{"id":780,"date":"2019-12-31T18:38:34","date_gmt":"2019-12-31T16:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=780"},"modified":"2020-12-29T19:22:30","modified_gmt":"2020-12-29T17:22:30","slug":"in-eigener-sache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=780","title":{"rendered":"In eigener Sache"},"content":{"rendered":"<p>36 Journalisten sind 2019 get\u00f6tet worden, 235 kamen ins Gef\u00e4ngnis. Warum?<\/p>\n<p><!--more--><br \/><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-783\" src=\"http:\/\/zabota.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/pixabay-1-michael-bussmann-news-1591767_1280-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Weil sie Journalisten sind! Die Zahlen kommen von \u201eReporter ohne Grenzen\u201c. Die Organisation, die sich weltweit f\u00fcr Pressefreiheit einsetzt, sieht genau hin und ver\u00f6ffentlicht die Zahlen im j\u00e4hrlichen \u201eBarometer der Pressefreiheit\u201c. Zu den 36 Journalisten kommen noch Blogger, B\u00fcrgerjournalisten und Medienmitarbeiter hinzu, so dass 2019 insgesamt mindestens 49 Medienschaffende ums Leben kamen. Im Gef\u00e4ngnis landeten insgesamt 389 Medienschaffende. Reporter ohne Grenzen legt Wert auf die Feststellung, dass nur die gez\u00e4hlt werden, deren Tod oder Inhaftierung in direktem Zusammenhang mit ihrer journalistischen Arbeit steht<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>\u201eDie gef\u00e4hrlichsten L\u00e4nder f\u00fcr Medienschaffende waren 2019 Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia\u201c, hei\u00dft es bei Reporter ohne Grenzen. Fast die H\u00e4lfte aller Inhaftieren verteilt sich auf drei L\u00e4nder: China, \u00c4gypten und Saudi-Arabien. Allerdings kommt es auch bei uns in der Europ\u00e4ischen Union vor, dass Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen gebracht werden. Aufsehen erregten die F\u00e4lle von Daphne Caruana Galizia<sup>2<\/sup> in Malta und Jan Kuciak<sup>3<\/sup> in der Slowakei.<\/p>\n<p>Sowohl Galizia als auch Kuciak recherchierten zum Thema Korruption. K\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung<sup>4<\/sup> eine \u201eWeltkarte der Korruption\u201c, fast gleichzeitig erschien von Reporter ohne Grenzen die Weltkarte der Pressefreiheit. Wer die beiden Karten vergleicht, stellt fest: Korruption wuchert besonders dort, wo es keine Pressefreiheit gibt. Nat\u00fcrlich sind viele Medienschaffende den M\u00e4chtigen auch \u201epolitisch missliebig\u201c. Meistens geht es jedoch um dunkle Gesch\u00e4fte. Der Druck auf die Pressefreiheit geht daher nicht nur von den Regierenden, sondern auch von Gesch\u00e4ftsleuten, bzw. Verflechtungen der beiden, aus. Pressefreiheit ist auch dann gef\u00e4hrdet, wenn sich Medien nicht mehr unabh\u00e4ngig finanzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Deutschland steht 2019 in Sachen Pressefreiheit relativ gut da. Wir haben uns im Vergleich zum Vorjahr auf der Rangliste der Pressefreiheit<sup>5<\/sup> um zwei Pl\u00e4tze nach oben gearbeitet und stehen jetzt auf Platz 13 von 180. Die R\u00e4nge 1 bis 3 belegen Norwegen, Finnland und Schweden, die R\u00e4nge 178 bis 180 Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Viele unserer besten Wirtschaftsfreunde stehen hier relativ schlecht da, insbesondere die T\u00fcrkei (157), Saudi-Arabien (172) und China (177).<\/p>\n<p>Was in auch Deutschland Sorge bereitet, sind vor allem die Anfeindungen der Rechtspopulisten. Demonstrationen, Proteste und Zusammenrottungen vor Privatwohnungen von Journalisten sind eine nicht akzeptable Grenz\u00fcberschreitung. Ganz grunds\u00e4tzlich gibt es eine tendenziell sich verschlechternde Meinung zum Journalismus. Oft ist die Bezeichnung \u201eSchreiberling\u201c nicht einfach sp\u00f6ttisch, sondern bewusst abwertend gemeint. In einem Krimi<sup>6<\/sup> haben wir folgende Passage gefunden: \u201eDie Journalisten waren wie immer aufgeregt und aufgebracht, weil man sie nicht umgehend und umfassend informierte. Information! Oh, wie ihn diese heuchlerische Meute ankotzte. Duval hasste die Journalisten. Er kannte nicht einen, der sein Handwerk ordentlich machte.\u201c<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, wo sich Kommissar Duval \u00fcber das Weltgeschehen, bzw. lokale Ereignisse informiert \u2013 vielleicht bei Var-matin?