{"id":891,"date":"2020-10-30T20:14:50","date_gmt":"2020-10-30T18:14:50","guid":{"rendered":"http:\/\/zabota.de\/?p=891"},"modified":"2020-10-30T20:14:50","modified_gmt":"2020-10-30T18:14:50","slug":"erbe-endlager","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zabota.de\/?p=891","title":{"rendered":"Erbe Endlager"},"content":{"rendered":"<p>Was Du heute kannst besorgen, verschiebe doch auf morgen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jetzt also Atomm\u00fcll. Vor fast 58 Jahren hat das erste deutsche Kernkraftwerk den kommerziellen Betrieb aufgenommen<strong><sup>1<\/sup><\/strong>. Baubeginn war bereits vier Jahre zuvor, im Juli 1958. Sp\u00e4testens zu diesem Zeitpunkt muss sich doch jemand Gedanken dar\u00fcber gemacht haben:<br \/>\nWohin mit dem radioaktiven M\u00fcll?<\/p>\n<p>Wir werden sehen. Das hei\u00dft, genau genommen werden es nur wenige der heutigen Zeitgenossen sehen und schon gar nicht die, die uns in den Jahren 1958 bis 2011 die ganze Suppe eingebrockt haben. Denn der deutsche Atomm\u00fcll findet erst im Jahre des Herrn 2050 seine letzte Ruhest\u00e4tte. Im Jahre 2050 muss dann eine Generation den Dreck wegr\u00e4umen, die nicht ein Milliwatt Atomstrom aus deutschen Meilern genutzt hat.<\/p>\n<p>Sicher, wenn man es genau nimmt, ist aus den Atomstromnutzern auch die \u201eAtomkraft \u2013 nein danke\u201c-Bewegung hervorgegangen, ja \u00fcberhaupt die ganze \u00d6kobewegung bis hin zur Gr\u00fcndung der Partei \u201eDie Gr\u00fcnen\u201c. Das Dilemma: Auch wenn man gegen Atomkraft ist \u2013 ein Endlager musste schon lange her.<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberall pflegt man, Probleme einfach an die n\u00e4chste Generation weiterzureichen. \u201eHier in Finnland sind alle \u00fcberzeugt davon, dass sich diejenige Generation, die von der Atomkraft profitiert und den Strom aus Atomkraftwerken verbraucht, auch um den Abfall k\u00fcmmern und ein Endlager bauen muss\u201c, sagt Janne Mokka, Chef der finnischen Betreibergesellschaft f\u00fcr das Endlager<strong><sup>2<\/sup><\/strong>. Mitte der zwanziger Jahre beginnen sie dort im Norden, hochradioaktive Abf\u00e4lle ihrer drei Kraftwerke einzulagern.<\/p>\n<p>Wir in Deutschland sind nach sechs Jahrzehnten wieder auf Los. Ende September 2020 legt die Bundesgesellschaft f\u00fcr Endlagerung (BGE) einen \u201eZwischenbericht\u201c vor, demzufolge es hierzulande 90 potenzielle Gebiete gibt, die geologisch gesehen f\u00fcr eine Endlagerung geeignet sind<strong><sup>3<\/sup><\/strong>.<\/p>\n<p>Das ist bemerkenswert. Und zwar unter anderem deswegen, weil nach diesen fast sechs Jahrzehnten Kernkraft erst ein \u201eZwischenbericht\u201c vorliegt. Es ist ferner bemerkenswert, dass Gorleben nicht mehr zu den geeigneten Standorten z\u00e4hlt. Das hei\u00dft, die Verantwortlichen (DBE mbH, BGR und schlie\u00dflich BGE) haben von 1977 bis 2020, also 43 Jahre gebraucht, um festzustellen, dass der Salzstock in Gorleben f\u00fcr eine Endlagerung ungeeignet ist.<\/p>\n<p>Dabei galt Gorleben eigentlich als geeigneter Standort. Kein geringerer als Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Friedrich-W. Wellmer, fr\u00fcherer Pr\u00e4sident der Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe schreibt im Leserbrief an die FAZ, die perfekte Geologie f\u00fcr ein Endlager werde man niemals finden. Der Prozess, der zur Auswahl von Gorleben gef\u00fchrt hat, sei aber v\u00f6llig korrekt gewesen. Ein weiterer Leserbriefschreiber erg\u00e4nzt, nach vierzig Jahren Endlagerforschung habe die Bundesregierung 2008 festgestellt, es gebe nichts, was gegen Gorleben spr\u00e4che. Schlie\u00dflich wei\u00df ein dritter Leser, die Suche und das Forschen seien zu Beginn tats\u00e4chlich unpolitisch gewesen, der politische Einfluss habe erst sp\u00e4ter eingesetzt<strong><sup>4<\/sup><\/strong>. Vermutlich erst mit dem Beginn des massiven Widerstands.<\/p>\n<p>Oder sehen wir es so: Da der radioaktive M\u00fcll in diesem Endlager eine Million Jahre sicher lagern soll, kann man sich bei der Standortwahl ruhig Zeit lassen. Jahrzehnte, selbst Jahrhunderte und Jahrtausende sind da gar nichts. Den Menschen, wie er heute ist, gibt es \u00fcbrigens seit rund 300.000 Jahren. Also ist 2050 ein Datum, das in jeder Hinsicht als unverbindlich gelten kann. So wie BER 11 oder S 21.