In eigener Sache

36 Journalisten sind 2019 getötet worden, 235 kamen ins Gefängnis. Warum?


Weil sie Journalisten sind! Die Zahlen kommen von „Reporter ohne Grenzen“. Die Organisation, die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzt, sieht genau hin und veröffentlicht die Zahlen im jährlichen „Barometer der Pressefreiheit“. Zu den 36 Journalisten kommen noch Blogger, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter hinzu, so dass 2019 insgesamt mindestens 49 Medienschaffende ums Leben kamen. Im Gefängnis landeten insgesamt 389 Medienschaffende. Reporter ohne Grenzen legt Wert auf die Feststellung, dass nur die gezählt werden, deren Tod oder Inhaftierung in direktem Zusammenhang mit ihrer journalistischen Arbeit steht1.

„Die gefährlichsten Länder für Medienschaffende waren 2019 Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia“, heißt es bei Reporter ohne Grenzen. Fast die Hälfte aller Inhaftieren verteilt sich auf drei Länder: China, Ägypten und Saudi-Arabien. Allerdings kommt es auch bei uns in der Europäischen Union vor, dass Journalistinnen und Journalisten zum Schweigen gebracht werden. Aufsehen erregten die Fälle von Daphne Caruana Galizia2 in Malta und Jan Kuciak3 in der Slowakei.

Sowohl Galizia als auch Kuciak recherchierten zum Thema Korruption. Kürzlich veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung4 eine „Weltkarte der Korruption“, fast gleichzeitig erschien von Reporter ohne Grenzen die Weltkarte der Pressefreiheit. Wer die beiden Karten vergleicht, stellt fest: Korruption wuchert besonders dort, wo es keine Pressefreiheit gibt. Natürlich sind viele Medienschaffende den Mächtigen auch „politisch missliebig“. Meistens geht es jedoch um dunkle Geschäfte. Der Druck auf die Pressefreiheit geht daher nicht nur von den Regierenden, sondern auch von Geschäftsleuten, bzw. Verflechtungen der beiden, aus. Pressefreiheit ist auch dann gefährdet, wenn sich Medien nicht mehr unabhängig finanzieren können.

Deutschland steht 2019 in Sachen Pressefreiheit relativ gut da. Wir haben uns im Vergleich zum Vorjahr auf der Rangliste der Pressefreiheit5 um zwei Plätze nach oben gearbeitet und stehen jetzt auf Platz 13 von 180. Die Ränge 1 bis 3 belegen Norwegen, Finnland und Schweden, die Ränge 178 bis 180 Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Viele unserer besten Wirtschaftsfreunde stehen hier relativ schlecht da, insbesondere die Türkei (157), Saudi-Arabien (172) und China (177).

Was in auch Deutschland Sorge bereitet, sind vor allem die Anfeindungen der Rechtspopulisten. Demonstrationen, Proteste und Zusammenrottungen vor Privatwohnungen von Journalisten sind eine nicht akzeptable Grenzüberschreitung. Ganz grundsätzlich gibt es eine tendenziell sich verschlechternde Meinung zum Journalismus. Oft ist die Bezeichnung „Schreiberling“ nicht einfach spöttisch, sondern bewusst abwertend gemeint. In einem Krimi6 haben wir folgende Passage gefunden: „Die Journalisten waren wie immer aufgeregt und aufgebracht, weil man sie nicht umgehend und umfassend informierte. Information! Oh, wie ihn diese heuchlerische Meute ankotzte. Duval hasste die Journalisten. Er kannte nicht einen, der sein Handwerk ordentlich machte.“

Wir wissen nicht, wo sich Kommissar Duval über das Weltgeschehen, bzw. lokale Ereignisse informiert – vielleicht bei Var-matin?
Oder irgendwo im Internet?

Immerhin hat Kommissar Duval erkannt: Journalismus ist ein Handwerk. Journalistinnen und Journalisten sind Handwerker wie Schreiner, Köche oder Zahntechniker. Den Beruf erlernt man, entweder durch ein Redaktionsvolontariat, an einer Journalistenschule oder durch ein Studium. Dennoch kann jeder überall, vor allem im Internet alles schreiben und sich Journalist nennen. In Deutschland hat das seinen Grund darin, dass die Freiheit der Presse vom Grundgesetz garantiert ist (Art. 5). Dennoch ist der Unterschied zwischen einem gelernten Journalisten und einen ungelernten etwa so wie zwischen einem Polizeikommissar und einem Privatdetektiv.

Wer sich also im Internet informiert, sollte das wenigstens da tun, wo Leute arbeiten, die ihr Handwerk gelernt haben, die gewisse Standards einhalten. Zum Beispiel den Pressekodex7.
Und er oder sie sollte sich im klaren darüber sein, dass dort, wo es keine Pressefreiheit gibt, auch keine Demokratie und kein Rechtsstaat existieren können.
Am besten hat das das Schweizer Magazin8 „Republik“ auf den Punkt gebracht: „Ohne Journalismus keine Demokratie.
Es lohnt sich, das Manifest des Magazins zu lesen.

1 Reporter ohne Grenzen: Jahresbilanz der Pressefreiheit
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/jahresbilanz/2019/

2 Wikipedia-Eintrag „Daphne Caruana Galizia“
https://de.wikipedia.org/wiki/Daphne_Caruana_Galizia

3 Wikipedia-Eintrag „Jan Kuciak“

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A1n_Kuciak

4 FAZ, 16.10.2019: In China lauert die Korruption bis heute
(Abb. in der Printausgabe: Die Weltkarte der Korruption)
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bank-und-china-wo-die-korruption-bis-heute-lauert-16434688.html

5 Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2019/

6 Cazon, Christine: „Mörderische Côte d’Azur“, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2014, Seite 21

7 Der Deutsche Presserat ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und deren Online-Auftritte in Deutschland. Anhand von Beschwerden überprüft er die Einhaltung ethischer Regeln für die tägliche Arbeit von Journalisten, die im Pressekodex festgehalten sind.
https://www.presserat.de/pressekodex.html

8 „Die Republik ist ein digitales Magazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Finanziert von seinen Leserinnen und Lesern. Gemeinsam sind wir eine Rebellion gegen die Medienkonzerne, für die Medienvielfalt. Unabhängig, werbefrei – und mit nur einem Ziel: begeisternden Journalismus zu liefern.“
https://www.republik.ch/manifest

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