{"id":536,"date":"2016-09-28T09:55:28","date_gmt":"2016-09-28T07:55:28","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=536"},"modified":"2016-11-07T12:18:35","modified_gmt":"2016-11-07T10:18:35","slug":"das-produktivitaetsraetsel-endlich-geloest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=536","title":{"rendered":"Das Produktivit\u00e4tsr\u00e4tsel \u2013 endlich gel\u00f6st!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-539 alignleft\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_119307712_XS_Gstudio-Group_gespiegelt-150x150.jpg\" alt=\"city under construction cityscape background icon vector illustration design\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_119307712_XS_Gstudio-Group_gespiegelt-150x150.jpg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_119307712_XS_Gstudio-Group_gespiegelt-300x300.jpg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Fotolia_119307712_XS_Gstudio-Group_gespiegelt.jpg 346w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>Die Arbeitsproduktivit\u00e4t steigt<br \/>\nfast gar nicht mehr.<br \/>\nVielen \u00d6konomen ist das ein R\u00e4tsel.<br \/>\nAber: Hier kommt jetzt die L\u00f6sung!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDes R\u00e4tsels L\u00f6sung hei\u00dft \u201eMensch\u201c. Der Leistungsf\u00e4higkeit des Menschen sind nat\u00fcrliche Grenzen gesetzt. Ich gebe dazu gerne ein einfaches Beispiel.<br \/>\nStellen Sie sich einen Bauarbeiter vor. Dieser muss mit einer Schubkarre Sand von Punkt A nach Punkt B transportieren. Je nachdem wie gro\u00df die Entfernung zwischen A und B ist, schafft er in einer bestimmten Zeit, die Sandmenge X. Punkt.<\/p>\n<p>So errechnet sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t, Ausbringungsmenge (Sand) geteilt durch eingesetzte Arbeitszeit<sup>1<\/sup>. Nat\u00fcrlich kann der Baustellenbetreiber versuchen, die Arbeitsproduktivit\u00e4t zu erh\u00f6hen. Er kann den Arbeiter dazu anhalten, schneller zu gehen. Oder einfache technische Ma\u00dfnahmen ergreifen: eine gr\u00f6\u00dfere Schaufel, eine bessere Schubkarre.<br \/>\nIch erinnere mich an den Bauernhof meines Gro\u00dfvaters. Da gab es eine Schubkarre mit einem eisenbeschlagenen Holzrad. Gummir\u00e4der sind nat\u00fcrlich flotter. Dennoch kann man sagen,<br \/>\ndass die mechanische Schubkarre mittlerweile als ausgereift gilt. Mit einer Motorisierung w\u00e4re mehr m\u00f6glich, dann ist es aber keine Schubkarre mehr. Und auch die Motorisierung hat Grenzen.<br \/>\nMehr versprechend sind organisatorische Ma\u00dfnahmen wie die Reduzierung der Entfernung zwischen A und B. Und so weiter und so fort aber all dem sind Grenzen gesetzt. Irgendwann kann der Arbeiter nicht mehr, nicht schneller und nicht schwerer. Punkt.<\/p>\n<p>Das ist bis hierhin relativ einfach. Aus dieser Banalit\u00e4t hat nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung<sup>2<\/sup> ein R\u00e4tsel gemacht. In dem Artikel hei\u00dft es, dass viele \u00d6konomen nicht verstehen, warum die Produktivit\u00e4t nicht mehr w\u00e4chst. Sie r\u00e4tseln, ob die Statistiken falsch seien. Demnach kann es sich keiner erkl\u00e4ren, warum die Arbeitsproduktivit\u00e4t in den USA sogar sinkt, und auch in Europa quasi nicht mehr w\u00e4chst. Viele halten das f\u00fcr beunruhigend, weil das Wachstum der Produktivit\u00e4t angeblich der Weg zum Wohlstand sei.