{"id":596,"date":"2017-09-28T10:48:34","date_gmt":"2017-09-28T08:48:34","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=596"},"modified":"2017-09-28T11:36:42","modified_gmt":"2017-09-28T09:36:42","slug":"wut-angst-frust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=596","title":{"rendered":"Wut \u2013 Angst \u2013 Frust"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-620\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-150x79.jpeg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"79\" srcset=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-150x79.jpeg 150w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-300x158.jpeg 300w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-768x403.jpeg 768w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-350x184.jpeg 350w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf-724x380.jpeg 724w, http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Fotolia_61794464_S-stockphoto-graf.jpeg 847w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>Was ist da los? Es geht doch<br \/>\nallen gut \u2013 fast allen. Oder?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wut \u2013 Angst \u2013 Frust \u2013 die Schlagzeile fand sich in der Woche vor der Bundestagswahl 2017 nicht sonstwo im hatespeechverseuchten Netz, sondern auf der Titelseite Deutschlands seri\u00f6sester Wochenzeitung \u2013 die Zeit<sup>1<\/sup>.<br \/>\nVerbunden mit der Frage, warum das Land eher nach rechts als nach links r\u00fcckt.<br \/>\nEs r\u00fcckte nach rechts. 13,0 Prozent im Bundesdurchschnitt, mancherorts tats\u00e4chlich 37,4 Prozent.<\/p>\n<p>Warum?<br \/>\nWarum Wut, Angst und Frust und warum herrscht \u201everbreitet depressive Stimmung\u201c<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p>Und das bei einer richtig guten Wirtschaftslage, um das mal auf die Wirtschaft zu reduzieren.<br \/>\nAber auf diesem Feld zeigt sich, was wirklich Depression ist: The Great Depression, die gro\u00dfe Weltwirtschaftskrise, f\u00fchrte in den USA zu einer Arbeitslosenquote von 25 Prozent und einem R\u00fcckgang der Durchschnittsl\u00f6hne von 60 Prozent. In Deutschland \u00c4hnliches, wenn nicht, mit einer Hyperinflation, sogar noch Schlimmeres.<br \/>\nDavon sind wir heute weit, weit entfernt.<br \/>\nWir genie\u00dfen Frieden. Krieg ist nicht in Sicht.<br \/>\nWir sind \u00fcberwiegend gesund. Cholera und \u00e4hnliches betrifft uns nicht.<br \/>\nWir kommen katastrophenm\u00e4\u00dfig gut weg. Jedenfalls treffen uns keine solchen St\u00fcrme und Erdbeben.<br \/>\nWir sind reich.<br \/>\nOha, jetzt kommt\u2019s.<br \/>\nManche meinen, sie seien \u201ezu kurz gekommen\u201c. Klar, reich sind nicht alle. Oder doch?<br \/>\nEs gibt zwar nichts Relativeres und Umstritteneres als die Begriffe \u201ereich\u201c und \u201earm\u201c, aber vielleicht einigen wir uns doch darauf, dass es uns im Gro\u00dfen und Ganzen besser geht als den Menschen in der Zentralafrikanischen Republik und in den meisten L\u00e4ndern dieser Welt<sup>3<\/sup>.<\/p>\n<p>Wo ist dann unser gro\u00dfes Problem, das zu Wut, Angst und Frust f\u00fchrt?<\/p>\n<p>Das Problem hei\u00dft: Neid.<\/p>\n<p>Neid ist etwas grunds\u00e4tzlich Unsch\u00f6nes, eine ziemlich negative Emotion. Jeder ist neidisch, aber keiner will es sein. Daher eignet sich der Vorwurf, \u201eSie sind ja nur neidisch\u201c prima als Waffe<sup>4<\/sup>. Es hei\u00dft, Neid sei das b\u00f6se Wort, das die Reichen f\u00fcr den Gerechtigkeitssinn der Armen verwenden<sup>5<\/sup>.<\/p>\n<p>Allgemein gilt Neid im christlich-abendl\u00e4ndischen Verst\u00e4ndnis als Laster, wobei man genau genommen zwischen konstruktivem und destruktivem Neid unterscheiden muss<sup>6<\/sup>. Neid bezieht sich meist auf Einkommen und Besitz, also \u00f6konomische Kategorien. Doch das Wirtschaftsleben ist mitunter recht kompliziert. Daher resultiert Neid oft aus Unverst\u00e4ndnis. Steht schon in der Bibel<sup>7<\/sup>. Das Matth\u00e4us-Evangelium erz\u00e4hlt die Geschichte vom Besitzer eines Weinbergs, der Arbeiter suchte<sup>8<\/sup>. Morgens fand er Tagel\u00f6hner, mittags stellte er weitere ein und abends nochmal. Am Ende erhielten alle denselben Lohn \u2013 und zwar den vereinbarten. Dennoch griffen bei denen, die schon morgens schufteten, Wut und Frust um sich. Neidisch? Fragt der Gutsbesitzer. Und er sagt richtig: Euch ist kein Unrecht geschehen. Dennoch wird hier unser Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit ziemlich strapaziert. Martin Schulz w\u00fcrde sagen: \u201eEs ist Zeit f\u00fcr Gerechtigkeit.