{"id":719,"date":"2019-01-05T16:53:57","date_gmt":"2019-01-05T14:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=719"},"modified":"2019-01-05T17:01:22","modified_gmt":"2019-01-05T15:01:22","slug":"visionen-zur-verteidigung-der-vaterlaender","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=719","title":{"rendered":"Visionen zur Verteidigung der Vaterl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Schon mal einen \u201eMittelalter-Roman\u201c gelesen? Mit Rittern, Schwertk\u00e4mpfen und so?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir kommt eine Szene aus einem dieser Romane, wie auch immer er hie\u00df, in den Sinn: Einen Waffenschmied gelang es, ein ganz besonderes Schwert herzustellen. Der Ritter erkannte dies und h\u00fctete diesen Schmied und sein Knowhow wie seinen Augapfel. Gar nie sollte diese Schmiedekunst oder die Waffen in fremde H\u00e4nde gelangen. Schon gar nicht in die H\u00e4nde eines Feindes.<\/p>\n<p>Und heute? Wir verkaufen unsere Waffen, die besten der Welt, in aller Herren L\u00e4nder, ohne letztlich zu wissen, in wessen H\u00e4nde sie gelangen.<\/p>\n<p>Daraus sollten wir lernen und unsere Schwerter und andere R\u00fcstungsg\u00fcter h\u00fcten wie unseren Augapfel. Drei Konsequenzen:<\/p>\n<p>1. Verstaatlichung und Vergemeinschaftung der gesamten R\u00fcstungsindustrie der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Die Idee ist nicht besonders originell. Das gro\u00dfe Friedensprojekt der Einigung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begann damit, dass die Montanindustrie, Kohle und Stahl, vergemeinschaftet wurde. Der Vorl\u00e4ufer der Europ\u00e4ischen Union war die \u201eEurop\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl\u201c (EGKS) oder kurz Montanunion genannt<sup>1<\/sup>.<br \/>\nHeute ist es an der Zeit, die gesamte R\u00fcstungsindustrie der EU, gerne einschlie\u00dflich Gro\u00dfbritanniens, zu verstaatlichen und zu vergemeinschaften.<br \/>\nEine \u201eHohe Beh\u00f6rde\u201c, wie das oberste Gremium der Montanunion hie\u00df, soll an der Spitze einer \u201eEurop\u00e4ischen Verteidigungsunion\u201c oder \u201eEurop\u00e4ischen R\u00fcstungsagentur\u201c (ERA) stehen und die Armeen der EU, vielleicht sogar eine gemeinsame, mit allen n\u00f6tigen Waffen und Waffensystemen versorgen. Von der Handfeuerwaffe bis zum Kampfjet.<\/p>\n<p>2. Keine Waffenexporte, keine Waffenimporte.<\/p>\n<p>Wir bauen die besten Waffen der Welt ausschlie\u00dflich f\u00fcr uns selbst.<br \/>\nWas sonst?<br \/>\nF\u00fcr uns selbst hei\u00dft, ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte und Polizeikr\u00e4fte der Mitglieder der Europ\u00e4ischen Union.<br \/>\nKeine einzige Patrone darf mehr nach au\u00dfen gelangen. Damit entfiele vor allem die politisch heikle und letzlich nicht korrekt zu beantwortende Frage, wer unsere Waffen zu welchem Zweck erhalten soll. Nato-Partner? Verb\u00fcndete? Staaten, die unsere Werte teilen? Staaten, Waffen f\u00fcr Angriffszwecke nutzen oder nur zur Verteidigung? Was immer \u201eVerteidigung\u201c hei\u00dfen mag. Staaten, die Waffen auf das eigene Volk richten? Dual Use? Gegenw\u00e4rtig ist es so, dass auch Staaten, die unsere Werte nicht teilen, selbst die, die die Menschrechte mit Milit\u00e4rstiefeln treten, von uns gro\u00dfz\u00fcgig mit Waffen versorgt werden.<br \/>\nWir werden auch keine Waffen mehr importieren. Warum auch? Das R\u00fcstungs-Knowhow Europas ist gro\u00df genug.<\/p>\n<p>3. Arbeitspl\u00e4tze auf dem heutigen Niveau halten.<\/p>\n<p>Die Zahl der Besch\u00e4ftigten in der R\u00fcstungsindustrie der Europ\u00e4ischen Union wird auf dem derzeitigen Niveau stabilisiert. Diese Frauen und M\u00e4nner, einfache Arbeiter und Ingenieure werden nicht mehr um ihre Arbeitspl\u00e4tze bangen m\u00fcssen, sie sind bei der ERA fest angestellt, quasi Beamte. Es ist wohl kaum \u00fcbertrieben, wenn wir die Herstellung von solchen sensiblen G\u00fctern wie Waffen ausschlie\u00dflich besonders loyalen Menschen \u00fcberlassen.<br \/>\nSie werden auch ohne Exporte gen\u00fcgend zu tun haben. Allein die Streitkr\u00e4fte der EU umfassen fast zwei Millionen Soldaten.<\/p>\n<p>Das oberste Ziel der R\u00fcstungsunion ist es, diese Kr\u00e4fte mit modernen Waffensystem auszustatten und vor allem die Verf\u00fcgbarkeit nahe 100 Prozent zu halten. Medienberichten zufolge, waren von 128 Eurofightern der Luftwaffe im Jahresdurchschnitt 2017 nur 39 einsatzbereit, zeitweise sollen es sogar nur ganze vier Flugzeuge gewesen sein<sup>2<\/sup>.<br \/>\nGut, vielleicht verfolgt die Bundeswehr damit eine Strategie, welche an die Weisheit des Chinesen Sun Tsu (523 v. Chr.) angelehnt ist: \u201eJede Kriegsf\u00fchrung gr\u00fcndet auf T\u00e4uschung. Wenn wir also f\u00e4hig sind, anzugreifen, m\u00fcssen wir unf\u00e4hig erscheinen;\u201c<sup>3<\/sup><\/p>\n<p>Ein weiterer Grund, die Kr\u00e4fte in Europa zu b\u00fcndeln, ist die Vielfalt der Waffensysteme. Bei Panzern, so hei\u00dft es, verf\u00fcgen die Mitglieder der EU 37 verschiedene Typen, die USA \u00fcber 3. Bei Fregatten und Zerst\u00f6rern 29 bzw. 4 und bei Kampfflugzeugen 20 bzw. 6<sup>4<\/sup>.