<br \/>\nOb das nun richtig oder falsch ist: Wir m\u00fcssen uns damit abfinden und hinnehmen, dass das Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t bzw. der Produktivit\u00e4t insgesamt (Maschinen- und Materialproduktivit\u00e4t) Grenzen hat. Denn vom Produktivit\u00e4tsstillstand werden k\u00fcnftig immer mehr Bereiche betroffen sein.<\/p>\n<p>Nehmen wir mal die Logistik, denn ein Lkw ist ja nichts anderes als eine gro\u00dfe Schubkarre. Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme und gleichzeitig Produktivit\u00e4tspotenziale ist die Auslastung. Der Laster f\u00e4hrt idealerweise voll beladen von A nach B und leer wieder zur\u00fcck. Es gibt zahlreiche Versuche, dieses Problem organisatorisch, haupts\u00e4chlich softwareseitig und mit Internetplattformen, zu l\u00f6sen. Angenommen, es gel\u00e4nge, die Auslastung auf 100 Prozent zu erh\u00f6hen, das hei\u00dft, der Laster f\u00e4hrt von A nach B und von B nach A (oder C) wieder voll beladen. Dennoch gibt es Grenzen, von denen an die Produktivit\u00e4t nicht mehr zu steigern ist. Gr\u00f6\u00dfe, Gewicht \u2013 da gibt es gesetzliche Beschr\u00e4nkungen (18,75 Meter lang, 40 Tonnen schwer). Wobei die Spediteure schon seit langem versuchen, Gro\u00df-Lkw, sogenannte Gigaliner<sup>3<\/sup> mit 60 Tonnen Gewicht und 25,25 Meter L\u00e4nge durchzusetzen. Das ist noch in der Testphase.<\/p>\n<p>Definitiv sind auch hier die Grenzen fahrerseits. Es gibt Lenk- und Ruhezeiten. Daher arbeiten Lkw-Hersteller und Spediteure mit Vehemenz am fahrerlosen Lkw. Ein Bericht \u00fcber die diesj\u00e4hrige IAA Nutzfahrzeuge in Hannover trug den Titel<sup>4<\/sup> \u201eTrucker bitte aussteigen\u201c.<br \/>\nDas ist die Tendenz.<\/p>\n<p>Vermutlich sind auch was die Auslastung und Belastung von Stra\u00dfen betrifft,<br \/>\nl\u00e4ngst Grenzen erreicht.<\/p>\n<p>Dass sich dies nun insgesamt auf die gesamte Volkswirtschaft auswirkt, USA und Europa, liegt auch am Wandel von der Agrar- zur Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft.<br \/>\nAllen Arbeiten, Dienstleistungen inklusive, die Menschen erbringen, sind durch deren nat\u00fcrlicher, variierender pers\u00f6nlicher Leistungsf\u00e4higkeit Grenzen gesetzt. Beispiele?<br \/>\nDer Postbote schafft eine bestimme Anzahl von Briefen und Paketen in einem Bezirk.<br \/>\nDer Journalist eine bestimmte Anzahl von Zeichen, je nach Rechercheaufwand.<br \/>\nDer Koch eine bestimmt Anzahl von Mahlzeiten.<br \/>\nWas ein Programmierer schafft, wei\u00df ich nicht. Programmierzeilen?<br \/>\nEbenso wenig was ein Krankenpfleger schafft. In dem genannten FAZ-Artikel hei\u00dft es, in den USA sei die Arbeitsproduktivit\u00e4t von den 1950-Jahren bis heute um 330 Prozent gewachsen. Ich bezweifle, dass zum Beispiel ein Krankenpfleger damals die Menge x Patienten, heute die Menge x mal 3,3 und in weiteren siebzig Jahren 3,3x mal 3,3 Patienten schafft.<br \/>\nOder ich will nicht Patient sein.<br \/>\nIst es \u00fcberhaupt sinnvoll, hier mit Produktivit\u00e4tskennzahlen zu rechnen?