{"id":529,"date":"2016-09-01T11:17:50","date_gmt":"2016-09-01T09:17:50","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=529"},"modified":"2018-01-10T12:36:30","modified_gmt":"2018-01-10T10:36:30","slug":"tilgen-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=529","title":{"rendered":"Tilgen! Jetzt!"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-530\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_46948721_XS_Stefan_Yang-150x113.jpeg\" alt=\"spig_ba\" width=\"150\" height=\"113\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_46948721_XS_Stefan_Yang-150x113.jpeg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_46948721_XS_Stefan_Yang-300x225.jpeg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_46948721_XS_Stefan_Yang.jpeg 400w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/strong>Der Bundeshaushalt 2016 steht voraussichtlich<br \/>\nvor einem Milliarden\u00fcberschuss. Und schon<br \/>\ngibt es Stimmen, die Steuersenkungen fordern.<br \/>\nGanz falsch! Richtig w\u00e4re es, die Schulden<br \/>\ndes Staates zu senken. Tilgen! Jetzt!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWenn nicht jetzt, wann dann? Aber Schulden scheinen gar keine Rolle zu spielen.<br \/>\nDie Leitmedien bringen das Thema \u201eSteuern runter\u201c gro\u00df heraus, zum Beispiel im Spiegel<sup>1<\/sup> und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung<sup>2<\/sup> bringt die Sache ausf\u00fchrlich, sogar auf der Titelseite. Demnach haben Bund, L\u00e4nder, Gemeinden und Sozialversicherungen laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2016 einen \u00dcberschuss von 18,5 Milliarden Euro erzielt. Und sofort sprechen sich alle f\u00fcr \u201eEntlastungen\u201c aus \u2013 der Oberschicht, der Mittelschicht oder der Unterschicht. Die einen wollen eine h\u00f6here Schwelle f\u00fcr den Spitzensteuersatz, andere eine Entlastung von Familien und Geringverdienern. Nur die Worte \u201etilgen\u201c oder \u201er\u00fcckzahlen\u201c kommen nicht vor.<\/p>\n<p>Damit hat sich die Politik perfekt im sogenannten Halb-Keynes eingerichtet. Der der ganze Keynes sah vor, vereinfacht gesagt, mit einer Politik des Deficit Spending<sup>3<\/sup> staatlicherseits in Wirtschaftskrisen Schulden aufzunehmen und damit die Konjunktur wieder anzukurbeln. Heute ignoriert die Politik, die zweite H\u00e4lfte der Keynes-Idee: Das Defizit sollte durch Haushalts\u00fcbersch\u00fcsse in guten Zeiten wieder ausgeglichen werden. Haushalts\u00fcbersch\u00fcsse?<\/p>\n<p>In schlechten Zeiten Kredite aufnehmen, in guten Zeiten nichts zur\u00fcckbezahlen \u2013 dieser Halb-Keynes hat sich weltweit durchgesetzt mit der logischen Konsequenz f\u00fcr die Staatsschuld. Die deutsche Staatsschuld<sup>4<\/sup> belief sich am 1. September 2016 auf rund 2260 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>In anderen L\u00e4ndern sieht es noch viel schlimmer aus, wobei nicht Griechenland oder Italien das Problem sind, sondern die USA. Der Pr\u00e4sidentschaftskandidat<sup>5<\/sup> und Universit\u00e4tsprofessor Laurence Kotlikoff sagt, die Verschuldung der USA betrage nicht, wie offiziell angegeben,<br \/>\n18 Billionen, sondern 199 Billionen US-Dollar (entspricht ungef\u00e4hr 1100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und liegt damit etwas \u00fcber der \u201eMastricht-Grenze\u201c von 60 Prozent).<br \/>\nDer Schuldenberg wachse jedes Jahr um 5 Billionen, welche die Kinder und Kindeskinder belasten. Ob der Professor R\u00fcckzahlungen oder Tilgungen plant, steht vielleicht in seinem 157 Seiten umfassenden Wahlprogramm, im entsprechenden FAZ-Artikel<sup>6<\/sup> ist davon jedoch keine Rede.<\/p>\n<p>Diese Tilgungs- und R\u00fcckzahlungsverweigerung ist Ausdruck einer allgemeinen Gleichg\u00fcltigkeit in Sachen Zukunft, die sich am treffendsten in dem Ausspruch \u201eNach uns die Sintflut\u201c widerspiegelt. Diese \u201eJetzt-alles-sofort-Mentalit\u00e4t\u201c ist besonders deutlich an unserem Umweltverhalten zu sehen. Eigentlich ist dem Mainstream die Umwelt v\u00f6llig egal.