<\/p>\n<p>Bei Kampfflugzeugen, immerhin, tut sich was. Frankreich und Deutschland wollen die n\u00e4chste Generation dieser Waffensysteme gemeinsam entwickeln, Spanien schlie\u00dft sich wohl an<sup>5<\/sup>.<\/p>\n<p>Je mehr solcher Systeme gemeinsam entwickelt werden, desto besser funktioniert die Verteilung der Aufgaben und der Arbeitspl\u00e4tze. Klar, dass nicht alle 28 EU-L\u00e4nder am selben Flugzeug bauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht entsteht da eine gigantische B\u00fcrokratie und nichts funktioniert mehr. Allerdings ist es erschreckend, wie viel jetzt schon nicht funktioniert, obwohl alles einigerma\u00dfen privatwirtschaftlich organisiert ist. Verz\u00f6gerungen und Verteuerung bei Waffensystemen sind gang und g\u00e4be. Der \u201eEurofighter\u201c ist fast dreizehn Jahre im Verzug, das Transportflugzeug A400M ist fast neun Jahre. Der Sch\u00fctzenpanzer \u201ePuma\u201c wird 50 Prozent teurer als geplant, die Fregatte 125 \u00fcbersteigt die urspr\u00fcnglich geplanten Kosten um 46 Prozent<sup>6<\/sup>. Honni soit qui mal y pense.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass mit einer gemeinsamen R\u00fcstungsindustrie jegliche Konkurrenz ausgeschaltet w\u00e4re. Aber eben nur dort, wo es sinnvoll ist. Ob sich eine Truppe oder ein Truppenteil f\u00fcr eine Beretta, eine Glock oder eine Heckler und Koch entscheidet \u2013 sei\u2019s drum. Bei Gro\u00dfwaffensystemen wie dem Kampfjet, dessen Entwicklung Milliarden kostet, ist es jedoch v\u00f6llig unsinnig, mehrere Systeme parallel zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ebenso bei Kriegsschiffen. Vor allem Flugzeugtr\u00e4ger. Soweit diese Waffensysteme \u00fcberhaupt sinnvoll sind \u2013 kein Staat in Europa ist mehr in der Lage, so ein Gro\u00dfschiff alleine zu finanzieren. Wenn also Flugzeugtr\u00e4ger, dann den europ\u00e4ischen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re dann die Europ\u00e4ische Kriegsmarine, es folgt die Europ\u00e4ische Luftwaffe und schlie\u00dflich das Europaheer. Es ist unsere Europ\u00e4ische Armee, die \u201eArmee der Europ\u00e4er\u201c, wie sie jetzt von Macron und Merkel ins Gespr\u00e4ch gebracht wurde<sup>7<\/sup>.<\/p>\n<p>Die Verteidigungsunion ist schon auf dem besten Weg<sup>8<\/sup>. Die R\u00fcstungsunion sollte schnell folgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Wikipedia-Eintrag \u201eEurop\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montanunion\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montanunion<\/a><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>spiegel.de, 2.05.2018: Luftwaffe hat nur vier kampfbereite \u201eEurofighter\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bundeswehr-luftwaffe-hat-nur-vier-kampfbereite-eurofighter-a-1205641.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bundeswehr-luftwaffe-hat-nur-vier-kampfbereite-eurofighter-a-1205641.html<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>3 aus \u201eDie Kunst des Krieges\u201c, zitiert nach Sara Paborn \u201eBeim Morden bitte langsam vorgehen\u201c, DVA, M\u00fcnchen, 2017<\/p>\n<p>4 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2018: \u201eEuropas Waffenindustrie b\u00fcndelt ihre Kr\u00e4fte\u201c<\/p>\n<p>5 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.12.2018: \u201eSpanien schlie\u00dft sich Kampfjet an \u2013 Deutsch-Franz\u00f6sisches R\u00fcstungsprogramm ausgeweitet\u201c<\/p>\n<p>6 spiegel.de, 9.12.2018: \u201eGro\u00dfprojekte der Bundeswehr mehr als f\u00fcnf Jahre zu sp\u00e4t\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bundeswehr-grossprojekte-mehr-als-fuenf-jahre-zu-spaet-a-1242761.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bundeswehr-grossprojekte-mehr-als-fuenf-jahre-zu-spaet-a-1242761.html<\/a><\/p>\n<p>7 sueddeutsche.de, 6.11.2018: Macron fordert \u201ewahre europ\u00e4ische Armee\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/militaer-europa-verteidigung-1.4198669\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/militaer-europa-verteidigung-1.4198669<\/a><\/p>\n<p>8 zeit.de, 19.11.2018: EU-Staaten treiben Ausbau von Verteidigungsunion voran<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2018-11\/19\/eu-staaten-treiben-ausbau-von-verteidigungsunion-voran-181119-99-883682\">https:\/\/www.zeit.de\/news\/2018-11\/19\/eu-staaten-treiben-ausbau-von-verteidigungsunion-voran-181119-99-883682<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon mal einen \u201eMittelalter-Roman\u201c gelesen? 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