{"id":710,"date":"2018-10-20T20:26:17","date_gmt":"2018-10-20T18:26:17","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=710"},"modified":"2018-10-20T20:26:17","modified_gmt":"2018-10-20T18:26:17","slug":"der-wert-des-waldes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=710","title":{"rendered":"Der Wert des Waldes&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-712\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/P1040054-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/strong>\u2026 ist schwer zu beziffern. Doch da m\u00fcssen wir durch.<br \/>\nDurch einen \u201eFast-Urwald\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tief im Rammert gibt es einen Bannwald. Der Rammert ist ein etwa 7500 Hektar gro\u00dfes Waldgebiet s\u00fcdwestlich von T\u00fcbingen. Ein Bannwald ist in der Regel ein Waldst\u00fcck, das nicht mehr bewirtschaftet wird. Hier soll sich \u201eUrwald von morgen\u201c entwickeln, wie es auf einem Hinweisschild hei\u00dft, hier soll sich Natur frei entfalten k\u00f6nnen \u2013 meistens wissenschaftlich begleitet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-715 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/P1040073-e1540059881938-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Dass dieser Bannwald mit dem sch\u00f6nen Namen \u201eG\u00f6ggenw\u00e4ldleshalde\u201c \u201etief\u201c im Rammert liegt, hat ebenfalls seinen Grund. Auf dem Schild hei\u00dft es: \u201eBeachten Sie: Im Bannwald ist die Gefahr durch herabfallende \u00c4ste und umst\u00fcrzende B\u00e4ume besonders gro\u00df.\u201c Da der Waldeigent\u00fcmer, in diesem Fall die Stadt Rottenburg am Neckar, eine Verkehrssicherungspflicht hat, ist es gut, wenn die umst\u00fcrzenden B\u00e4ume m\u00f6glichst wenige Wanderer erschlagen. Es empfiehlt sich, so ein Projekt fernab von frequentierten Wanderwegen, Stra\u00dfen oder Parkpl\u00e4tzen durchzuziehen.<\/p>\n<p>Aber: Jeder darf den Bannwald frei betreten. Dann ist tats\u00e4chlich der erste Eindruck, im Bannwald herrsche ein wildes Durcheinander umgest\u00fcrzter B\u00e4ume (weswegen wohl das Motto des Nationalparks Schwarzwald \u201eEine Spur wilder\u201c hei\u00dft). Das geh\u00f6rt so. Gebiete mit reichlich Totholz, wie die Forstwissenschaft das nennt, sind von gro\u00dfem Artenreichtum gekennzeichnet, \u00f6kologisch besonders wertvoll und f\u00fcr den Erhalt der Biodiversit\u00e4t enorm wichtig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-711 alignright\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/P1040049-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Also ist so ein naturbelassener Wald ein Wert an sich, der in Euro und Cent gar nicht fassbar ist. Es gibt einen Grund, es dennoch zu versuchen, doch dazu sp\u00e4ter. Klar ist, dass der Wert des Waldes als reiner Geldbetrag sich entweder an einem Marktpreis orientiert, gesetzt den Fall, er k\u00e4me zum Verkauf, oder an den Kosten des Nutzungsverzichts. Das hei\u00dft, in der Regel will der Waldbesitzer ja einen Ertrag aus dem Holzverkauf, auf den er Bannwald verzichtet.<\/p>\n<p>Unser Bannwald G\u00f6ggenw\u00e4ldleshalde hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 26 Hektar. Ohne das jetzt kleinreden zu wollen, diese 26 Hektar sind ein \u00f6kologisches und \u00e4sthetisches Kleinod, aber im Vergleich eben doch eher klein. Der Nationalpark Schwarzwald umfasst etwas \u00fcber 10.000 Hektar, der im Bayerischen Wald gut 24.000 Hektar, das sind 100 bzw. 240 Quadratkilometer. Und zum weiteren Vergleich: Der Yosemite-Nationalpark in den USA umfasst \u00fcber 3000, der Yasuni-Nationalpark in Ecuador \u00fcber 10.000 Quadratkilometer.<\/p>\n<p>Nun sehen die Kosten der Nichtnutzung einer Waldfl\u00e4che hierzulande in etwa so aus: Fl\u00e4che x Ertrag in fm\/Fl\u00e4che x Preis\/fm. Angenommen, ein Hektar w\u00fcrde acht Festmeter Nadelholz pro Jahr abwerfen, und angenommen der Preis l\u00e4ge bei rund 70 Euro\/Festmeter nach Abzug der R\u00fcckekosten, dann verzichtet der Waldbesitzer rein pekuni\u00e4r betrachtet auf 560 Euro pro Hektar im Jahr.<\/p>\n<p>Einen Hektar Waldes unter Schutz zu stellen \u201ekostet\u201c j\u00e4hrlich also \u00fcber den Daumen gepeilt <u>560 Euro<\/u> \u2013 was nat\u00fcrlich nicht der wahre Wert des Waldes ist, weder f\u00fcr den Waldbesitzer noch f\u00fcr die Allgemeinheit. Ganz kurz: Wald dient dem Naturschutz, der Erholung, sorgt f\u00fcr sauberes Wasser, sch\u00fctzt vor Hochwasser, Lawinen und Erosion. Ganz wichtig: Der Wald sorgt f\u00fcr ein gutes Klima, lokal mit einfach guter Luft und global als CO<sub>2<\/sub>-Senke. Darunter versteht man die F\u00e4higkeit, CO<sub>2<\/sub> zu binden, also eben den Stoff zu neutralisieren, von dem wir Menschen katastrophal viel produzieren.