<br \/>\nHauptsache, Wachstum. J\u00fcngstes Beispiel sind die Kaffeekapseln, die durch ihren immensen Rohstoffverbrauch und ihr unglaublich schlechtes Verh\u00e4ltnis von Inhalt (6-7 Gramm Kaffee) zu Verpackung (2-3 Gramm). Bei einer 500 Gramm-Packung sind es rund 15 Gramm Verpackung. Aber: Angebot, Verbrauch und Marktanteil des Kapselkaffees nehmen immer weiter zu, obwohl die desastr\u00f6se Umweltbilanz niemandem mehr verborgen ist<sup>7<\/sup>. Spinnt man den Faden weiter zu Klimawandel und Klimaerw\u00e4rmung, einschlie\u00dflich des Anstiegs des Meeresspiegels, bekommt der Spruch \u201eNach uns die Sintflut\u201c eine spannende Bedeutung.<\/p>\n<p>\u201eNach uns die Sintflut\u201c gilt auch f\u00fcr den Bundeshaushalt 2016. Die Posten \u201eBundesschuld\u201c und \u201eAllgemeine Finanzverwaltung\u201c umfassen 40,1 Mrd. Euro, bzw. 12,7 Prozent<sup>8<\/sup>. Hinzu kommt ein Zuschuss zur Rentenversicherung, der bald 100 Mrd. Euro \u00fcbersteigt. Von Tilgung keine Spur, jedenfalls nicht merklich, da der Schuldenstand weiter zunimmt, n\u00e4mlich um rund 1500 Euro pro Sekunde.<\/p>\n<p>Tilgung w\u00e4re allerdings eine gewaltige Aufgabe, die sich weit in die Zukunft erstreckt. Angenommen, man wollte mit dem \u00dcberschuss dieses Jahres (18,5 Mrd. Euro) beginnen und jedes Jahr diesen Betrag zur\u00fcckzahlen, w\u00fcrde das bei einem Schuldenstand von 2260 Mrd. Euro rund 123 Jahre dauern. also bis zum Jahre 2239. Nat\u00fcrlich d\u00fcrften die nachfolgenden f\u00fcnf Generationen gar keine Schulden aufnehmen, was immer auch passiert. Da kann man auch fragen, mit welchem Recht die jetzigen Generationen diese Schulden aufgeh\u00e4uft haben.<\/p>\n<p>Aber das durchschauen nur wenige. Einer davon ist der Karikaturist Horst Haitzinger. Er stellt das \u201eBillionen-Schulden-Loch\u201c bildlich dar, darin der deutsche Michel mit dem Finanzminister und einem kleinen Geldsack, worin sich der diesj\u00e4hrige \u00dcberschuss befindet<sup>9<\/sup>.<br \/>\nNa dann, zahlt mal sch\u00f6n brav zur\u00fcck.<br \/>\n1 Titelstory DER SPIEGEL Heft 34\/2016, Titelstory \u201eSteuern runter!\u201c<\/p>\n<p>2 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. und 26.08.2016<\/p>\n<p>3 https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deficit_spending<\/p>\n<p>4 staatsschuldenuhr.de<\/p>\n<p>5 Das amerikanische Wahlrecht sieht nicht nur die beiden Spitzenkandidaten vor. Nach einer \u00dcberpr\u00fcfung durch die Beh\u00f6rden kann sich jeder auf eine Kandidatenliste setzen lassen und ist somit w\u00e4hlbar. Kotlikoff ist einer der ernst zu nehmenden Kandidaten, der zumindest in \u00f6konomisch gebildeten Kreisen ein betr\u00e4chtliches Ansehen zu genie\u00dfen scheint.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kotlikoff2016.com\">https:\/\/kotlikoff2016.com<\/a><\/p>\n<p>6 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2016<\/p>\n<p>7 S\u00fcdwest Presse, 26. August 2016<\/p>\n<p>8 <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Bilder\/Bildstrecken\/Mediathek\/Infografiken\/Bundeshaushalt\/2016\/bundeshaushalt-2016-ausgaben-nach-einzelplaenen.jpg?__blob=normal&amp;v=2\">http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Bilder\/Bildstrecken\/Mediathek\/Infografiken\/Bundeshaushalt\/2016\/bundeshaushalt-2016-ausgaben-nach-einzelplaenen.jpg?__blob=normal&amp;v=2<\/a><\/p>\n<p>9 S\u00fcdwest Presse, 26. August 2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>P.S.: Gr\u00fcn-Schwarz zahlt Altschulden ab: Erstmals seit Gr\u00fcndung des Landes Baden-W\u00fcrttemberg im Jahr 1952 ist eine Landesregierung willens, Schulden zu tilgen.<br \/>\n(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2017)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/brennpunkte_nt\/article171841985\/Schuldenuhr-laeuft-jetzt-rueckwaerts.html\">Schuldenuhr l\u00e4uft jetzt r\u00fcckw\u00e4rts<\/a><br \/>\n(welt.de, 22.12.2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundeshaushalt 2016 steht voraussichtlich vor einem Milliarden\u00fcberschuss. Und schon gibt es Stimmen, die Steuersenkungen fordern. Ganz falsch! Richtig w\u00e4re es, die Schulden des Staates zu senken. Tilgen! 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