardt<sup>1<\/sup> dichtete: \u201eWenn die Spinne Langeweile, F\u00e4den spinnt und ohne Eile, giftig-grau die Wand hochkriecht\u2026\u201c Ach was, nichts Giftiges, keine Langeweile, nur perfekte Ruhe, perfekter Friede.<\/p>\n<p>Drum fragt man sich, wie eigentlich ausgerechnet die Taube das Symbol des Friedens werden konnte. Da gibt es eine ganze Reihe antiker Texte, welche der Taube diese Deutung gegeben haben, nicht zuletzt die Stelle aus der Genesis, wo die von Noah ausgesandte Taube mit dem Olivenzweig zur\u00fcckkehrt und das Ende der Sintflut sowie den Friedensschluss zwischen Gott und den Menschen darstellt. Das Huhn w\u00e4re an dieser Stelle nicht ganz so praktisch gewesen, da es nicht fliegen kann. Folglich kann es auch nicht von oben kommen und ist als Symbol f\u00fcr den Hl. Geist eher ungeeignet.<\/p>\n<p>Aber: Die Taube ist an sich kein friedliches Tier. Oder, wie unser Online-Lexikon so sch\u00f6n formuliert<sup>2<\/sup>: \u201eDas Symbol der Friedenstaube hat keine verhaltensbiologische Entsprechung, da Tauben im Vergleich zu beispielsweise Falken untereinander sehr aggressive und angriffslustige Tiere sind.\u201c Unsere H\u00fchner zoffen sich zwar hin und wieder und dissen die junge Rita, die sp\u00e4ter hinzukam, aber im Gro\u00dfen und Ganzen vertragen sie sich recht gut. Es sind friedliche Tiere. Sie sind auch als Haustiere ganz schmusig, nicht ganz so schmusig, wie manches K\u00e4tzchen, aber immer noch schmusiger als eine Bartagame. Sie sind vertr\u00e4glich und von freundlichem Wesen, hei\u00dft es allgemein in der H\u00fchner-Enzyklop\u00e4die<sup>3<\/sup>. \u00dcber unsere Rita, ein sogenanntes \u201eBielefelder Kennhuhn\u201c steht da: \u201eVom Wesen her sind die Tiere ruhig und zutraulich\u2026\u201c.<\/p>\n<p>Das perfekte Friedenssymbol ist also das Huhn. Wo H\u00fchner frei herumlaufen k\u00f6nnen herrscht Frieden.<\/p>\n<p>Frieden als Abwesenheit von Krieg. Denn im Krieg ern\u00e4hren sich die k\u00e4mpfenden Truppen meist nicht vom eigenen Nachschub an Vorr\u00e4ten, sondern \u201eaus dem Lande\u201c. Pl\u00fcndern ist Mittel der Kriegsf\u00fchrung. Die deutsche Wehrmacht pl\u00fcnderte die russischen Bauern ebenso aus, wie die Ritter und Landsknechte im Mittelalter und im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg sowie die Legionen Roms. Meistens waren der Boden, dessen Ertr\u00e4ge und Sch\u00e4tze, auch der eigentliche Kriegsgrund. Wenn die Speisekammern der Bauern der Bauern leergeraubt waren, ging es an die St\u00e4lle.<\/p>\n<p>Dann kam zuerst das Huhn dran. Sp\u00e4ter auch Schweine, K\u00e4lber und alles andere, das Huhn aber zuerst, weil es sich am schnellsten in einen schmackhaften Braten verwandeln l\u00e4sst. Das Schlachten von K\u00e4lbern und Schweinen dauert l\u00e4nger und ist komplizierter. Frei laufende H\u00fchner waren in Kriegszeiten Fastfood und Takeaway. Also herrscht, wo H\u00fchner frei laufen k\u00f6nnen, Friede.<\/p>\n<p>Wo H\u00fchner frei herumlaufen k\u00f6nnen herrscht auch Friede im Kampf Krieg Mensch gegen Tier. Denn obwohl man heute ganz selten H\u00fchner sieht, schon gar nicht frei herumlaufende, eilt der Verzehr von H\u00fchnerfleisch von Rekord zu Rekord. Das ist kein Wunder, denn die Massentierhaltung ist die herrschende Wirtschaftsform. Bei keinem anderen Lebewesen wie dem Huhn ist das Halten und T\u00f6ten so perfekt industrialisiert. Und praktischerweise f\u00fcr den Verbraucher nahezu unsichtbar, gewollt, denn die Bauernverbandsfunktion\u00e4re, die jede andere Haltungsart als \u201eTr\u00e4umerei\u201c bezeichnen, wollen den Verbraucher ja nicht erschrecken.<\/p>\n<p>Wo H\u00fchner frei herumlaufen k\u00f6nnen herrscht auch Friede im Kampf Krieg Mensch gegen Technik. Wo H\u00fchner frei herumlaufen, k\u00f6nnen auch Kinder frei herumlaufen. Auf Wegen und Stra\u00dfen, die, zumindest in Wohnvierteln, nicht zu Pisten f\u00fcr eilige Autofahrer planiert wurden.<\/p>\n<p>Doch H\u00fchner sind nicht nur das perfekte Friedenssymbol, sondern auch das perfekte Nutztier. Es ist pflegeleicht, braucht wenig Platz und vielleicht kann es ja durch Eierproduktion zum Lebensunterhalt beitragen.<\/p>\n<p>Angenommen, das Ziel w\u00e4re 450 Euro hinzuzuverdienen.<br \/>\nEin Bioei kostet rund 40 Cent das St\u00fcck (am besten regional, geht aber auch online, wo ein Shop verspricht \u201eFrische Eier von freilebenden H\u00fchnern, die behutsam umsorgt werden!\u201c).<br \/>\nAngenommen, dem Produzenten, also der H\u00fchnerumsorgerin oder dem H\u00fchnerumsorger, blieben 20 Cent.<br \/>\nDann br\u00e4uchte man im Monat 2250, im Jahr 27.000 Eier. Bei einer \u201eLegeleistung\u201c pro Huhn von 270 Eiern w\u00fcrden dann schon 100 H\u00fchner reichen.<\/p>\n<p>100 freilaufende H\u00fchner auf einem gro\u00dfen Grundst\u00fcck mit schattenspendenden Obstb\u00e4umen und ein vielstimmiges gaaaaaaaaa-ck. Das perfekte Idyll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Josef_Degenhardt\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Josef_Degenhardt<\/a><\/p>\n<p>2 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedenstaube\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedenstaube<\/a><\/p>\n<p>3 Esther Verhoef\/Aad Rijs, Illustrierte H\u00fchner-Enzyklop\u00e4die, Edition D\u00f6rfler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Huhn. Ein perfektes Symbol des Friedens, wenn es (Sonntags) leise gackert. Leise. 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