<br \/>Oder irgendwo im Internet?<\/p>\n<p>Immerhin hat Kommissar Duval erkannt: Journalismus ist ein Handwerk. Journalistinnen und Journalisten sind Handwerker wie Schreiner, K\u00f6che oder Zahntechniker. Den Beruf erlernt man, entweder durch ein Redaktionsvolontariat, an einer Journalistenschule oder durch ein Studium. Dennoch kann jeder \u00fcberall, vor allem im Internet alles schreiben und sich Journalist nennen. In Deutschland hat das seinen Grund darin, dass die Freiheit der Presse vom Grundgesetz garantiert ist (Art. 5). Dennoch ist der Unterschied zwischen einem gelernten Journalisten und einen ungelernten etwa so wie zwischen einem Polizeikommissar und einem Privatdetektiv.<\/p>\n<p>Wer sich also im Internet informiert, sollte das wenigstens da tun, wo Leute arbeiten, die ihr Handwerk gelernt haben, die gewisse Standards einhalten. Zum Beispiel den Pressekodex<sup>7<\/sup>.<br \/>Und er oder sie sollte sich im klaren dar\u00fcber sein, dass dort, wo es keine Pressefreiheit gibt, auch keine Demokratie und kein Rechtsstaat existieren k\u00f6nnen.<br \/>Am besten hat das das Schweizer Magazin<sup>8<\/sup> \u201eRepublik\u201c auf den Punkt gebracht: \u201eOhne Journalismus keine Demokratie.<br \/>Es lohnt sich, das Manifest des Magazins zu lesen.<\/p>\n<p>1 Reporter ohne Grenzen: Jahresbilanz der Pressefreiheit<br \/><a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/jahresbilanz\/2019\/\">https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/jahresbilanz\/2019\/<\/a><\/p>\n<p>2 Wikipedia-Eintrag \u201eDaphne Caruana Galizia\u201c<br \/><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daphne_Caruana_Galizia\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daphne_Caruana_Galizia<\/a><\/p>\n<p>3 Wikipedia-Eintrag \u201eJan Kuciak\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%A1n_Kuciak\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%A1n_Kuciak<\/a><\/p>\n<p>4 FAZ, 16.10.2019: In China lauert die Korruption bis heute<br \/>(Abb. in der Printausgabe: Die Weltkarte der Korruption)<br \/><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutsche-bank-und-china-wo-die-korruption-bis-heute-lauert-16434688.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutsche-bank-und-china-wo-die-korruption-bis-heute-lauert-16434688.html<\/a><\/p>\n<p>5 Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit<br \/><a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/rangliste\/2019\/\">https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/rangliste\/2019\/<\/a><\/p>\n<p>6 Cazon, Christine: \u201eM\u00f6rderische C\u00f4te d\u2019Azur\u201c, Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln, 2014, Seite 21<\/p>\n<p>7 Der Deutsche Presserat ist die <strong>Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien<\/strong> und deren Online-Auftritte in Deutschland. Anhand von Beschwerden \u00fcberpr\u00fcft er die Einhaltung ethischer Regeln f\u00fcr die t\u00e4gliche Arbeit von Journalisten, die im Pressekodex festgehalten sind.<br \/><a href=\"https:\/\/www.presserat.de\/pressekodex.html\">https:\/\/www.presserat.de\/pressekodex.html<\/a><\/p>\n<p>8 \u201eDie Republik ist ein digitales Magazin f\u00fcr Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Finanziert von seinen Leserinnen und Lesern. Gemeinsam sind wir eine Rebellion gegen die Medienkonzerne, f\u00fcr die Medienvielfalt. Unabh\u00e4ngig, werbefrei \u2013 und mit nur einem Ziel: begeisternden Journalismus zu liefern.\u201c<br \/><a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/manifest\">https:\/\/www.republik.ch\/manifest<\/a><\/p>\n<p>Image by <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/users\/Michael_Luenen-2998623\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1591767\">Michael Bu\u00dfmann<\/a> from <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1591767\">Pixabay<\/a><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Update 2020:<\/strong><br>50 tote Journalistinnen und Journalisten<br>387 im Gef\u00e4ngnis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>36 Journalisten sind 2019 get\u00f6tet worden, 235 kamen ins Gef\u00e4ngnis. 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