<\/p>\n<p>Ein ganz wichtiger CO<sub>2<\/sub>-Speicher f\u00fcr die gesamte Menschheit ist der tropische Regenwald. Zum Beispiel in S\u00fcdamerika. Der Yasuni-Nationalpark in Ecuador wurde hier schon genannt. Aus gutem Grund. Der Nationalpark ist ein \u00f6kologisch sehr wertvolles UN-Biosph\u00e4renreservat mit 4000 Pflanzen- und 570 Vogelarten. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Arten pro Hektar als hier. Doch ausgerechnet unter diesem Wald wurde ein gro\u00dfes Erd\u00f6lfeld entdeckt. Nun hat der damalige Pr\u00e4sident Ecuadors, Rafael Correa der Weltgemeinschaft vorgeschlagen, sein Land verzichte auf die Einnahmen aus dem Erd\u00f6lverkauf und erhalte den Wald, wenn es daf\u00fcr die H\u00e4lfte der potenziellen Einnahmen erstattet bekomme. Er forderte 350 Millionen Dollar, heute gut 300 Millionen Euro, sozusagen f\u00fcr den Schutz des Waldes. Eine berechtigte Forderung, denn es ist eine antiquiert-kolonialistische Ansicht, die Regenwaldanrainer sollten aus Klimaschutzgr\u00fcnden ihren Wald erhalten, w\u00e4hrend wir in der sogenannten entwickelten Welt den Gro\u00dfteil der klimasch\u00e4dlichen Emissionen verursachen und dazu noch jeden Quadrarmeter Waldes bei uns ganz selbstverst\u00e4ndlich nutzen wollen. Warum sollte also Ecuador seine eigenen Interessen fallen lassen, die Armut (mit Einnahmen aus \u00d6lverkauf) zu verringern, nur um f\u00fcr die Welt das Klima zu retten, fragte Tim Niendorf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Und 300 Millionen Euro? Ein Schn\u00e4ppchen, zumal auf Deutschland nur 50 Millionen Euro entfielen (also ein Sechstel, f\u00fcnf Sechstel entfallen auf andere Industrienationen), die der Deutsche Bundestag auch in Aussicht gestellt hat.<\/p>\n<p>50 Millionen j\u00e4hrlich \u2013 ein Schn\u00e4ppchen? Nun, vergleichen wir die Yasuni-Kosten mit dem Bannwald im Rammert. Yasuni hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 10.000 Quadratkilometern, das w\u00e4ren dann 5000 Euro pro Quadratkilometer, <u>50 Euro<\/u> \u201eSchutzgeld\u201c pro Hektar.<\/p>\n<p>Der Schutz des Yasuni-Regenwaldes k\u00e4me demnach vergleichsweise billig. Doch es kam dann so: Der damalige FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel verweigerte sich der Yasuni-Initiative strikt. Nun flie\u00dft das \u00d6l (nach China) mit allen Folgen f\u00fcr das Klima und das empfindliche \u00d6kosystem des ecuadorianischen Urwaldes.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-714\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/P1040059-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Freilich hinkt der Vergleich zwischen Yasuni und G\u00f6ggenw\u00e4ldleshalde allein wegen der Gr\u00f6\u00dfe. \u00d6kologisch wertvoll sind beide Waldgebiete. Ein Besuch lohnt sich auch im Rammert. M\u00e4chtige Buchen und Eichen empfangen den Wanderer, trockene Ebenen und feuchte Senken, wo der seltene Winterschachtelhalm, der frisches, quelliges Wasser braucht, w\u00e4chst, wechseln sich ab. Die Tannen, die hier zwar eigentlich nicht heimisch sind, aber schon vor langer Zeit gesetzt wurden, z\u00e4hlen zu den h\u00f6chsten in Deutschland. Und ganz unten im Tal des Baches sieht der Bannwald, tief im Rammert, schon fast aus wie ein Urwald.<\/p>\n<p>_______<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gef\u00fchrte Wanderung durch den Bannwald G\u00f6ggenw\u00e4ldleshalde kam auf Initiative des F\u00f6rderkreises Botanischer Garten T\u00fcbingen zustande, der ganzj\u00e4hrig ein spannendes Programm bietet.<br \/>\nZum Botanischen Garten T\u00fcbingen geht es <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/einrichtungen\/zentrale-einrichtungen\/willkommen-im-botanischen-garten\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung hatte Stefan Ruge, Professor f\u00fcr Botanik und Waldbau-Grundlagen und unter anderem Leiter des forstbotanischen Gartens (Arboretum) an der Hochschule Rottenburg.<\/p>\n<p>Zur Hochschule geht es <a href=\"https:\/\/www.hs-rottenburg.net\/startseite\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Der genannte Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien unter dem Titel \u201eDeutschlands Platz im Regenwald\u201c am 27.08.2018. Thema ist eine \u00c4u\u00dferung des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, wonach er sich vorstellen k\u00f6nne, Regenwald in S\u00fcdamerika aufzukaufen und unter Schutz zu stellen. Genau das, was sein Parteifreund Niebel abgelehnt hat, obwohl er eine einzigartige Gelegenheit dazu gehabt h\u00e4tte.<br \/>\nZu Hompage der Zeitung geht es <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 ist schwer zu beziffern. Doch da m\u00fcssen wir durch. 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