<br \/>\nEs gibt weitere Bereiche, wo das zweifelhaft ist.<br \/>\nBei einer Polizistin. (Zahl der Verhaftungen?)<br \/>\nBei einem Pfarrer. (L\u00e4nge der Predigt?)<br \/>\nBei einem Bestatter. (Tiefe der Grube?)<\/p>\n<p>Wenn wir uns von der Arbeitsproduktivit\u00e4t ab- und der Material- und vor allem der Maschinenproduktivit\u00e4t zu. Hier gibt es immer wieder technische Ma\u00dfnahmen, um die eingesetzten Maschinenstunden bzw. die Materialmenge zu reduzieren. Vor allem in der Industrie. Aber es gibt auch hier Grenzen. Sicher ist die menschliche Innovationskraft unbegrenzt. Die gro\u00dfen Erfindungen, Dampfmaschine, Computer, Internet, sind jedoch singul\u00e4re Ereignisse. Wir d\u00fcrfen uns nicht darauf verlassen, dass uns immer wieder etwas Gro\u00dfes, Neues einf\u00e4llt, welches unser Dasein revolutioniert. Vielleicht auf viele kleine Verbesserungen, die sich aber auch in niedrigeren Produktivit\u00e4tskennziffern niederschlagen. Daran ist nichts R\u00e4tselhaftes.<\/p>\n<p>Am Rande bemerkt: Die gr\u00f6\u00dften Produktivit\u00e4tsfortschritte in den vergangenen hundert Jahren erzielte man vermutlich in der Landwirtschaft. Mit Traktoren \u00fcber 500 PS und M\u00e4hdreschern, die eine Schnittbreite von zw\u00f6lf Metern haben, ist vermutlich auch hier die Grenze erreicht, von der an es mit kleineren Schritten weiter geht.<br \/>\nKleinere Schritte sind auch in Industriebetrieben angesagt. Hier hat das Produktivit\u00e4tswachstum die Volkswirtschaften nach oben gerissen. In einer mannm\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Organisation gibt es mehr Verbesserungspotenzial als im Einmannbetrieb. Schon weil mehr Menschen in der Regel \u00fcber Verbesserungen nachdenken. Hier besteht aber die Gefahr, dass man Arbeitspl\u00e4tze wegrationalisiert und \u00fcberhaupt: auch hier Grenzen<sup>5<\/sup>.<\/p>\n<p>Anstatt zu r\u00e4tseln, warum also die Arbeitsproduktivit\u00e4t gar nicht mehr oder nur langsam w\u00e4chst, sollten sich die \u00d6konomen (mich eingeschlossen) \u00fcberlegen, wie wir den Wohlstand dennoch bzw. gerade deshalb erhalten.<br \/>\nDas ist das R\u00e4tsel. Das ist die Herausforderung.<\/p>\n<p>1 Arbeitsproduktivit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Produktivit%C3%A4t\">Wikipedia<\/a><br \/>\noder allgemeiner nach W\u00f6he (Einf\u00fchrung in die Allgemeine<br \/>\nBetriebswirtschaftslehre): Wirtschaftlichkeit = Ertrag dividiert<br \/>\ndurch Aufwand<br \/>\n2 FAZ, 8.09.2016: \u201eDas Produktivit\u00e4ts-R\u00e4tsel\u201c<br \/>\n3 sueddeutsche.de: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/auto\/riesen-lkw-gross-groesser-gigaliner-1.2578106\">Gro\u00df, gr\u00f6\u00dfer, Gigaliner<\/a><br \/>\n4 spiegel.de: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/iaa-nutzfahrzeuge-autonome-lkw-machen-fahrer-ueberfluessig-a-1112893.html\">Trucker bitte aussteigen<br \/>\n<\/a>5 zabota.de: <a href=\"http:\/\/zabota.de\/?p=138#more-138\">\u201eSo stirbt die Marktwirtschaft\/Wachstum und Produktivit\u00e4t\u201c<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitsproduktivit\u00e4t steigt fast gar nicht mehr. 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