<\/p>\n<p>Als ob die geologischen Anforderungen und Herausforderungen nicht schon reichten, kommen, soviel ist schon heute sicher, weitere politische Unw\u00e4gbarkeiten hinzu. Irgendjemand, das passt wieder prima, hat als Synonym f\u00fcr Endlager den Begriff \u201eAtomklo\u201c ins Spiel gebracht. Das will nat\u00fcrlich keiner haben, keiner sein. Daher ist jetzt schon absehbar: Es wird eine Art \u201eAusnasen\u201c<strong><sup>5<\/sup><\/strong> geben. Der letzte bringt den (Atom-) M\u00fcll weg.<br \/>\nSollte dabei ersichtlich werden, dass ein geologisch geeigneter Standort nur deswegen nicht ausscheidet, weil sich die B\u00fcrger nicht gewehrt haben, droht ein spannender politischer Prozess. Daher wird jeder B\u00fcrgermeister und jeder Landrat sofort \u201eNein, danke!\u201c sagen. Vorsichtshalber, vorbeugend, vorauseilend.<\/p>\n<p>Ein tiefer Schacht ist also nicht in Sicht, daf\u00fcr tun sich betriebswirtschaftlich tiefe Abgr\u00fcnde auf. Endg\u00fcltig werden die Endkosten f\u00fcr das Endlager erst lange nach 2050 (da soll ja die Einlagerung erst beginnen) feststehen. Ein Gutachten von 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass sich bis 2099 die Kosten f\u00fcr den R\u00fcckbau der radioaktiven Meiler und f\u00fcr die Endlagerung von M\u00fcll und Material auf 170 Milliarden Euro summieren werden<strong><sup>6<\/sup><\/strong>. Nach Rechtslage m\u00fcssten das Geld die Atomkonzerne aufbringen. Allerdings hat ein weiteres Gutachten schon vorher festgestellt, es sei zweifelhaft, ob die vier gro\u00dfen Stromversorger dieses Geld in Form von R\u00fccklagen \u00fcberhaupt haben<strong><sup>7<\/sup><\/strong>. Haben sie es nicht, ist der Steuerzahler dran. Was eigentlich nicht schlimm w\u00e4re, denn Steuerzahler und Stromnutzer sind in einer Periode im Prinzip identisch \u2013 nur eben nicht Nutzer g\u00fcnstigen Stroms von vorgestern und Steuerzahler von \u00fcbermorgen.<\/p>\n<p>1 Wikipedia-Eintrag \u201eListe der Kernreaktoren in Deutschland\u201c<br \/>\nabgerufen am 1.10.2020<br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_Kernreaktoren_in_Deutschland\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_Kernreaktoren_in_Deutschland<\/a><\/p>\n<p>2 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2020:<br \/>\n\u201e Deutschland sucht, das Ausland findet\u201c<\/p>\n<p>3 tagesschau.de, 28.09.2020:<br \/>\n\u201e90 Regionen sind geologisch geeignet\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/endlagersuche-103.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/endlagersuche-103.html<\/a><\/p>\n<p>4 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2020<br \/>\nFrankfurter Allgemeine Zeitung, 6.10.2020<\/p>\n<p>5 Ausnasen: Familie mit Kindern sitzt am Tisch. Irgendwann kommt die Frage \u2013 wer r\u00e4umt ab? Schnell fasst sich jeder mit dem Zeigefinger an die Nase. Der letzte r\u00e4umt ab.<\/p>\n<p>6 faz.net, 2.05.2016: \u201eDas kostet den Steuerzahler der Atomm\u00fcll\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/steuerzahler-tragen-die-kosten-der-energiewende-14209053.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/steuerzahler-tragen-die-kosten-der-energiewende-14209053.html<\/a><\/p>\n<p>7 spiegel.de, 14.09.2015: \u201eEnergiekonzernen fehlen 30 Milliarden Euro\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/atomausstieg-fuer-den-atommuell-fehlen-30-milliarden-euro-a-1052869.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/atomausstieg-fuer-den-atommuell-fehlen-30-milliarden-euro-a-1052869.html<\/a><\/p>\n<p>Das Foto der <a href=\"https:\/\/www.bge.de\/de\/bge\/presse\/pressebilder\/endlager-morsleben\/\">Bundesgesellschaft f\u00fcr Endlagerung (BGE)<\/a> zeigt betriebliche Eigenabf\u00e4lle im Westfeld auf der 4. Ebene (Sohle) des Endlagers Morsleben, rund 500 Meter unter Tage. Seit 1998 werden nach Angaben der BGE keine radioaktiven Abf\u00e4lle mehr an das Endlager Morsleben geliefert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Du heute kannst besorgen, verschiebe doch auf morgen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":892,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[220,221,219],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891"}],"collection":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=891"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":896,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891\/revisions\/896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/892"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/zabota.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}