\u201c<br \/>\nDamit liegt er hier falsch, alles ging mit rechten Dingen und gerecht zu. Kein Unrecht, obwohl, \u00f6konomisch betrachtet, der Stundenlohn der Fr\u00fchaufsteher niedriger ist als der Sp\u00e4taufsteher. Das ist, zugegeben, schwer zu schlucken.<\/p>\n<p>Daher ist Neid teilweise verst\u00e4ndlich.<br \/>\nVerst\u00e4ndlich ist der Neid desjenigen, der <u>nichts<\/u> hat, auf denjenigen, der <u>extrem viel<\/u> hat. Verst\u00e4ndlich ist hier auch der manchmal k\u00e4mpferische, politische Wille, hieran etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Nur: Das ist nicht die Situation in unserem Land!<\/p>\n<p>Die meisten von uns haben nicht nichts, sondern sind eher relativ reich als relativ arm.<br \/>\nUnd das ist das Erstaunliche am Neid: Er gedeiht au\u00dferordentlich pr\u00e4chtig auf hohem und h\u00f6chsten Niveau. Plump vereinfacht: Der Million\u00e4r ist auf den Milliard\u00e4r neidisch. Da zeigt sich, warum manche meinen, Neid sei das D\u00fcmmste aller Laster und Emotionen. Nicht einmal Spa\u00df hat man dabei, im Gegensatz zu anderen Lastern.<br \/>\nNeid ist auch beliebig skalierbar, wie Rolf Dobelli so sch\u00f6n erkl\u00e4rt<sup>9<\/sup>. Der Tellerw\u00e4scher ist auf die gr\u00f6\u00dfere H\u00fctte seines Nachbarn neidisch, sp\u00e4ter als Million\u00e4r ist er dann auf die gr\u00f6\u00dfere Villa des Nachbarn neidisch.<br \/>\nEigentlich m\u00fcsste er sich freuen, dass er es von der H\u00fctte zur Villa gebracht hat.<\/p>\n<p>Es gibt hierzu ein interessantes soziologisches Experiment. Jeweils einem aus einer Gruppe von Teilnehmern wird folgendes Angebot gemacht:<br \/>\nEntweder er bekommt 100 Euro und alle anderen Teilnehmer 50 Euro,<br \/>\noder er bekommt 200 Euro, alle anderen 400 Euro.<br \/>\nDie meisten entscheiden sich f\u00fcr die 100 Euro, obwohl sie auch das Doppelte w\u00fcrden haben k\u00f6nnen. Aber anscheinend ist das Gef\u00fchl, dass andere relativ mehr haben unertr\u00e4glicher, als der pers\u00f6nliche absolute Vorteil.<\/p>\n<p>So ist der Mensch: Statt Fr\u00f6hlichkeit dar\u00fcber, dass er viel bzw. genug hat, empfindet er Wut, weil andere mehr haben. Angst er k\u00f6nne etwas verlieren. Frust, wenn scheinbar nur die anderen gewinnen.<br \/>\nWut, Angst, Frust.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Die Zeit <a href=\"https:\/\/premium.zeit.de\/aktuelle-zeit?wt_zmc=cross.int.zonpme.zeitde.printbox.ausgseite.bildtext.cover.cover&amp;utm_medium=cross&amp;utm_source=zeitde_zonpme_int&amp;utm_campaign=printbox&amp;utm_content=ausgseite_bildtext_cover_cover\">38\/2017<\/a><\/p>\n<p>2 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2017: \u201eAdieu Heimat-Partei\u201c<\/p>\n<p>3 Wer sich \u00fcber den Wohlstand der Nationen informieren will, gehe zum Human Development Index (HDI).<br \/>\nAllgemeines bei den <a href=\"http:\/\/hdr.undp.org\/en\/content\/human-development-index-hdi\">Vereinten Nationen<\/a>.<br \/>\nIn Deutsch und die Liste dazu bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Index_der_menschlichen_Entwicklung\">Wiki<\/a> unter \u201eIndex der menschlichen Entwicklung\u201c.<br \/>\nDeutschland steht 2016 auf Platz vier.<br \/>\nZum Wesen des Neides geh\u00f6rt es auch, dass man sich immer mit seiner n\u00e4heren Umgebung vergleicht, das hei\u00dft, meist mit dem Nachbarn.<br \/>\nNachbar Frankreich, wo Gott selbst sich niederlassen w\u00fcrde, steht auf der HDI-Liste auf Platz 21, Nachbar Polen auf Platz 36.<br \/>\nGod\u2019s Own Country auf Platz 10.<\/p>\n<p>4 Immer wenn (relativ) hohe Geh\u00e4lter zur Diskussion stehen, wie j\u00fcngst die 319.920 Euro (2015) des Chefs einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalt, kommt, an Stelle einer Rechtfertigung, der Vorwurf, die anderen seien doch nur \u201eneidisch\u201c.<\/p>\n<p>5 siehe Wikipedia-Eintrag \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neid\">Neid<\/a>\u201c<\/p>\n<p>6 siehe Wikipedia-Eintrag \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laster\">Laster<\/a>\u201c<\/p>\n<p>7 Matth\u00e4us 20, 1-16<\/p>\n<p>8 Gelesen in allen katholischen Kirchen Deutschlands am Wahlsonntag 2017 \u2013 Zufall?<\/p>\n<p>9 Rolf Dobelli, Die Kunst des klugen Handelns, Hanser Verlag, M\u00fcnchen, 2012, Seite 153 ff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist da los? 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